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Zikaden-Invasion in Washington
Aus Tagesschau vom 23.05.2021.
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Alle 17 Jahre wieder Wenn Milliarden Zikaden ans Tageslicht kriechen

Die Insekten schlüpfen dieser Tage im Osten der USA aus dem Erdboden, um sich auf die Partnersuche zu machen.

Es klingt wie eine biblische Plage, aber in Wirklichkeit sind die Zikaden der Brut X harmlos: Milliarden der Insekten kriechen dieser Tage im Osten der USA aus dem Erdboden, um sich mit viel Lärm fortzupflanzen.

Nur alle 17 Jahre kommt es zu dem Naturspektakel, zuletzt war es 2004 so weit. Und während viele Menschen die Ankunft der Zikaden fasziniert beobachten, können andere ihren Ekel kaum unterdrücken.

Zumal viele mit Lockerung der Corona-Beschränkungen auf einen entspannten Frühling im Freien gehofft hatten. Dass bald zahllose Zikaden durch die Luft schwirren und ohrenbetäubenden Krach machen werden, dämpft die Vorfreude gewaltig. «Raus aus der Pandemie, rein in die Plage», kommentiert ein Twitter-Nutzer trocken.

Zikaden auch auf dem Nationalfriedhof

Auf dem Nationalfriedhof Arlington vor den Toren der US-Hauptstadt Washington, auf dem unter anderem der ermordete Präsident John F. Kennedy ruht, herrscht derzeit noch Stille – die Zikaden sind aber auch dort in grosser Zahl aufgetaucht.

Die Insekten mit den roten Glubschaugen schälen sich aus ihrer Jungtier-Aussenhaut, krabbeln über die bekannten weissen Grabsteine und klettern Bäume hoch. «Das ist verrückt», staunt ein Besucher.

Die Zikaden der Brut X – die verschiedenen Populationen werden mit römischen Ziffern durchnummeriert – haben das warme Wetter der vergangenen Tage abgewartet, um aus dem Boden zu kriechen.

Zikaden am Baum.
Legende: Alle 17 Jahre kommt es in den USA zu einem biologischen Schauspiel: Milliarden Zikaden kriechen aus der Erde. Keystone

Das grosse Krabbeln beginnt

Knapp 18 Grad Bodentemperatur gilt als «Faustregel», erklärt Insektenforscher Daniel Gruner von der nahe Washington gelegenen Universität des Bundesstaates Maryland. Angesichts steigender Temperaturen dürfte die Zahl der Zikaden jetzt explodieren.

Nach rund einer Woche beginnt dann die grosse Paarungsorgie: Die Männchen locken mit lautem Zirpen Weibchen an und können dabei eine Lautstärke von mehr als 100 Dezibel erreichen, das ist etwa so laut wie ein Rasenmäher.

Nach der Paarung legen die Weibchen Eier, und die Zikaden sterben. Rund vier bis sechs Wochen später ist die Invasion – eigentlich keine Invasion, weil die Zikaden heimisch sind – damit auch schon wieder vorbei.

Die Larven schlüpfen nach rund sechs bis acht Wochen, graben sich in den Boden ein und leben dort 17 Jahre lang vom Saft von Wurzeln, bevor der nächste Zyklus beginnt.

Viele Fragen und wenig Antworten

Wie die Zikaden wissen, dass 17 Jahre vergangen sind, bleibt übrigens ein Rätsel. «Wir haben darauf keine einfachen Antworten», sagt Entomologe Grunder. «Auf diesem Gebiet wird aktiv geforscht.»

Schwer zu sagen ist auch, wie viele Zikaden es überhaupt gibt. Milliarden, gar Billionen könnten es sein. Mit der schieren Masse sichern die Zikaden der Gattung Magicicada den Fortbestand ihrer Art: Fressfeinde schlagen sich zwar die Bäuche voll, aber es überleben immer noch ausreichend Zikaden, um für Nachwuchs zu sorgen.

Ein Schmaus für andere Tiere

Für Eichhörnchen, Vögel, Waschbären und Mäuse sind die kommenden Wochen ein grosser Schmaus. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen greifen gerne zu, ihre Herrchen und Frauchen sollten dem aber Grenzen setzen, um Verstopfungen zu vermeiden, warnt der Experten-Blog «Freunde für Zikaden».

Auch für experimentierfreudige Hobbyköche bieten sich neue Möglichkeiten: Seit Wochen kursieren im Internet Tipps, wie die proteinhaltigen Insekten am besten zubereitet werden können.

Tagesschau, 23.05.2021, 19:30 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
    Bei jemandem, dessen Stimmung aufgeheitert werden möchte, oder auch einfach zur Zerstreuung, eignet sich dieser Artikel sehr. Die kleine Ambiguität trägt durchaus dazu bei: Erreichen die einzelnen Zikaden Rasenmäher-Lautstärke, oder ist es der ganze Schwarm, wo man ihn misst?
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    "können dabei eine Lautstärke von mehr als 100 Dezibel erreichen" - zu einer solchen Angabe gehört mindestens auch der Abstand zur Schallquelle. Dieser wurde hier aber leider nicht angegeben.
    Vorbild: https://de.wikipedia.org/wiki/Schalldruckpegel#Schalldruckpegel_und_Schalldruck_diverser_Schallquellen
    Und geht es hier um eine Zikade oder um wie viele?
    1. Antwort von Beni Fuchs  (BFX)
      Kaum eine alleine... da sind wir ja schon beinahe bei Turbinen von Düsenflugzeugen.... ;-)
    2. Antwort von Markus Kohl  (Fischers)
      Wieso der Abstand zur Schallquelle.
      Theoretisch einfach in welchem Verhältnis?
      100 dBHL (hearing level)

      Aber geht man nicht immer vom dBHL aus wie würde der Text aussehen mit dem Abstand zur Schallquelle xD
    3. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Der Grund dafür ist, dass bei zunehmendem Abstand die Lautstärke abnimmt. Ja, der Text wird damit natürlich ein bisschen länger, aber ohne sagt es eben nichts aus.
    4. Antwort von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
      Wer weiss, Herr Fuchs, wer weiss!
    5. Antwort von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
      Die interessante Frage wäre: Wie bemisst sich der Abstand zu einem Schwarm?
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Es ist wieder soweit: In Scharen erobern Zikaden den Osten der USA. Alle siebzehn Jahre krabbeln Milliarden der kleinen Insekten an die Erdoberfläche. diese Naturphänomen sorgt bei Entomologen für Begeisterung. Für Eichhörnchen, Vögel, Waschbären und Mäuse sind die kommenden Wochen ein grosser Schmaus. Solche Naturereignisse erfreuen jeden der die Natur und ihre Geheimnisse liebt. Wie die Zikaden wissen, dass 17 Jahre vergangen sind, bleibt übrigens ein Rätsel. Faszinierende Insekten.
    1. Antwort von Kurt Flury  (Simplizissimus)
      Zählen können sie wohl kaum, könnte aber in Richtung Schwarmintelligenz gehen, vielleicht, genau so wie der Formationsflug im Schwarm, auch dort müsste man nach Auffassung der menschlichen Wissenschaftler zählen können... oder die Mastjahre bei den Tannen?