Zum Inhalt springen

Header

Audio
Kommt das Britische Königshaus jetzt vermehrt unter Druck?
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.03.2021.
abspielen. Laufzeit 05:43 Minuten.
Inhalt

Britisches Königshaus «Kein Interview bringt die tausendjährige Tradition zum Einsturz»

Bei US-Talkmasterin Oprah Winfrey haben sich Herzogin Meghan und Prinz Harry ausführlich dazu geäussert, warum sie ihre royalen Pflichten aufgegeben und Grossbritannien verlassen haben. Meghan wirft dem Königshaus unter anderem Rufmord und einzelnen Mitgliedern auch Rassismus vor.

SRF hat mit dem Journalisten Thomas Kielinger über die Relevanz des Interviews für die Royals und für ganz Grossbritannien gesprochen.

Thomas Kielinger

Thomas Kielinger

Journalist und Buchautor

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Thomas Kielinger ist regelmässiger Mitarbeiter der BBC und war viele Jahre lang als Korrespondent für die «Welt» in London tätig. Neben anderen Büchern über britische Polit-Themen hat er eine Biographie über Queen Elizabeth II. geschrieben.

SRF: Herr Kielinger, wird es jetzt langsam aber sicher ungemütlich für das britische Königshaus?

Thomas Kielinger: Ein bisschen ungemütlicher ist es heute, als es vor einer Woche war. Denn die Herzogin ist da einige Geschosse losgeworden, die doch wohl ins Herz des Königshauses treffen und auf dessen Hoffnung auf ein sympathisches Bild abzielen. Das Prestige der Royal Family ist durchaus beschädigt nach diesem Interview. Einen gewissen Schaden hat das Königshaus genommen.

Aber die Queen ist doch schon so viele Jahre auf dem Thron. Sie hat schon so manche Krise ausgestanden und überstanden. Ist das nicht einfach eine Krise mehr?

Es ist eine Krise mehr. Aber jede Krise kommt zu ihrem eigenen Zeitpunkt. Und der ist immer mal ein falscher Zeitpunkt. Die Krise um Diana war natürlich überschattet vom Tod der beliebten Prinzessin. Diese Krise nun ist davon überschattet, dass die Kulturen, die die Familie bestimmen – eine junge Angelegenheit und eine alte Tradition – , dass die nicht miteinander auskommen.

Die Herzogin ist einige Geschosse losgeworden, die doch wohl ins Herz des Königshauses treffen.

Nun wissen wir ja seit der Netflix-Serie «The Crown», dass die Royal-Windsor-Familie ein Problem hat mit dem Management von Familienproblemen. Sie reden ungern darüber. Das hat man schon seit langer Zeit «Ostriching» genannt – das englische Wort für Den-Kopf-in-den-Sand-Stecken. Das wiederholt sich nun auf eine schreckliche Weise.

Wie wird dieser ganze Streit eigentlich in der britischen Öffentlichkeit aufgenommen und kommentiert?

Die Öffentlichkeit ist geteilt. Es ist zwar eine moderne Gesellschaft mit einer grossen Jugendkultur, die sehr multikulturell ist, viel mehr als jedes andere Land in Europa. Aber es ist doch eine alte Gesellschaft, die eine Tradition an der Spitze des Staates hat: das Königshaus, eine Erbmonarchie.

Und an diesem Königshaus hängen sie – in der Welt, in der wir leben, in der eine Säule nach der anderen einbricht: die Medien, die Kirchen, die Politik. Sie wissen doch: Überall, in der Schweiz oder England – die Menschen haben das Vertrauen verloren in jene, die sie regieren, oder in andere Institutionen. In dieser Zeit des Einbrechens erfreut sich das Königshaus in England hohen Respekts.

Die Monarchie steht heute als die am wenigsten umkämpfte Institution in England da.

Nach dem Tod von Diana glaubte man, die Windsors seien unrettbar verloren. Doch sie haben sich in 25 Jahren ungeheuer erholt: Dank der Langlebigkeit der Königin und ihrer grossen Beliebtheit steht die Monarchie heute als die Institution in England da, die am wenigsten umkämpft ist.

Und es ist deshalb besonders dramatisch und traurig, dass nach diesem Interview auch diese Säule der Beständigkeit einen Angriff erlebt und vielleicht ins Bröckeln gerät. Ich hoffe und glaube aber, dass die tausendjährige Tradition nicht durch ein Interview zum Einsturz zu bringen ist. Aber es ist eine doch spürbare Beschädigung entstanden.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

Echo der Zeit, 18 Uhr, 07.03.21, 18 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

37 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Ich habe mir dieses sehr "amerikanisch" gefärbte TV-Spektakel angeschaut.
    Ich hatte immer wieder den Eindruck, dass dies ein hoch manipulatives Theater ist mit dem Ziel, durch Populismus, Sensation und Gefühle, die "einfache" Bevölkerung in den USA auf eine Seite zu ziehen.
    Private Geschichten, wahr oder nicht, werden in der Öffentlichkeit einseitig produziert - mit welchem Ziel wohl?
    Wollten diese Ex-Royals sich nicht ins Private zurückziehen, wie sie immer vorbrachten?
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Der bedauernswerte Harry, gezeichnet und schwer belastet durch seine Kindheit in einer zerrütteten Ehe, ist - so mein Eindruck - der berechnenden Meghan auf den Leim gegangen. Das Erwachen dürfte für Harry bitter werden ...
  • Kommentar von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
    Wer einen Prinzen heiratet, weis ganz genau auf was sie sich einlässt! Die beiden maöverieren sich immer mehr ins Abseits! In der britischen Bevölkerung werden sie immer unbeliebter!