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Aktionskünstler Christo ist tot
Aus Tagesschau vom 01.06.2020.
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Er verpackte die Welt Künstler Christo ist tot

  • Der Künstler Christo, der vor 25 Jahren auch das Reichstagsgebäude in Berlin verhüllte, ist tot.
  • Er starb in New York im Alter von 84 Jahren, wie auf seiner Website mitgeteilt wurde und sein Büro am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Wer glaubte, dass Christo in seinem silbern verpackten Berliner Reichstag oder seinen leuchtend gelben, schwimmenden Stegen auf einem See in Italien irgendeine tiefere Bedeutung sah, der irrte. «Es ist total irrational und sinnlos», sagte der bulgarisch-amerikanischer Verpackungskünstler 2014 über seine Arbeiten.

1995 verhüllte Christo den Berliner Reichstag.
Legende: 1995 verhüllte Christo den Berliner Reichstag. Keystone

Doch die Schönheit seiner in abstrakte Objekte verwandelten Gebäude und Landschaften faszinierte Millionen. Nun ist Christo am Sonntag im Alter von 84 Jahren in New York gestorben.

Stationen aus Leben und Werk

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1935: Christo wird am 13. Juni in Bulgarien geboren.

1953-1956: Studium an der Kunstakademie Sofia.

1958: Christo geht nach Paris und trifft Jeanne-Claude.

1960: Ihr Sohn Cyril wird geboren.

1961: Erstes Projekt - verhüllte Fässerstapel im Kölner Hafen.

1964: Christo und Jeanne-Claude lassen sich in New York nieder.

1968: Verhüllte Kunsthalle Bern.

1976: Running Fence - ein Nylongewebe-Zaun vom Norden San Franciscos bis zur Bodega-Bucht am Pazifik, Kalifornien/USA.

1983: Surrounded Islands - elf Inseln in Florida/USA werden mit pinkfarbenem Stoffgewebe umsäumt.

1985: Verhüllung von Pont Neuf, Paris.

1995: Verhüllter Reichstag, Berlin.

1998: Verhüllung der Bäume im Park der Fondation Beyeler (Wrapped Trees)

2009: Jeanne-Claude stirbt im Alter von 74 Jahren am 18. November.

2013: Big Air Package - ein 90 Meter hohes Luftpaket im Gasometer Oberhausen. Christos erstes ohne seine Frau realisiertes Projekt.

2016: Floating Piers - gelbe Schwimmkörper im italienischen Iseosee.

2018: The London Mastaba - gestapelte Ölfässer in der Form einer ägyptischen Mastaba, die Christo in Abu Dhabi realisieren wollte, sind im Londoner Hyde Park in kleiner Form zu sehen.

2020: Jeanne-Claude und Christo planten bereits seit 1962 die Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris. Die ursprünglich für April 2020 geplante Realisierung wurde zunächst auf September/Oktober verschoben und soll nun wegen der Corona-Krise 2021 stattfinden.

2020: Christo stirbt am 31. Mai mit 84 Jahren in New York.

Stets war es ein Spiel aus Form und Farbe, wenn der am 13. Juni 1935 als Christo Vladimiroff Javacheff im bulgarischen Gabrovo geborene Künstler wieder ein Stück Welt mit Kunststoffbahnen überzog.

Zu den berühmtesten seiner weltweit realisierten Projekte zählten die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park («The Gates»), die schwimmende, mit Nylongewebe bezogene Stege auf dem Wasser des Iseo-Sees in der Lombardei («Floating Piers»), welche man im Tessin klonen wollte, sowie der 1995 verhüllte Berliner Reichstag und die verpackte Pont Neuf in Paris.

Die teils aus vielen Kilometern Entfernung sichtbaren Installationen, etwa der «Valley Curtain» in Colorado oder gelben und blauen Riesen-Sonnenschirme in Japan und Kalifornien («The Umbrellas»), entstanden bald nur noch im Team.

Mit seiner Frau Jeanne-Claude, mit der er seit den 90er Jahren stets als Duo auftrat, kämpfte Christo von ersten Plänen bis zur Realisierung eines Projekts teils mehrere Jahrzehnte. Die aus Casablanca in Marokko stammende und am selben Tag wie Christo geborene Jeanne-Claude war 2009 im Alter von 74 Jahren in New York an einer Hirnblutung gestorben.

Christo und Jean-Claude
Legende: Christo und seine Frau Jean-Claude präsentieren Skizzen ihres Plans, einen Fluss in den USA zu verhüllen. Keystone

Auch für 100 Millionen nicht

Die Ehe der beiden war auch eine aus Sozialismus und Kapitalismus: Der in Bulgarien marxistisch geschulte Christo, der weder Gelder von Sponsoren noch staatliche Subventionen akzeptierte, konnte die kostenlose Kunst für Millionen erst durch den Unternehmergeist seiner Frau verwirklichen. 2005 lehnten sie das Kaufangebot eines Finanziers über 50 Millionen Dollar für die 7500 orangefarbenen Tore und Stoffe aus dem Central Park ab. Christo soll auf das Angebot gesagt haben: «Ich würde sie auch für 100 Millionen nicht verkaufen.»

Deshalb und auch wegen der über Kilometer sichtbaren, visuellen Durchschlagskraft der Werke begeisterte das Paar. Unvergessen ist in Deutschland vor allem der in silberne Stoffbahnen verhüllte, mit blauen Seilen verschnürte Berliner Reichstag.

Künstler Christo
Legende: In Bulgarien geboren, mit 84 Jahren gestorben: Künstler Christo. Keystone

Im Protest gegen Trump

Die finanzielle Unabhängigkeit verschaffte Christo viel Freiraum in seinen jahrelangen Bemühungen, ein Projekt teils gegen Widerstand von Umweltschützern und trotz Auflagen von Baubehörden umzusetzen. So gab er 2017 im offenen Protest gegen US-Präsident Donald Trump die Arbeit «Over The River» im Staat Colorado auf, in das er über 20 Jahre rund 15 Millionen Dollar investiert hatte. Das am Arkansas River hätte er von der US-Regierung unter Trump mieten müssen.

Die Vergänglichkeit der temporären Grossinstallationen erinnerte stets auch an die Flüchtigkeit des Lebens selbst. «Es ist irgendwie naiv und arrogant, zu glauben, dass dieses Ding für immer bleibt, für die Ewigkeit», bemerkte Christo zur Zeit der Reichstagsverhüllung.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Manfred Lohnbauer  (Manfred Lohnbauer)
    Die Verhüllung von Häusern mit Plasitk ist keine Kunst sondern eine Umweltsünde. Der Energieaufwand, um solche Schnapsideen zu verwirklichen, ist gewaltig. Wie wurden wohl die Plastikplanen entsorgt? Viele Leute finden das witzig und klatschen Beifall. Es kommt mir vor wie im Märchen (Gleichnis) „Des Kaisers neue Kleider“. Echte Kunst ist unvergänglich, Einwand-frei, Tadel-los und Zufalls-frei, wie z.B. Michelangelos Davids oder Bachs Matthäuspassion.
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  • Kommentar von Barbara Hänggi-Manger  (Barbara Hänggi-Manger)
    1998: Verhüllung der Bäume im Park der Fondation Beyeler (Wrapped Trees)
    Vom anfangen bis zum Ende, das
    war einfach genial
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  • Kommentar von Günther Kalkofen  (superfunny)
    Bekannt durch die "Reichstagverpackung" in Belin,war er aber doch ein -Fliessbandverpacker- : 1968 Kunsthalle BERN
    und kein Jahr später Mai 1969 : DAI Heidelberg
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