Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Zunehmende Haiangriffe Hai-Attacke in Sydney: Australien sucht nach Lösungen für Abwehr

In Sydney wird eine Frau von einem Hai angegriffen und schwer verletzt. Der jüngste Vorfall vom Wochenende ist kein Einzelfall. Zuletzt nahm die Zahl der Haiangriffe im Bundesstaat New South Wales deutlich zu. Medien sprechen von einer «aussergewöhnlichen Häufung». Vor diesen Fragen steht Australien aktuell:

Sollen Haie gezielt getötet werden?

Landwirtschaftsministerin Tara Moriarty, die auch für das Haimanagement zuständig ist, wollte sich Medien gegenüber nicht auf ein grundsätzliches Nein zu sogenannten Keulungen festlegen: «Wir schliessen nichts aus.»

Befürworter argumentieren, jeder verhinderte Angriff rechtfertige drastische Massnahmen. Wissenschaftlerinnen und Naturschützer halten dagegen: Haie seien hochmobile Wanderer. Getötete Tiere würden rasch durch andere ersetzt. Einen eindeutigen Nachweis, dass Abschuss- oder Fangprogramme Attacken dauerhaft reduzieren, fehlt.

30 Meter vom Ufer: Hai verletzt 35-jährige Frau schwer

Box aufklappen Box zuklappen
Zwei Personen und ein geschlossenes Strand-Schild mit Helikopter im Hintergrund.
Legende: Nach der Haiattacke wurde der Coogee Beach in Sydney für Badende gesperrt. REUTERS/Hollie Adams

Am berühmten Coogee Beach in Sydney wurde am Samstag nur etwa 30 Meter vom Ufer entfernt eine 35-Jährige von einem grossen Hai attackiert – einem Weissen Hai, so wird vermutet. Die junge Mutter überlebt schwer verletzt.

Die Frau erlitt laut ihren Angehörigen lebensbedrohliche Verletzungen am linken Bein, ein Arm musste amputiert werden. «Sie wird umfassende und fortlaufende Pflege, Unterstützung und Rehabilitation benötigen», zitierte der Sender ABC aus einer Mitteilung. «Als Familie sind wir schockiert und zutiefst betroffen, dass dies unserer geliebten Partnerin, Tochter und Mutter, die so lebensfroh und voller Energie war, widerfahren konnte.»

Die Debatte hat allerdings noch einen anderen Haken. Fachleute gehen davon aus, dass es sich bei dem Angreifer von Coogee um einen Weissen Hai handelte – dieser steht in Down Under unter strengem Schutz. Der Regierungschef von New South Wales, Chris Minns, stellte deshalb klar, dass eine Keulung nicht infrage komme. Anders verhält es sich bei Bullenhaien, die ebenfalls für Angriffe in der Region verantwortlich gemacht werden. Hier will Minns mögliche Massnahmen nicht grundsätzlich ausschliessen.

Wie werden Badegäste bisher geschützt?

New South Wales setzt bislang auf einen Mix aus klassischen Hainetzen, Smart-Drumlines (Köderleinen, bei denen gefangene Haie rasch geortet und dann wieder freigelassen werden), elektronischer Überwachung markierter Tiere und Drohnen. Rund 16.8 Millionen Franken investiert der Bundesstaat jedes Jahr in den Schutz.

Doch funktioniert das System? Denn ausgerechnet über Coogee waren am Wochenende keine Überwachungsdrohnen im Einsatz. Der Grund: Flugbeschränkungen wegen der Nähe zum Flughafen Sydney.

Drohnen als Lösung?

Für Steven Pearce, Chef von Surf Life Saving NSW, zeigt der Vorfall die Grenzen des bestehenden Systems. Seine Organisation betreibt nach eigenen Angaben das grösste Drohnenüberwachungs­programm der Welt und führt jährlich mehr als 100'000 Flüge durch. Die Sichtbedingungen am Tag der Attacke seien aussergewöhnlich gut gewesen, zitierten ihn Medien.

Person in rotem Hemd mit Strohhut, die eine Drohne am Himmel beobachtet.
Legende: Insgesamt werden rund 80 Strände im Bundesstaat New South Wales aus der Luft überwacht – oft sind aber diejenigen ausgenommen, die in der Anflugschneise des Airports liegen. REUTERS / Hollie Adams

«Wenn Drohnen geflogen wären, hätten wir wahrscheinlich viele Meeresbewohner sehen können», sagte Pearce. Er sieht in der Technologie die Zukunft der Strandüberwachung: Drohnen seien «deutlich besser als Hainetze», um die Anwesenheit eines Tiers möglichst früh zu erkennen und Badegäste rechtzeitig zu warnen.

Warum greifen Haie Menschen an?

Für Wissenschaftler gelten Menschen nicht als natürliche Beute von Haien. Viele Angriffe beruhen vermutlich auf Verwechslungen: Aus der Tiefe betrachtet können die Silhouetten von Schwimmern oder Surfern einer Robbe oder anderen Beutetieren ähneln.

Mehrere uniformierte Personen und Rettungsfahrzeuge an einem Strand.
Legende: Schon ein einziger «Probebiss» eines mehrere Meter langen Raubtiers kann lebensgefährliche Verletzungen verursachen. Rettungskräfte transportieren die Schwerverletzte nach der Haiattacke am Coggee Beach ab. REUTERS / Hollie Adams

Der Druck wächst allerdings mit jeder neuen Attacke. Experten warnen, dass sich die Bedingungen entlang der australischen Küsten verändern. Wärmere Gewässer und veränderte Wanderbewegungen könnten dazu führen, dass Menschen und grosse Raubfische häufiger aufeinandertreffen.

Die Regierung hat in diesem Jahr zusätzliche Millionenbeträge in die Haiabwehr investiert – unter anderem in Drohnenprogramme, Forschung und Überwachung. Ob das genügt, bleibt abzuwarten. Ministerin Moriarty betont: «Wir teilen den Ozean mit wilden Tieren. Eine perfekte Lösung gibt es nicht.»

SRF 4 News, 6.6.2026, 19 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel