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Panorama «Die Stechmücke ist das gefährlichste Tier auf Erden»

Vor einer Stechmücke fürchtet sich derzeit ein ganzer Kontinent: Der Gelbfiebermücke. Sie überträgt das gefährliche Zika-Virus – und der Kampf gegen den kleinen Gegner ist schwierig. Wie Insektenforscher Pie Müller erklärt, ist das Tier schwierig zu finden, menschenliebend und äusserst aggressiv.

Zwei Mücken in Grossaufnahme
Legende: Klein, aber ein grosser Gegner der heutigen Forschung: Die Aedes Aegypti, alias Gelbfiebermücke. Keystone

Das gefährliche Zika-Virus breitet sich in Süd- und Mittelamerika weiter aus. Millionen von Menschen haben sich bereits durch Mückenstiche angesteckt. Die gesundheitlichen Folgen sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlimmer als erwartet. Bisher gibt es weder eine Therapie noch eine Impfung gegen das Virus.

Wie der Kampf gegen die Gelbfierbermücke aussieht, erklärt Pie Müller, Insektenforscher am Schweizerischen Tropeninstitut in Basel.

SRF: Wie stark ist eigentlich dieser kleine Gegner?

Pie Müller: Man kann sagen, es ist das gefährlichste Tier auf Erden. Man schätzt, dass etwa 700'000 Menschen pro Jahr an einem Mückenstich sterben. Das kommt daher, dass sie sehr schwierig zu bekämpfen ist.

In Brasilien geht es vor allem um die Gelbfiebermücke (Aedes Aegypti), die weltweit verschleppt wurde, sehr menschenliebend ist und in sehr kleinen Wasserpfützen brüten kann. Sie ist schwierig aufzufinden, sehr aggressiv und aktiv am Tag – das alles macht sie zu einem sehr schwierigen Gegner.

Warum kann man nicht einfach Insektizide versprühen?

Die Insektizide müssen dahin gelangen, wo die Mücken aktiv sind. Es ist schwierig, jede Ecke zu erwischen. Die ausgewachsenen Stechmücken können sich zum Beispiel sehr gut in Gebüschen verstecken, wo man mit den Insektiziden nicht so gut hinkommt. Und die Larven können an fast allen möglichen und unmöglichen Orten brüten, an denen es Wasser hat.

Seit 50 Jahren kennt man noch eine ganz andere Technik – die Massensterilisierung von Mückenmännchen. Wird das auch im Kampf gegen das Zika-Virus eingesetzt?

Das wird ebenfalls versucht. Wir sind aber erst am Anfang der Bekämpfung des Zika-Virus. Es braucht noch sehr viel Forschung, um zu verstehen, wie Zika überhaupt übertragen wird. Wir wissen noch immer nicht ganz genau, von welchen Mücken Zika übertragen wird. Es ist zwar sicher die Gelbfiebermücke, es könnten aber auch noch andere sein.

Bei der Sterilisation werden die Männchen freigelassen, damit sie sich mit den Weibchen paaren und eben keine Nachkommen haben. Der Vorteil dabei ist sicher, dass keine Rückstände in der Natur bleiben wie bei den Insektiziden. Die Herausforderung ist jedoch, genügend solche sterilen Männchen zu produzieren, was in einem sehr grossen industriellen Ausmass gemacht werden muss.

Und wie macht man das?

Ein Ansatz ist, dass man die Mücken mit Radioaktivität bestrahlt und dann frei lässt. Ein anderer Ansatz ist, die Mücken genetisch zu manipulieren. Man gibt ihnen Antiobiotika, mit denen sie im Labor überleben können. Werden sie aber freigelassen, können sie und ihre Nachkommen nicht überleben ohne dieses Antibiotika.

Wie erfolgsversprechend ist diese Forschung mit genetisch manipulierten Mücken?

Es gibt mittlerweile einige Studien, in denen man das Vorgehen im Feld getestet hat und relativ gute Erfolge verzeichnen konnte.

Die Gesundheitsbehörde der USA hat erklärt, dass dieses Freisetzten von genetisch manipulierten Mücken unbedenklich sei und damit wohl bewilligt wird. Ist diese Entscheidung überdacht, oder eher aus der Not entstanden?

In diesem speziellen Fall sind schon relativ viele Studien gemacht worden, sodass man das Risiko abschätzen kann. Da hätte ich keine allzu grossen Bedenken. Man muss sich das aber sicherlich von Fall zu Fall anschauen. Es gibt verschiedene Techniken, Organismen genetisch zu verändern. Es wäre sicher unbedacht, nun pauschal zu sagen, es sei egal, welche genetisch modifizierten Organismen hier freigesetzt werden.

Gibt es eigentlich einen gewissen Nutzen von Mücken für Menschen?

Man kann vielleicht sagen, die Mücken waren schon immer bei uns und durch all diese Krankheiten und Parasiten, die sie übertragen, musste der Mensch sich entsprechend anpassen und entwickeln. In dem Sinne sind sie ein Treiber der Evolution des Menschen. Aber sonst würden wir wohl eher sagen: Nur eine tote Mücke ist eine gute Mücke.

Werden wir mit den neuen Technologien das Zika-Virus in nützlicher Zeit in den Griff kriegen?

Das ist sehr schwierig vorauszusagen. Wir wissen eigentlich noch fast nichts über das Zika-Virus. Wir wissen nicht genau, wie es übertragen wird, welche Faktoren eine Rolle spielen. Es sind noch sehr viele Fragen offen. Deshalb wage ich es nicht, irgendwelche Prognosen zu machen.

Pie Müller

Pie Müller

Pie Müller ist Insektenforscher am Schweizerischen Tropeninstitut in Basel.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Vielleicht helfen so kleine Dinger wie Mücken und Viren, dem Menschen seine Unbedeutsamkeit und seinen Grössenwahn aufzuzeigen. Wäre jedenfalls wünschenswert. Ein anderes Beispiel: Die Biomasse aller Ameisen übersteigt jene aller Menschen.
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  • Kommentar von Gusti Pollak (Gusti Pollak)
    Wieder eine plötzliche Epidemie aus dem Nichts. Möglicherweise ist NICHTS, resp. etwas ganz Anderes: Am 11.3 lese ich im newsletter@schallers-gesundheitsbriefe.de, dass Gehirnschäden in anderen Gegenden mit Zika-Virus nicht existieren, weil dort auch ein bestimmtes chem. Larvenschutzmitel nicht versprüht wird. Der Verdacht, dass das Mittel im Spiel ist und die brasilianische Regierung, die dessen Einsatz fördert, das gerne geheimhalten möchte, ist nicht ohne. Bitte sich selber ein Bild machen.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Gerne schliesse ich mich Ihrem Kommentar an und füge noch die Bemerkung an, dass genmanipulierte männliche Mücken 2012 in Brasilien in Feldversuchen ausgesetzt wurden. Das manipulierte Gen produzierte Eiweisse, die die Brut schädigen sollten... so wollte man versch., durch Mücken übertragbare Tropenkrankheiten wie Malaria oder das Denguefieber bekämpfen.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    «Die Stechmücke ist das gefährlichste Tier auf Erden» Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Ich hätte wirklich eher den Evolutionsflop Homo sapiens vermutet.
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    1. Antwort von Franz Huber (R.)
      Das gefährlichste Tier auf Erden für den Homo Sapiens, nicht für die Erde. Aber auch zu diesem Thema gibt es eben ein weit verbreitetes Missverständnis bei den Umweltschützern. Den Planeten können wir wohl kaum zerstören. Nur uns und anderen Lebewesen die Lebensgrundlagen entziehen. Die Erde dürfte das allerdings herzlich wenig interessieren, wenn wir ausgestorben sind. Wir müssen die Natur schützen weil diese unsere Lebensgrundlage bildet. Nicht um den Planeten zu schützen.
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    2. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Auch das stimmt nicht F.Huber, der Mensch ist in jeder Beziehung das gefährlichste Wesen auf diesem Planeten. Er ist DIE Gefahr für sämtliche Lebewesen auf dieser Welt und nicht zuletzt auch für sich selber. Man schätzt, dass etwa 700'000 Menschen/Jahr an einem Mückenstich sterben. Ist ja lachhaft, vom gefährlichsten Tier auf Erden zu sprechen, denn allein die weltweite Mordrate entspricht schon fast dieser Zahl. Exklusive Kriege, Tötungen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit od.Verteidigung usf
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    3. Antwort von Franz Huber (R.)
      Eben sage ich ja B. Hermann. Die Umweltschützer sagen immer wir müssen den Planeten schützen. Meinen aber die Lebensbedingungen auf diesem Planten nicht so stark verändern, dass wir und vielleicht auch alle anderen Lebewesen nicht überleben können. Die Erde selber würde es herzlich wenig stören wenn nichts mehr lebt auf ihr. Ach was macht ja nichts. Querdenken ist halt nicht jedermanns Sachen. Schönen Sonntag noch.
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