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Ticketbörse Viagogo in die Knie gezwungen
Aus Kassensturz vom 20.04.2021.
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Eintrittskarten zurückbezahlt Ticketbörse Viagogo in die Knie gezwungen

Eine Viagogo-Kundin bestand auf der Rückerstattung ihrer Tickets. Sie klagte vor Gericht in Genf und bekam Recht.

Im Januar 2020 bestellt Eva W. auf der Webseite von Viagogo zwei Tickets für das Basel-Tattoo. Sie will gute Plätze, jeder kostet mehr als 100 Franken. Doch als sie die Tickets später per Mail erhält, fällt sie aus allen Wolken: Es sind die billigsten Plätze für je 39 Franken. Eva W. hat viel mehr bezahlt als 78 Franken, nämlich 239 Euro – also rund 268 Franken.

Sie ärgert sich: «Das ist nicht das, was ich bestellt habe.» Für sie ist das eigentlich «ein Beschiss» und den akzeptiert sie nicht. Sie will die Tickets sofort retournieren. Bei Viagogo geht niemand ans Telefon, irgendwann fliegt sie aus der Leitung. Eva. W. gibt nicht auf und schickt Viagogo mehrere eingeschriebene Briefe. Doch von der internationalen Ticketbörse mit Sitz in Genf bekommt sie keine Antwort.

Stellungnahme Viagogo

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«viagogo ist ein globaler Online-Marktplatz, der Verkäufer und Käufer auf einer offenen, sicheren Plattform verbindet. Unser Kundenservice ist rund um die Uhr verfügbar. Auf der viagogo-Webseite weisen Banner die Nutzer darauf hin, dass sie sich auf einer sekundären Ticket-Plattform befinden. Außerdem wird auf der Webseite deutlich angegeben, dass nicht viagogo die Ticket-Preise bestimmt – dies geschieht durch die Nutzer, welche die Plattform verwenden, um ihre Tickets weiterzuverkaufen – und dass die Preise, abhängig von der Nachfrage, unter oder über dem Originalpreis liegen können. So können Nutzer eine informierte Kaufentscheidung treffen. Tickets, die zu unangemessenen Preisen angeboten werden, erhalten die meiste Medienaufmerksamkeit, werden aber nur sehr selten, wenn überhaupt, verkauft.

Dies ist eine schwierige Zeit für die Live-Event-Branche. Wie Sie sich vorstellen können, arbeitet unser Kundenservice-Team hart daran, den Status aller von der Pandemie betroffenen Veranstaltungen zu bestätigen und Nutzer zu kontaktieren, um sie über Änderungen ihrer Veranstaltungen zu informieren.»

Hinweis von Viagogo übersehen

Beim Buchen auf der Webseite realisierte Eva W. nicht, dass Viagogo eine Wiederverkaufsbörse ist. Sie übersah das eher diskrete Banner: «Viagogo ist der weltweit grösste Sekundärmarktplatz für den Verkauf von Live-Event-Tickets.» Ebenso bemerkte sie den Hinweis nicht, dass die Preise von den Verkäufern festgelegt werden.

Sie ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren waren überteuerte Tickets ein Dauerärger von Viagogo-Kunden, die sich bei «Kassensturz» und beim Radiomagazin «Espresso» meldeten.

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Stefan Wüthrich, «Espresso»-Redaktor: «Man vermutet, dass Viagogo ein Netzwerk an Ticketkäufern hat.»
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«Espresso»-Redaktor, Stefan Wüthrich berichtet seit längerer Zeit über Viagogo und viele empörte Kunden. Er zweifelt, dass Viagogo eine reine Wiederverkaufsbörse ist: «Man vermutet, dass Viagogo ein Netzwerk an Leuten hat, die für sie im offiziellen Vorverkauf Tickets zusammenkaufen und diese dann massiv teurer über Viagogo weiterverkaufen.»

Bei Basel-Tattoo ist das Problem mit den überteuerten Viagogo-Tickets bekannt. Auf der Webseite gibt es deswegen eine Warnung vor Buchungen über Viagogo und anderen Wiederverkäufern. Andreas Kurz, Mediensprecher des Basel-Tattoo, stellt klar, Viagogo ist kein autorisierter Ticketverkäufer.

Fällt eine Veranstaltung aus, muss das Ticket zurückerstattet werden

Das Basel-Tattoo konnte im letzten Sommer wegen des Corona-Veranstaltungsverbots nicht durchgeführt werden. Die meisten Besucher hätten ihre Tickets behalten und auf Konzerte in diesem Sommer umgebucht, sagt Andreas Kurz.

Aber die Verschiebung einer Veranstaltung gibt Kunden und Kundinnen die Möglichkeit, Tickets zu retournieren. Sie müssen das neue Datum nicht akzeptieren und haben Anspruch auf Rückerstattung. Eva W. erkannte ihre Chance und forderte von Viagogo mit diesem Argument die 268 Franken zurück.

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Eva W.: «Es hat mich mit Stolz und Freude erfüllt, dass ich als ‹kleine Eva› dieses Verfahren gewonnen habe.
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Klage gegen Viagogo in Genf

Auch dieses Mal gibt es keine Reaktion. Eva W. lässt nicht locker und betreibt das Unternehmen, allerdings ohne Erfolg. Doch sie sagt sich: «Ich ziehe das jetzt durch», und reicht Klage am Gericht, dem Tribunal de première instance in Genf ein. Im Februar hat die zuständige Richterin entschieden, Viagogo muss ihr die Tickets für die abgesagte Veranstaltung zurückerstatten und hat das zwischenzeitlich auch getan. Die Freude bei Eva W. ist gross, dass sie als «kleine Eva» ein Verfahren gegen dene Goliath – die internationale Ticketbörse Viagogo – gewonnen hat.

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Studiogespräch mit Christoph Bill, Präsident Swiss Music Promoters Association, SMPA
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Kassensturz, 20.04.2021, 21:05 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Felber  (ursus felber)
    Diese „innovativen“ internet Firmen können tun und machen was sie wollen. Wäre es ein Restaurant die produkte falsch deklariert würde es längst behördlich geschlossen, dafür brauchts nicht mal eine Anzeige von privaten! Der staat geht da von alleine vor. Aber eben, internet recht und schutz rangiert die schweiz als letztes drittweltland, mit dem segen von politik und Gerichten!!!
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  • Kommentar von Gian Duri Calonder  (calgia)
    Es ist schwierig ja, könnte aber nicht die Netzbetreiber und oder Google die Webseite von ViaGoGo sperren? Gerade wenn im DNS-Server von Google ViaGoGo auf localhost oder eine informations und Warnungsseite über ViaGoGo zeigt wäre das doch gut oder?
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  • Kommentar von Mark Keller  (mkel)
    1. Super, ich mag es Frau W. gönnen. 2. Das Urteil verstehe ich nicht. Die Rückerstattung müsste sich doch auf den Ticketpreis beziehen (39.-), nicht auf den Fantasiepreis des privaten Wiederverkäufers? Haftet dieser für eine Verschiebung überhaupt? Frau W. hätte aus meiner Sicht die Tickets nur beim Erstverkäufer zurückgeben können. 3. Seis drum, gut lässt man dieses Unternehmen wenigstens hier nicht einfach gewähren. Für mich allerdings unverständlich, dass immernoch Leute dort Tickets kaufen.
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    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      So wie ich verstanden habe, wird das Ticket bei Viagogo gekauft, nicht beim Privaten. (Im Gegensatz zu Ebay und co).

      Der Vertragspartner ist also viagogo und muss also für die Rückerstattung gerade stehen. Und da ist nur der Vertragspreis relevant, nicht der Wert. Alles Andere wäre ja lächerlich.
    2. Antwort von Mark Keller  (mkel)
      Würde Sinn machen, dann ist das Geschäftsmodell ein anderes. Ich habe die Seite nie benutzt und dachte in der Tat, es würde wie Ebay & Co funktionieren. Wenn ich da ein Ticket 10 fach überteuert kaufe, kann ich es bei einer Absage bestimmt nicht bei Ebay retournieren.