Am Ufer der Rhône im Zentrum von Lyon treffen sich an einem milden Abend grüne Lokalpolitiker, Wahlkampfhelferinnen und linke Verbündete zu einem Wahlkampfspaziergang durch das dritte Arrondissement.
Unter der Menschengruppe ist auch eine ältere Frau, die seit Jahren die Grünen unterstützt. «Man sagt viel Schlechtes über den Bürgermeister von Lyon», sagt sie, «aber er hat die Stadt verschönert».
Wahlkampfspaziergang der Grünen in Lyon
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Bild 1 von 3. Im dritten Arrondissement will die Grüne Marion Sessiecq als Vorsitzende wiedergewählt werden. Grégory Doucet will Bürgermeister von Lyon bleiben. Bildquelle: SRF / Zoe Geissler.
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Bild 2 von 3. Eine Blasgruppe sorgt für ausgelassene Stimmung. Dabei steht für die Grünen in Lyon viel auf dem Spiel. Bildquelle: SRF / Zoe Geissler.
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Bild 3 von 3. Die Lokalpolitiker, Wahlkampfhelferinnen und linke Verbündete geben sich kämpferisch. Bildquelle: SRF / Zoe Geissler.
Tatsächlich hat sich das Stadtbild in den letzten Jahren verändert: mehr Velowege, Fussgängerzonen und Grünflächen, weniger Platz für Autos.
Marion Sessiecq, Vorsteherin des dritten Arrondissements, verteidigt diese Politik: «Wir sind stolz auf unsere Bilanz. Wir haben die Stadt wirklich umgestaltet.»
Prominenter Gegner
Doch genau diese Politik scheint nicht alle Lyoner und Lyonerinnen zu überzeugen. Das weiss auch Sessiecq, die um ihre Wiederwahl kämpft. Bei den letzten Wahlen habe das Thema Umweltschutz noch zu den Prioritäten der Wählenden gehört. Nun sei es schwieriger, die Menschen zu überzeugen, räumt sie ein.
«Vielleicht, weil in den letzten Jahren viele Bauarbeiten gleichzeitig stattgefunden haben. Und weil wir einen populären Gegner haben.» Gemeint ist: Jean-Michel Aulas.
Der Unternehmer und ehemalige Präsident des Fussballclubs Olympique Lyonnais wird von den Konservativen und den Mitte-Rechts-Parteien unterstützt. Derzeit führt Aulas in Umfragen gegenüber dem amtierenden grünen Bürgermeister Grégory Doucet.
Wir werden die Umfragen in Lyon Lügen strafen.
Trotzdem geben sich die Grünen kämpferisch. Der Tenor: Die Aufholjagd wird gelingen. Das glaubt auch die Chefin der französischen Grünen, Marine Tondelier, die extra für diesen Anlass angereist ist.
Die Grünen in Lyon bekommen prominente Unterstützung
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Bild 1 von 2. Marine Tondelier kommt zur Unterstützung nach Lyon. Die Chefin der französischen Grünen verteilt Flugblätter auf den Terrassen der Bistros. Bildquelle: SRF / Zoe Geissler.
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Bild 2 von 2. Marine Tondelier (in ihrem Markenzeichen, dem grünen Blazer) hofft, dass die Grünen in Lyon gewinnen. Bildquelle: SRF / Zoe Geissler.
In ihrer berühmten grünen Jacke spricht sie den Lokalpolitikern Mut zu: «Wir werden die Umfragen in Lyon Lügen strafen, denn wir haben nur positive Rückmeldungen erhalten.»
Kritik auf dem Markt
Am nächsten Morgen auf einem Markt im Zentrum von Lyon ist die Stimmung unter den Marktbesuchern und -besucherinnen kritischer. Ein älterer Mann findet heftige Worte zur grünen Politik: «Die Menschen haben sich mit einer Art ökologischer Diktatur konfrontiert gesehen. Die Veränderungen sind zu schnell und ohne Erklärung gekommen.»
Ähnlich sieht das ein anderer Mann. Viele Lyoner hätten den Eindruck, dass die Lebensqualität Vorrang habe, «auf Kosten der wirtschaftlichen Attraktivität».
Anders sieht das eine Frau: «Lyon ist ruhiger und friedlicher geworden.» Die Grünen hätten hervorragende Arbeit geleistet.
Stadtregierung wird wegen Sicherheitsfragen kritisiert
Auch die Sicherheit wird auf dem Markt angesprochen. Ein Thema, das laut Umfragen zu den wichtigsten Sorgen der Wählerinnen und Wähler gehört. Ein Marktbesucher meint etwa: «Beim Thema Sicherheit waren sie nicht überzeugend. Es gab eine Art Relativismus.»
Die Stadtregierung in Lyon wird immer wieder von Gegnern wegen Sicherheitsfragen kritisiert. Vor drei Wochen starb zudem ein rechtsextremer Aktivist nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen rechts- und linksextremen Gruppen.
Neben der grünen Umweltpolitik dürften die Grünen also auch am Thema Sicherheit gemessen werden.