Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Eingerostete Piloten – das ist etwas hart ausgedrückt»
Aus News Plus vom 06.07.2021.
abspielen. Laufzeit 20:09 Minuten.
Inhalt

Fliegen in Coronazeiten Zornige Passagiere, eingerostete Piloten – fliegt die Angst mit?

Versicherer stellen sich durch die Coronakrise auf neue Risiken in der Luft ein. Doch eine Aviatik-Expertin relativiert.

«Eingerostete» Piloten, Insektenbefall bei Flugzeugen und wütende Passagiere – die Versicherer der Luftfahrtbranche machen sich auf ganz neue Risiken wegen der Pandemie gefasst. Davon nämlich ist in einem neuen Bericht die Rede, der untersucht hat, vor welchen Herausforderungen die Luftfahrt wegen der Coronakrise steht. Doch wie ernst muss man diese Bedenken nehmen?

Legende: Als der Flugbetrieb Anfang des Jahres langsam wieder anlief, hätten Dutzende Piloten Fehler – etwa beim Landeanflug – gemeldet, weil ihnen die Flugpraxis fehle, steht im Bericht des Industrieversicherers AGCS, einem Tochterunternehmen der Allianz-Versicherung. Keystone

Die Aviatik-Expertin Laura Frommberg findet die Diagnose, Pilotinnen und Piloten seien durch die Pandemie «eingerostet», «relativ hart»: «Natürlich waren viele von ihnen ‹gegroundet› und konnten nicht im Flugzeug starten.» Andererseits seien die Airlines aber verpflichtet, ihr Personal auf den jeweiligen Flugzeugtypen durchgehend zu schulen. «Das kann man natürlich auch im Simulator machen – und die sind heute ziemlich realitätsgetreu.»

Auch wenn sich das reale Fliegen doch noch einmal anders anfühle, sagt die Chefredaktorin und Gründerin des Luftfahrt-Nachrichten-Portals Aerotelegraph: «Bei einer Airline meines Vertrauens würde ich mir keine Sorgen machen, dass sich die Piloten nicht mehr auskennen.»  

Insektenbefall im «Wüstenhangar»

«Gegroundet» waren wegen der Pandemie auch viele Flugzeuge. Im Bericht des Versicherers Allianz wird ausgeführt, dass Insektenschwärme Maschinen befallen hätten, was die Genauigkeit bestimmter Messgeräte beeinträchtigen könnte. Frommberg bestätigt solche Vorfälle. Während des Corona-Groundings parkierten nämlich viele Airlines ihre Flugzeuge in trockenen, warmen Ländern wie Jordanien – so etwa auch die Swiss.

Das mache auch Sinn, weil dann die Geräte nicht so sehr belastet würden. «Das Problem an solchen Orten ist aber, dass Insekten manchmal finden, dass sich so ein Flugzeug ganz gut eignet, um darin eine Weile zu wohnen», sagt die Aviatik-Expertin.

Legende: Die australische Fluggesellschaft Qantas berichtete gar von Klapperschlangen und Skorpionen, die sich im «Wüstenhangar» in den Triebwerken einnisteten. Keystone

Der europäischen Luftfahrtbehörde ist das Problem bekannt und sie hat eine entsprechende Sicherheitsanweisung herausgegeben. Die Airlines sind also verpflichtet, ihre Flugzeuge auf möglichen Larven- oder Insektenbefall zu überprüfen. «Ich gehe also auch hier davon aus, dass die Airlines die entsprechenden Vorkehrungen treffen», so Frommberg.

Ein weiteres Phänomen, das der Bericht beschreibt: «Air Rage», zu Deutsch: «Flugkoller». Allein in den USA meldeten die Fluggesellschaften laut dem Versicherungsbericht in 3000 Fällen randalierende Passagierinnen und Passagiere, die sich etwa gegen die Maskenpflicht wehrten – in normalen Jahren sind es 150.

Eine gute Airline achtet darauf, dass ihr Personal geschult ist und ihre Flugzeuge ‹ready› für den Betrieb sind – als Schweizer Passagierin würde ich mir hier keine Sorgen machen.
Autor: Laura Frommberg Chefredaktorin von Aerotelegraph

Frommberg bestätigt: Das Corona-Regime kann im Flugverkehr durchaus zu Gereiztheit und wütenden Reaktionen führen. Etwa, weil man es sich nicht gewohnt ist, auf einmal wieder von derart vielen Menschen umgeben zu sein. Oder auch, weil man sich selbst an der Maske stört – oder der Sitznachbar partout keine tragen will. «All das trägt dazu bei, dass die Gefahr eines Ausrasters steigt, wenn man ohnehin schon angespannt ist.»

«Air Rage» sei aber nichts, was die Sicherheit von Flügen gefährde, relativiert die Journalistin. «Es kann zu Verspätungen und im schlimmsten Fall zu Zwischenlandungen führen.» Dies könne die Verantwortlichen aber teuer zu stehen kommen, ergänzt Frommberg. Und sie beruhigt abschliessend alle, die wegen Corona mit einem flauen Gefühl im Magen in den Flieger steigen: «Eine gute Airline achtet darauf, dass ihr Personal geschult ist und ihre Flugzeuge ‹ready› für den Betrieb sind – als Schweizer Passagierin würde ich mir hier keine Sorgen machen.»

SRF 4 News, 07.07.2021, 06:46 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Willi Fetzer  ((:-))
    " als Schweizer Passagierin würde ich mir hier keine Sorgen machen.» ist das so oder wird das nur gebetsmühlenartig wiederholt um wahrer dastehen zu wollen?
  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Tag.

    seit wann definieren Versicherer, was Risiko ist oder nicht? Manchmal ist die Branche selbst ein Risiko - wenn es um die Erfüllung von Versicherungsleistungen geht (Hausrat, Auto, Unwetterschäden etc.).
    Und Entschuldigung - wenn ich 1 Jahr lang kein Auto gefahren bin, bin ich am anfang auch unsicher. Oder Töffahrer nach der Winterpause. Da hätten die Piloten beizeiten schon Uebungen machen können.
    Freundliche Grüsse, ee
    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Die Piloten üben regelmässig. Im Simulator. Denn wenn sie ihre benötigte Anzahl Starts und Landungen pro Monat nicht absolvieren, sei es im Simulator oder real, verlieren sie ihre Erlaubnis überhaupt mit ihrem Flugzeugtyp zu fliegen.
      Es ist eben schwierig, mal kurz mit der Boeing777 ein paar Runden übungshalber zu drehen. Das geht mit dem Töff bedeutend unkomplizierter. Aber vielleicht machen Sie einen Scherz? Sind unterbeschäftigter Pilot?
    2. Antwort von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
      @ A. Meier - mir stachen zwei Begriffe ins Auge - "eingerostete Piloten" und Versicherung.
      Aber vielen Dank für Ihren Kommentar, bei dem Punkt war ich mir nicht sicher.
      Beim Vergleich mit Töff oder Auto ging es mir um das Prinzip - wenn ich längere Zeit etwas nicht gemacht habe, dann verliert der Mensch die Routine, aber nicht die Theorie und Körperbewegung. Letzteres kann er immer abrufen, solange er gesund ist.
      Viele Grüsse, ee