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«Russian Woman» sorgt in Russland für Gesprächsstoff
Aus Rendez-vous vom 14.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
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Eurovision Song Contest Sängerin erntet Shitstorm für «Russian Woman»

In ein paar Tagen findet in Rotterdam der ESC statt. Der Gesangswettbewerb gibt sich stets explizit unpolitisch. Doch der diesjährige Beitrag aus Russland sorgt für Diskussionen.

Manizha heisst die junge Sängerin, die für Russland beim Eurovision Song Contest (ESC) antreten wird. Ihr Lied «Russian Woman» handelt von – der Name sagt es – russischen Frauen, von Diskriminierung, aber auch von Emanzipation. Russland ist zweigeteilt in seinem Urteil über den Song.

Die einen sind begeistert, die anderen kochen vor Wut. «Schauen Sie sich den Text dieses Liedes mal an. Das ist ein totaler Schwachsinn. Ich versteh überhaupt nicht, was das soll», lautete das Urteil von Valentina Matvienko.

Manizha trifft einen wunden Punkt

Die 72-Jährige ist nicht irgendwer: Sie ist Parlamentsvorsitzende, eine enge Vertraute von Waldimir Putin. Manizha, 29 Jahre alt, ist mit «Russian Woman» im staatlichen Fernsehen in der Vorausscheidung angetreten. Und sie hat in der Zuschauerabstimmung prompt gewonnen. Ihr Stil ist opulent, bunt, ein bisschen verrückt. Inhaltlich aber hat der Song eine klare Botschaft.

Du bist schon 30, warum hast Du noch keine Kinder?
Zeile aus dem Lied «Russian Woman»

«Du bist schon 30, warum hast Du noch keine Kinder?», heisst es im Text. «Du bist hübsch, aber Du solltest abnehmen. Zieh ein kürzeres Kleid an, zieh ein längeres Kleid an.» Manizha beklagt, dass russische Frauen ständig taxiert und belehrt würden, wie sie zu sein hätten. Aber: «Russische Frauen sind stark, sie können jede Mauer sprengen», heisst im Liedtext auch.

Es ist also ein Lied, das Diskriminierung anprangert – und gleichzeitig von Emanzipation erzählt. Das passt zu Manizha. Die Sängerin, die Wurzeln im zentralasiatischen Tadschikistan hat, engagiert sich seit geraumer Zeit gesellschaftlich: für Frauenrechte, für Flüchtlinge, auch für die Rechte von Lesben und Schwulen. Mit ihrem Lied «Russian Woman» habe Manizha einen wunden Punkt getroffen, stellt eine Moderatorin des staatlichen TV fest.

Du bist hübsch, aber Du solltest abnehmen. Zieh ein kürzeres Kleid an, zieh ein längeres Kleid an.
Zeile aus dem Lied «Russian Woman»

Das ist noch milde ausgedrückt: Manizha wurde im Internet mit einem regelrechten Shitstorm eingedeckt, rassistisch beschimpft, als Frau und Künstlerin beleidigt. Eine konservative Nichtregierungsorganisation hat sogar eine Anzeige gegen Manizha eingereicht: «Russian Woman» besudle die Ehre russischer Frauen. Manizha selber nimmt es gelassen: «Ich bin ja nicht schönes Wetter, also etwas, was allen gefallen muss», sagt sie.

Eine Stimme für die junge Generation

Und weiter: «Ich spreche schon lange über Gleichberechtigung, auch über Rassismus. Und die Kommentare, die ich jetzt erhalte, bestätigen nur, dass es richtig ist, was ich tue – dass ich weiter machen soll.» Russland mag unter Putin konservativer geworden sein. Der Kreml predigt seit geraumer Zeit sogenannte «traditionelle Werte.» Doch es gibt auch ein anderes Russland.

Junge Russinnen und Russen wie Manizha wollen ein offenes, ein buntes und vielfältiges Land, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Diese Generation hat keine politische Macht im Moment, aber sie gewinnt doch immerhin einmal eine Abstimmung, und schickt Manizha an den Eurovision Song Contest nach Europa – als Botschafterin eines modernen Russlands.

Rendez-vous, 14.05.2021, 12:30 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Wärs nicht Russland, würde sich kein Mensch dafür interessieren ...
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Ich bitte Sie... Das ist doch die ideale Plattform für Sie um noch bisschen gegen die USA zu wettern, wie im Post weiter unten. Gäbe es keine Russland-Themen, so müssten Sie dies ja alles für sich behalten. Seien Sie doch dankbar für diese Möglichkeit.
    2. Antwort von Tony Menninger  (Piglet42)
      Fassen Sie sich an die eigene Nase! Oder warum schreiben Sie drei Kommentare (20% des Forums) über ein Thema, das Sie für uninteressant halten? ;-)
  • Kommentar von William Palmer  (Imabill)
    Vielleicht könnte die SRF versuchen, die vermeintlichen “hippen” Leute zu zeigen, dass die Benützung von üblen Englischen Schimpfworten alles anders als hip ist, auch wenn von einigen unerzogenen Englisch Sprechenden verwendet und von Sozialen Medien „normalisiert“.
    Anstatt etwa diesen abscheulichen Trend Sh** - storm, F*ck usw. selber in Krimis und Nachrichten zu fördern.
    Besonders wenn EN sprechende (auch Frauen) das hören / lesen müssen hat dies eine tiefe Wirkung - nicht trendy. Danke.
    1. Antwort von Sören Schmid  (Sir N)
      Ja genau. Schreiben Sie bitte von nun an immer „Sturm der Entrüstung“...
  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    Und? Ist der Song auch gut? Darum würde es dabei doch eigentlich gehen.
    1. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      Der Song wird im Beitrag oben angespielt. Abgesehen von dem portugisischen Lied vor zwei, drei Jahren, mag ich mich an kein ESC-Lied der letzten 20-30 Jahre erinnern, welches gewonnen hätte und ich schön fand ;-)
    2. Antwort von Uwe Karbaum  (Fugazi)
      Nein, er ist grauenvoll. Aber mein Urteil begründet sich auf meiner Kultur, in der ich aufgewachsen bin, das Dargebotene ist daher überhaupt nicht mein Geschmack ;-)