Verheerende Feuersbrunst Chile: Monokulturen stehen in Flammen

Die Waldbrände in Chile haben sich weiter ausgebreitet. Betroffen sind in erster Linie Eukalyptus- und Kiefernplantagen.

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Verheerende Brände: Eindrücke aus Chile (Originalton)

0:23 min, vom 30.1.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • In Chile haben Waldbrände bisher elf Todesopfer gefordert.
  • Eine Fläche grösser als der Kanton Waadt ist verbrannt.
  • Es brennen vor allem Eukalyptus- und Kiefern-Monokulturen, mit denen Holz für Papierfabriken und Spanplatten produziert wird.
  • Inzwischen melden die Einsatzkräfte Fortschritte: Von insgesamt 124 Bränden seien elf gelöscht und 55 unter Kontrolle seien.
  • Bislang sind 43 Menschen wegen des Vorwurfs der Brandstiftung festgenommen worden. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren.

Rund 50 Helikopter und ein amerikanischer Jumbojet sind an den Löscharbeiten in Chile beteiligt. Weitere Löschflugzeuge treffen heute im Waldbrandgebiet ein. Doch heftige Winde fachen die Brände immer wieder neu an.

«  Ein brennender Zigarettenstummel reicht, und alles steht in Flammen. »

Juan Rojas
Chilenischer Bauer

Zu sehen eine Landkarte Chiles. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den beiden Regionen O'Higgins und El Maule wüten die Waldbrände besonders schlimm. SRF

Dabei brennt es vor allem in Eukalyptus- und Kiefernplantagen. Dort wird Holz für Papierfabriken und Spanplatten produziert. Chile hat diese Industrie stark gefördert; aus ursprünglichem Landwirtschaftsland ist eine Monokultur aus Kunstwald entstanden.

Riskante Bepflanzung

Bauer Juan Rojas weist auf die Risiken hin: «Früher, als hier Weizen angebaut wurde, gab es nie Brände. Heute reicht ein brennender Zigarettenstummel, und alles steht sofort in Flammen.»

Die Holzkonzerne nützen für ihre Plantagen jeden Quadratmeter Boden aus, und die Behörden haben zu wenig auf ausreichende Sicherheitsabstände zu bewohnten Gebieten geachtet. Heute sind einzelne Dörfer richtiggehend umzingelt von den Monokulturen. In einer dieser Gemeinden sind alle 1500 Häuser niedergebrannt. Die Einwohner konnten rechtzeitig evakuiert werden.

Jetzt steht die Strategie, die Forstwirtschaft in Chile zu fördern, in der Kritik. Die Brände, die vor allem im mittleren Süden des über 4000 Kilometer langen Landes wüten, gelten als die schlimmsten in der Geschichte Chiles.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Waldbrände in Chile

    Aus Tagesschau vom 27.1.2017

    Chile kämpft zurzeit mit einer der grössten Brandkatastrophe seiner Geschichte. Die Ortschaft Santa Olga ist von den Flammen komplett zerstört worden. Bisher sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen.

  • Wieso Chile nicht vom Fleck kommt

    Aus Echo der Zeit vom 23.8.2016

    Nicht nur das Rentensystem macht Chiles Bürger wütend. Letztes Jahr protestierten Hunderttausende gegen das Bildungssystem, und eine Verfassungsreform stockt. Die Unterstützung für Präsidentin Michele Bachelet ist auf ein historisches Tief gefallen.

    Wieso kommt diese Unzufriedenheit gerade jetzt? Gespräch mit SRF-Südamerikakorrespondent Ulrich Achermann in Chile.

    Roman Fillinger