Doch diesmal läuft es nicht wie geplant. Die benötigte Menge ist drei- bis viermal so gross wie die Male zuvor, und die Zeiten billiger, fast unbegrenzt verfügbarer Zertifikate sind vorbei: Heute sind sie drei bis 80 Mal so teuer wie noch unter Kyoto.
Bis 2024 hätte Klik dem Bund über zwei Millionen Auslandszertifikate übergeben dürfen. Klik selbst hatte im selben Zeitraum aus ihren Projekten knapp eine Million Zertifikate erwartet. Eingetroffen sind bis jetzt nur 63’366.
Das Bafu nennt auf Anfrage den hohen Aufwand für die Prüfung der Projekte und die Abklärungen mit Partnerländern, die auch von der Qualität der eingereichten Projekte beeinflusst werden, als Hauptgrund für die Verzögerungen. Es geht jedoch davon aus, dass sich die Prozesse in Zukunft beschleunigen werden.
Klik rechnet auf Anfrage damit, dem Bund bis 2030 insgesamt 15 Millionen Auslandszertifikate zu übergeben, deutlich weniger als rechtlich möglich. Dem Bund würden damit noch geschätzte 33.2 Millionen Zertifikate fehlen. Bei 29 Franken pro Tonne wären es fast eine Milliarde Franken zusätzlich, finanziert von den Steuerzahlern. Der Bundesrat selbst rechnete Anfang 2025 noch mit lediglich 11 Millionen zusätzlich benötigten Zertifikaten. Erst 2027 soll erneut über die Zielerreichung beraten werden. Eine Erhöhung des Kompensationssatzes könnte am ausgeschöpften 5-Rappen-Deckel scheitern und die eigene Finanzierung der Auslandszertifikate stehe laut Albert Rösti in Konkurrenz mit dem restlichen Bundeshaushalt. In einem SRF-Interview Ende 2025 sagte er, die Zielerreichung werde von den verfügbaren Finanzen abhängen. Doch selbst bei einer gesicherten Finanzierung wäre die rechtzeitige Umsetzung der für die Zertifikate nötigen Projekte laut Klik kaum realistisch.
Was zwei Jahrzehnte funktionierte, droht nun zu scheitern. Trotzdem wird die Strategie der Auslandskompensationen auch für die Zeit nach 2030 sowohl vom Bundesrat als auch von Klik nicht hinterfragt. Der «Schweizer Weg» ist offenbar noch nicht zu Ende.