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Sobald das Fleisch erhitzt wird, sterben auch die Coronaviren ab
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.08.2020.
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Coronavirus auf Pouletflügeln «Mit dem Braten oder Kochen sind die Viren definitiv vom Tisch»

In China sind auf gefrorenen Pouletflügeln Coronaviren nachgewiesen worden. Das ergab eine Stichprobe der Gesundheitsbehörden der Stadt Shenzhen im Süden Chinas. Das Fleisch stammt aus Brasilien.

Die Behörden sagen, sie hätten alle Personen, die mit den womöglich kontaminierten Pouletflügeln Kontakt hatten, getestet. Niemand habe sich angesteckt. In der Theorie bestehe das Risiko einer Ansteckung durch kontaminiertes Fleisch, aber es sei sehr gering, sagt Wissenschaftsredaktorin Katharina Bochsler.

Katharina Bochsler

Katharina Bochsler

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Katharina Bochsler arbeitet seit 2006 in der SRF-Wissenschaftsredaktion. Sie hat Psychologie und Germanistik studiert. Ihre Spezialgebiete sind Psychologie, Anthropologie, Ethik und Raumfahrt.

SRF News: Wie kommen Coronaviren auf das Fleisch?

Katharina Bochsler: Wenn jemand, der mit Coronaviren infiziert ist, direkt auf das Fleisch niest oder es mit ungewaschenen Händen anfasst. Das kann beim Schlachten sein, aber auch an der Verkaufstheke im Supermarkt oder in der Metzg.

Wie lange überleben Viren auf gefrorenem Fleisch?

Das kommt auf die Oberflächen an. Im nicht lebenden Körper können sie sich nicht halten. Ob Viren überleben, hängt von der Beschaffenheit der Oberfläche – Viren haben es gerne glatt –, von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtstärke ab. Die Viren sind aber sehr kälteresistent. Coronaviren können sich in gefrorenem Fleisch sehr lange halten. Wenn es bei minus 20 Grad heruntergekühlt ist, halten sie bis zu zwei Jahre und bleiben infektiös – wenn man das Fleisch nicht erhitzt.

Wie gross ist die Gefahr, dass man sich durch kontaminiertes Fleisch ansteckt?

Theoretisch besteht ein Risiko, aber es ist wirklich sehr gering. Nur schon, weil die Viren mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits abgestorben sind, wenn das Fleisch im Laden ausgelegt ist.

Viren brauchen einen lebendigen Wirt, um sich zu vermehren.

Vor allem auch, weil das Fleisch keine glatte Oberfläche ist, welche die Viren sehr lieben. Dazu kommt, dass sich Viren in Lebensmitteln nicht vermehren können. Sie brauchen einen lebendigen Wirt, um sich zu vermehren. Es kann aber natürlich vorkommen, dass ein infizierter Verkäufer hustet oder niest und die Viren dann frisch auf dem Fleisch landen – oder sich ins Gesicht fasst und dann ans Fleisch. Da kann es rein theoretisch zu Schmierinfektionen kommen. Falls auf einem Stück Fleisch doch noch Viren aktiv sein sollten, gibt es immer noch die Hygieneregeln, die wir als Konsumentinnen und Konsumenten buchstäblich in der Hand haben.

Mitarbeiter des Schlachtbetriebs Tönnies
Legende: Niedrige Temperaturen begünstigen Ausbreitung: In der Fleischfabrik Tönnies haben sich hunderte Mitarbeitende mit dem Coronavirus infiziert. Dabei hat laut einer Studie die Belüftungsanlage eine entscheidende Rolle gespielt. Der Ausbruch im Mai ging offenbar auf einen einzigen Mitarbeiter zurück. Keystone

Wie lautet Ihre Einschätzung: War das ein Einzelfall oder müssen wir damit rechnen, dass Fleisch auch sonst kontaminiert sein kann?

Je höher in einem Land die Infektionsrate, je grösser die fleischverarbeitenden Betriebe, wo sich Leute auch gegenseitig anstecken können, desto grösser ist das Risiko, dass auch bei uns kontaminiertes Fleisch in der Küche landet. Aber mit den nötigen Hygieneregeln, mit sauberen Händen und heisser Pfanne, ist die Gefahr wirklich sehr gering. Wegwerfen muss man das Fleisch nicht. Mit dem Braten oder Kochen sind die Viren definitiv vom Tisch. Die Viren haben es nicht gern warm und schon gar nicht heiss. Das ist auch einer der Gründe, weshalb virale Erkrankungen – auch mit Coronaviren – in der warmen Jahreszeit deutlich seltener sind als in der kalten.

Das Gespräch führte Susanne Stöckl.

SRF 4 News, 13.8.2020, 10.40 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Emil Brand  ((Inkognito))
    Würde insbesondere auch auf das Auspacken des Fleisches achten. Packung, Restblut und Wasser separiert auswaschen, entsorgen, Waschtrog mit Spülmittel auswaschen. Beim Braten und Kochen auch auf das Koch-Besteck achten.
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Stimmt grundsätzlich aber die rote Flüssigkeit ist kein Restblut, sondern Wasser mit dem Protein Myoglobin, welches Eisen bindet und daher rötlich ist. Blut würde die Verwesung begünstigen und beschleunigen, daher wird es möglichst komplett entfernt.
    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Diese Hygienemassnahmen sollten beim Umgang mit rohem Hühnerfleisch eigentlich Standard sein. Salmonellen sind auch kein Spass!
  • Kommentar von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
    Niemand isst rohes Pouletfleisch! Jedermann weiss, dass Pouletfleisch ganz durchgekocht oder durchgebraten sein muss. Der Titel "Coronavirus auf Pouletflügeln" ist völlig unnötig und schührt bereits wieder Ängste. Zudem sind auf rohem Pouletfleisch noch andere Keime anzutreffen, davon spricht aber niemand!
    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Holzhammer: Also ich bin froh um diesen SRF Artikel. Nicht so lange ist es her als es auf anderen News Kanälen hiess "Corona Tod durch Fleisch". Durch diesen Artikel weiss man nun, dass dem nicht so ist, zumindest wenn man den Artikel ganz liest. Herzlichen Dank daher vielmehr an SRF dass ihr durch Aufklärung ein kleines Stück Normalität und Sicherheit zurück bringt.
    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Man spricht ständig von den Erregern, welche auf sich auf Pouletfleisch tummeln und wer nur den Titel liest und dann Angst hat, sollte sich vielleicht mal etwas Gedanken über seinen Umgang mit den Medien machen. Wir können uns nicht ständig nach unten anpassen.
    3. Antwort von Tim Berger  (11x)
      Ich glaube der Titel ist "Mit dem Braten oder Kochen sind die Viren definitiv vom Tisch" und das sollte glaube ich Ängste nehmen, nicht schüren. Aber ich bin einverstanden, dass nicht jeder Beitrag ständig über Corona sein muss...
      Nur so nebenbei, nicht dass es für die Schweiz relevant wäre, aber: In Japan wird zum Teil rohes Pouletfleisch gegessen. Nennt sich Torisashi. Nicht so mein Ding.
    4. Antwort von Karl Müller  (KaMü)
      @Mica: der Umgang mit den Medien ist ein Aspekt, aber der Umgang mit Lebensmitteln wäre ein viel wichtigerer! Wenn ich lese, dass in China Pouletfleisch aus Brasilien im Handel ist, stehen mir die Haare zu Berge!
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Die für mich eigentlich interessantere Frage ist die, ob Viren auf Früchten, Gemüse und Brot aus der Selbstbedienung infektiös ist. Wenn ich da manchmal sehe wie die Leute alles begrabschen und drehen und drücken und zwischen durch mal husten, die Nase krazen oder gar niesen, oft genug ohne sich weg zu drehen. Ich habe deshalb definitiv aufgehört im Supermarkt solche Produkte zu kaufen.
    1. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Schulenburg:Die Antwort auf Ihre Frage ist im Text enthalten und eigentlich gut verständlich:Hygiene.Hände waschen vor/nach dem Einkauf,Obst / Gemüse abwaschen wie eigentlich immer.Das Risiko ist minim.Die Art Leute wie Sie es beschreiben gibt es tatsächlich,aber die gab es schon immer.Das gehört dann in die Kategorie Eigenverantwortung.
    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Wenn Sie sich dann nicht grad selber an der Nase kratzen, daheim die Hände gründlich waschen, sollte das kein Problem sein.
      Hat man vor Corona auch so gemacht - oder nicht?
      Brot meistens eingepackt ist, Gemüse vor der Zubereitung sowieso gründlich gewaschen werden sollte - Obst vor dem Verzehr auch - ist Ihr Problem nicht nachvollziehbar.
    3. Antwort von Kurt Looser  (Dremel)
      Gemäß Heinsberg Studie sind Ansteckungen über Kontaktflächen praktisch auszuschließen. Es müsste direkt, feucht darauf gehustet werden und sie müssten diese innerhalb kurzer Zeit anfassen und sich ins Gesicht greifen.
      Normale Hygiene sollte das Risiko praktisch ausschließen. Leider habe ich noch keine Studien aus der Schweiz gesehen, die die Schmierinfektionen untersucht haben. Schade, dass das die Medien nicht interessiert.