Zum Inhalt springen

Header

Audio
Niederlande ruft «Fieldlab Events» ins Leben
Aus Rendez-vous vom 11.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:39 Minuten.
Inhalt

«Fieldlab»-Studie Ohne Maske ins Theater – im Namen der Wissenschaft

In den Niederlanden können negativ auf Corona getestete Personen an aufschlussreichen Massenexperimenten teilnehmen.

Eine Theatervorstellung mit 500 Besucherinnen und Besuchern – und das zu einer Zeit, als sich die Niederlande noch in einem harten Lockdown befanden.

Viele reagierten entsetzt, damals im Februar. Aber der Anlass diente der Wissenschaft: Das Publikum wurde mit GPS-Sendern ausgestattet und in Gruppen eingeteilt, die entweder Abstand halten und einen Mundschutz tragen mussten oder auf sämtliche Pandemie-Massnahmen verzichten konnten. Zahlreiche Kameras filmten alles, auch die Ein- und Ausgänge.

Die so entstandenen Videos zusammen mit den Daten der Sender gaben danach Aufschluss über die Kontaktmomente der Personen. «Wir lernen daraus, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, Menschen an einem grossen Ereignis zu schützen», sagt der Leiter der Fieldlab-Forschungsreihe, Andreas Voss.

Ein- und Ausgänge freihalten

Die Experimente hätten gezeigt, dass sich das Publikum nicht an die Abstandsregel zu halten brauche, wenn andere Massnahmen ergriffen würden, erläutert Voss. «Man kann viel über den Einstrom der Leute regeln.»

Die meisten Kontakte fänden beim Hineinkommen, in der Pause und beim Hinausgehen statt. «Wenn man die Leute gut durchströmen und nicht irgendwo stehen lässt, kann man dafür sorgen, dass es weniger Kontakte gibt.»

Sitzplätze sicherer als Stehplätze

Bei Anlässen mit Sitzplätzen sei das Risiko einer Ansteckung nicht höher als für eine Einzelperson zu Hause, hat die Auswertung der Überwachungsdaten ergeben. Bei Konzerten oder Festivals sei die Ansteckungsrate etwas höher, stellte Voss fest.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Experimente müssen nicht nur vorgängig einen negativen Coronatest vorweisen können. Sie müssen sich auch fünf Tage nach dem Anlass noch einmal testen lassen. Das tun nur gerade 80 Prozent, was für Voss aber kein Problem ist. «Die Leute haben ihre Belohnung, das Event, schon gehabt. Sie haben keine Symptome. Sie fühlen sich gesund, zehren vielleicht noch von dem, was sie fünf Tage davor erlebt haben. Und sie müssen dann einen halben Tag freinehmen, um irgendwo zum Testen hinzugehen. Ich finde 80 Prozent unglaublich.»

Versuchsreihe an Eurovision Song Contest

Box aufklappenBox zuklappen
Mann mancht Foto von Kind vor grossem blauen Mikrofpn vor Festhalle.
Legende: Keystone

Eine logistisch grössere Herausforderung für das Team von Professor Voss wird der Eurovision Song Contest ab 18.Mai in Rotterdam. Die niederländische Regierung hat beschlossen, dass bei den Proben, Halbfinals und dem Final je 3500 Menschen anwesend sein dürfen, und dass das Fieldlab diese neun Shows wissenschaftlich begleiten soll. «Für uns ist das ideal, weil man dann in einer Situation ist, in der man neunmal dieselbe Ausstellung hat», freut sich Voss. Bei gleichen Bedingungen könnten sie jetzt Verschiedenes testen, beispielsweise einen anderen Zugang zur Halle oder eine andere Barnutzung.

Inzwischen befindet sich das Virus in Europa auf dem Rückzug. Bis im Sommer sollten vielerorts die Corona-Massnahmen fast gänzlich reduziert werden können. Die Frage stellt sich deshalb, ob es diese Fieldlab-Experimente überhaupt noch braucht. Ja, sagt Voss. Man müsse sehen, ob im nächsten Winter wieder die gleichen Massnahmen ergriffen werden müssen.

«Wenn das der Fall sein wird, würden wir hoffen, dass wir mit den Resultaten aus Fieldlabs verhindern können, dass der Lockdown so weit geht, wie er jetzt gegangen ist.» Der Forscher ist zuversichtlich, dass das öffentliche Leben dank der Resultate seiner Forschungsreihe dereinst nicht mehr so stark eingeschränkt werden muss, wie das dieses oder letztes Jahr der Fall war.

Rendez-vous, 11.05.2021, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Na ja, alle Personen wurden vorher negativ auf das Virus getestet. Da ist es ja logisch, dass sich niemand anstecken kann, egal ob mit oder ohne Masken. Dieses "Experiment" hätte man sich auch sparen können, da das Resultat bereits vorher feststand. Oder man hätte die Wissenschaft und die Logik nie definieren müssen......
  • Kommentar von Thomas Brand  (tomcomm)
    Im Prinzip müsste es "Fieldlabs" geben für Ungeimpfte gesunde Menschen, ohne Abstand und Maskenpflicht. Damit hätte man eine Vergleichsbasis für andere Massnahmen.
    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Sie können nicht erwarten, dass Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen.
  • Kommentar von Pascal Giger  (PIGI)
    was soll ein solche "wissenschaftliche" Feldstudien bringen? Logisch geht dies gut ohne Masken, wenn alle vorher negativ getestet wurden. Interessanter wäre es, das Ohne zu testen durchzuführen und ohne Maske und dann zu schauen, was passiert mit dem Infektionsgeschehen....ich gehe stark davon aus, dass auch dann nichts passiert, d.h. keine Infektionen geschehen draussen an einem Theater, mit oder ohne Test, mit oder ohne Maske. Ich bin seit mehr als 1 Jahr im falschen Film!
    1. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Ja Herr Giger, im Normalfall, wenn die Wissenschaft so funktionierte, wie sie funktionieren soll, hätte man solche Untersuchungen wie die von ihnen vorgeschlagenen natürlich schleunigst durchgeführt, bzw durchführen müssen, um wissenschaftl. vertretbare Schlussfolgerungen ziehen zu können. Dass das nicht geschehen ist und auch nicht geschehen wird, zeigt Ihnen, dass sie tatsächlich im falschen Film sitzen und auch weiterhin sitzen werden. Viel Vergnügen beim Betrachten des Filmes.
    2. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Pascal Giger, diese Tests gab es schon, unfreiwillig: Das Championsleagespiel in Bergamo, dass das Gesundheitssystem zusammenbrechen liess, der eine Superspreader in Südkorea, der singend ganz alleine für 1000 Ansteckungen an Gottesdiensten verantwortlich war. Oder aber, die zwei Friseure in Missouri, die obwohl mit Corona infiziert, keinen einzigen ihrer 139 Kunden angesteckt haben.