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Facebook massiv unter Druck «Privatsphäre ist nur Thema, wenn ein Skandal droht»

Legende: Audio SRF-Digitalredaktor Buchmann zum neuesten Facebook-Skandal abspielen. Laufzeit 04:35 Minuten.
04:35 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.12.2018.

Facebook wird mit neuer, massiver Kritik konfrontiert: Der britische Parlamentarier Damian Collins hat interne E-Mails des Konzerns publiziert. Sie zeigen, wie das Unternehmen sein Geschäftsmodell optimiert und gezielt gegen Konkurrenten vorgeht. Für SRF-Digitalredaktor Peter Buchmann ist klar: Facebook missachtet die Privatsphäre der Nutzer systematisch.

Peter Buchmann

Peter Buchmann

SRF-Digitalredaktor

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Peter Buchmann arbeitet seit 2013 bei der SRF-Digitalredaktion. Zuvor war er als Entwickler tätig. Buchmann blickt auf ein Studium der Japanologie, Sinologie und Informatik zurück.

SRF News: Wie gelangte Collins an die Facebook-internen E-Mails?

Peter Buchmann: Die Mails und weiteren Dokumente stammen aus einem Prozess, den das amerikanische Startup Six4Three gegen Facebook in den USA führt. Der CEO dieses Startups war kürzlich in London. Dort zwang ihn der Parlamentarier Collins dazu, diese E-Mails der Kommission «Digital, Culture, Media and Sport» zu übergeben. Diese wird von Collins geleitet und führt in Grossbritannien eine Untersuchung wegen Fake News im Zusammenhang mit der Brexit-Abstimmung durch. Collins hat einen Teil dieser EMails redigiert und am Mittwoch veröffentlicht.

Die E-Mails geben einen Einblick in die Interna bei Facebook. Was zeigen sie?

Die E-Mails machen zwei Dinge deutlich: Für Facebook sind die eigenen Geschäftsinteressen absolut zentral. Der Schutz der Privatsphäre der Nutzer ist Nebensache. Und zweitens: Facebook geht gnadenlos gegen Konkurrenten vor. Das zeigt das Beispiel der Facebook-eigenen App Onavo. Der Nutzer kann mit dieser App seinen Internetverkehr verschlüsseln.

Der Schutz der Privatsphäre ist nur ein Thema, wenn Facebook einen Skandal zu befürchten hat.

Facebook wiederum erhält über diese App Daten zum Nutzerverhalten. Der Konzern gelangte so an Daten, welche Apps populär sind. So merkte Facebook schon früh, dass Whatsapp immer beliebter wird, oder auch die Video-App Vine des Konkurrenten Twitter. Facebook eliminierte die beiden Konkurrenten: Whatsapp wurde aufgekauft, Vine von Facebook verbannt.

Facebook hat also das Nutzerverhalten ausspioniert und aufgrund dieser Erkenntnisse wichtige Entscheide getroffen. Der Schutz der Privatsphäre ist offenbar Nebensache.

Auch aus anderen E-Mails geht hervor, dass der Schutz der Privatsphäre für Facebook Nebensache ist. Er ist nur ein Thema, wenn der Konzern fürchtet, dass die Missachtung der Privatsphäre öffentlich wird – wenn Facebook also einen Skandal zu befürchten hat. Im Februar plante Facebook, die eigene App auf den Android-Smartphones so abzuändern, dass sie Daten zum SMS-Austausch und zu Telefongesprächen der Nutzer an Facebook weiterleitet.

Zuerst hatten die Verantwortlichen Bedenken, dass es zu einem Skandal führen könnte, wenn die Nutzer ihre Zustimmung geben müssen. Dann haben sie einen Weg gefunden, wie sie ohne die Zustimmung der Nutzer an diese Daten gelangen. Und haben die App entsprechend abgeändert.

Wie hat Facebook auf die Veröffentlichung der E-Mails reagiert?

Mark Zuckerberg schreibt auf seinem Blog, dass diese E-Mails nur einen Teil der Geschichte wiedergeben würden. Sie seien aus dem Zusammenhang gerissen. Es handle sich lediglich um Diskussionen, in denen Mitarbeiter unterschiedliche Ideen äusserten. Zuckerberg verweist darauf, dass Facebook vor drei Jahren den Zugang zur Plattform für Entwickler einschränkte. Was er dabei nicht erwähnt: Das galt nicht für alle in gleichem Masse. Facebook gab Grosskunden wie AirBnB oder Netflix Zugang zu Daten, die andere nicht hatten, und muss sich nun den Vorwurf der Bevorzugung gefallen lassen.

Das Gespräch führte Antonia Moser.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst U. Haensler (ErnstU)
    Microsoft u B.Gates sind vor jahrzehnten mit ähnlichen Methoden gross geworden. Den besten Browser "Netscape" vernichtet u defekte Software auf den Markt geworfen u mit den kostenlosen Rückmeldungen die Software verbessert.
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    1. Antwort von Stefan Allem (Alstef)
      Jahrzehnten: 80er wurde Microsoft schon reich, der Skandal war in den 90er.
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  • Kommentar von Andreas Kermann (Andreas Kermann)
    Wer sein Leben nicht schriftlich fest halten will kann jederzeit jeden einzelnen Mausklick über das "Aktivitätenprotokoll" von Facebook rückgängig machen. Das hat zwei Vorteile: Das eigene Leben ist wieder das eigene Leben und Facebook wird die Grundlage für sein Geschäften entzogen. Das dauert zwar eine Weile - ist aber unterhaltsam und fühlt sich sehr gut - weil total befreiend - an! :-)
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Sie können auch das Facebook-Account löschen. Ich weder Facebook noch Twitter, dafür kulinariche Höhenflüge mit echten Feunden in meinem Haus oder meinem schönen Garten. Meinem digitalen Alter Ego geht es dabei blendend...
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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Ich habe mir immer mehr die Frage gestellt, was für einen Nutzen FB eigentlich für mich haben soll. Tagtäglich irgendwelche dämlichen Posts lesen, in denen es zu 99% um Happyness und Selbstdarstellung geht? Warum muss ich wissen, dass "Freund Nr. 63" mit seiner Familie grade in einer Pizzeria hockt, und seine Kinder ein lustiges Schlümpfe-Eis bestellt haben? Dazu grinsen alle zusammen in die Kamera – natürlich voll die happy family. FB account: gelöscht. Danke, das wars.
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