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Nach der Hitze Ist die Schweiz auf künftige Hitzewellen vorbereitet?

Die rekordverdächtige Hitzewelle ist vorbei, die Temperaturen sind an den meisten Orten diese Woche wieder unter der 30-Grad-Marke. Doch solche Extremereignisse dürften in Zukunft öfter auf uns zukommen, sagt Christian von Burg, Klimaexperte der SRF-Wissenschaftsredaktion. Entsprechend müssten wir uns anpassen.

Christian von Burg

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Der 1972 geborene Journalist arbeitet seit 2017 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Vorher war er Inlandredaktor bei Radio SRF und bei der Zeitung «Der Bund».

Worauf müssen wir uns in den nächsten Jahren einstellen?

Es wird mehr Hitzewellen geben – und was wir zuletzt erlebt haben, ist leider noch nicht das neue Normal. Derzeit steuern wir auf eine Erwärmung des Klimas um fast drei Grad Celsius zu. Wenn das eintrifft, hätte Basel im Durchschnitt statt wie bisher 14 künftig 30 bis 50 Hitzetage pro Jahr. An extremen Tagen wären bis zu 45 Grad möglich. Das zeigen aktuelle Klimaprognosen von ETH und Meteo Schweiz.

Was ist wichtiger: Klimaschutz oder Hitzeschutz?

Beides ist notwendig. Die Hitze ist bereits so intensiv, dass Anpassungen unumgänglich sind. Gleichzeitig bleibt die Klimaerwärmung die eigentliche Ursache, und die müssen wir bekämpfen. Wir müssen fossile Brennstoffe aufgeben, ressourcenschonender bauen, unsere Ernährung ändern – und ärmere Länder dabei unterstützen, dieselben Ziele zu erreichen. Wenn wir das alles nicht tun, dann wird die Hitze weiter ansteigen.

Wie gut ist die Schweiz beim Klimaschutz unterwegs?

Ungenügend. Die selbst gesteckten Klimaziele werden verfehlt. Statt im Inland konsequent zu handeln, setzt die Schweiz auf Kompensationen im Ausland – die jedoch deutlich schlechter funktionieren als geplant.

Wie gut ist die Schweizer Infrastruktur auf Hitze vorbereitet?

Schlecht. Unsere Gebäude wurden primär dafür gebaut, im Winter die Wärme zu bewahren. Nur fünf bis zehn Prozent der Häuser haben Klimaanlagen. Städte sind stark versiegelt, Schulen kaum gekühlt, und auch der öffentliche Verkehr ist vielerorts nicht auf Extremhitze ausgelegt.

Warum geht es mit Begrünung, die in Städten mehr Kühle bringen kann, so langsam voran?

Die Hürden sind vielfältig: von unterirdischen Leitungen, die die Begrünung erschweren, bis zu Entsiegelungsmassnahmen, die manchmal mit barrierefreien Gehwegen kollidieren. Zudem lassen sich Private kaum in die Pflicht nehmen – wer einen Steingarten anlegen will, darf das in den meisten Städten ungehindert tun.

Reichen die bisherigen Massnahmen aus?

Nein. Blumentöpfe aufzustellen, hat seine Grenzen. Was wirklich hilft, sind dichte Alleen mit grossen Bäumen, die ganze Plätze und Strassen beschatten – wie im Süden Frankreichs. Auch Fassadenbegrünung wäre wirksam und muss nicht teuer sein, erfordert aber frühzeitige Planung und eine ganzjährige Bewässerungslösung.

Müssen wir auch unsere Lebensgewohnheiten ändern?

Es braucht eine Kombination aus baulichen Anpassungen, gezielter Kühlung und angepassten Tagesrhythmen: früher aufstehen, längere Mittagspause, Meetings und Schulstunden in die kühleren Morgenstunden verlegen – ähnlich wie es im Mittelmeerraum seit jeher praktiziert wird.

Sind wir gewappnet für künftige Extremereignisse?

Wir sind auf dem Weg, aber noch weit vom Ziel entfernt. Die jüngste Hitzewelle war ein weiterer Weckruf. Anpassungen bei der Infrastruktur sind dringend nötig – aber ohne wirksamen Klimaschutz wird die Hitze weiter zunehmen. Die Klimaerwärmung ist die Wurzel des Problems.


SRF 4 News, 29.6.2026, 16:24 Uhr ; 

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