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Frauen spielen meist gegen Frauen – ob das sinnvoll ist, ist umstritten
Aus SRF 4 News aktuell vom 07.12.2020.
abspielen. Laufzeit 05:12 Minuten.
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Frauen und Schach Schach-Kennerin: «Frauen spielen nicht schlechter als Männer»

Die erfolgreiche Netflix-Miniserie «The Queen's Gambit» widmet sich dem Schach – und einer Frau, welche die männlichen Spieler dominiert. In der Realität ist in den Top 100 der Schachcracks allerdings nur eine einzige Frau vertreten. Ein Grund dafür liege wohl darin, dass viel weniger Frauen Schach spielen als Männer, sagt Christine Zoppas vom Schachverband.

Christine Zoppas

Christine Zoppas

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Christine Zoppas ist beim Schweizerischen Schachbund, Link öffnet in einem neuen Fenster zuständig für die Nachwuchsförderung und spielt selbst Schach.

SRF News: Ist das Filmphänomen, dass Frauen Männer im Schach schlagen können, eine reine Fiktion?

Christine Zoppas: Es kommt immer wieder vor, dass Frauen Männer beim Schach schlagen. Doch in der Tat ist die Chance für eine Frau kleiner als für einen Mann, bei den Top-Leuten ganz vorne mitzuspielen.

Können Frauen schlechter Schach spielen?

Nein. Man kann sicher nicht pauschal sagen, dass Frauen schlechter spielen als Männer. Ein Grund ist aber sicher, dass viel weniger Frauen als Männer überhaupt Schach spielen.

Nur vier Prozent der Mitglieder in den weltweiten Schachclubs sind Frauen.

Derzeit sind weltweit bloss rund vier Prozent der Mitglieder von Schachclubs Frauen. 96 Prozent sind Männer. In der Schweiz sind es bei den unter 14-Jährigen derzeit rund 14 Prozent Mädchen, bei den Älteren nimmt der Anteil der Mädchen und jungen Frauen jedoch drastisch ab.

Frau am Schach.
Legende: Über 60 Millionen Netflix-Abonnentinnen und -abonnenten haben sich die Miniserie «The Queen's Gambit» bereits angeschaut. imago images

Warum ist das so?

Wenn man das wüsste... Immerhin: Wir haben eine Arbeitsgruppe gegründet, die versucht herauszufinden, wieso derart viele Mädchen mit dem Schach aufhören. Mögliche Gründe könnten sein, dass sie nicht mehr mit den Jungs zusammen spielen mögen wenn sie etwas älter werden oder dass sie die Ausbildung höher gewichten als Schach.

Es gibt beim Nachwuchs eigens Frauen-Schachturniere. Ist das sinnvoll?

Viele Mädchen spielen sicher lieber unter ihresgleichen – andere würde aber viel lieber auch beim Turnier gegen Jungs antreten. Aber es ist wohl schon sinnvoll, dass man den Mädchen eine eigene Plattform bietet, auf der sie sich untereinander messen können.

Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen in unserem Verband.

Ein Argument gegen spezielle Schachturniere für Frauen lautet, dass das Niveau dort viel tiefer ist, entsprechend müssen Frauen viel weniger trainieren, um gut abzuschneiden – sie erreichen so also kaum ein Spitzenniveau im Vergleich zu Männern. Sehen Sie das auch so?

Ich verstehe diese Argumentation sehr gut. Es stellt sich allerdings die Frage, ab wann man die Mädchen schwächt, weil man sie unter sich spielen lässt – und ab wann man sie stärkt, wenn man sie mit den Jungs spielen lässt. Diese Diskussion wird geführt und dazu gibt es sehr unterschiedliche Meinungen – auch in unserem Verband.

Werden die Mädchen und Frauen eines Tages konstant mit den besten Jungs und Männern mithalten können?

Ob es so weit kommt, weiss ich nicht. Ich hoffe jedoch stark darauf, dass wir die Basis bei den Mädchen stärken können, damit es dereinst so weit kommt.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

SRF 4 News aktuell vom 7.12.2020, 06.45 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Ich habe seit längerem das Gefühl, dass die Frauen welche solche Themen aufgreifen, die Genderrollen nur noch mehr verstärken. Irgendwann hat dieses Thema einen Lächerlichkeit erreicht, so dass man die wichtigen Themen überhaupt nicht mehr ernst nimmt! Schade, denn Frauen sind in den meisten Themen ebenbürtig, wenn Sie den gleichen Aufwand aufbringen, dass wissen auch die Männer. Was uns trotzdem unterschiedet, ist der Körper und vielleicht die Herangehensweise.
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    1. Antwort von Takeshi Kovacs  (Envoy)
      Gegenpunkt: Dieses Thema wird überall aufgegriffen, weil es eben leider überall präsent ist. Vieles im Thema Feminismus hat mit Erwartungen und Möglichkeiten zu tun, nicht Können.
      Es ist halt unangenehm, dass man jeden Tag davon liest, aber so lange diese Probleme nicht weg, bleibt es halt so. Ignorieren, wegschauen und stumm bleiben wurde jetzt lange genug versucht :)
      Frauen können erst seit 1971 überall abstimmen. was für mich als GenZ eine absolute Schande ist. Pfui Teufel, meine liebe CH.
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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Man oder eben Frau kann sich alles schön reden. Offensichtlich sind im Schach die Männer schliesslich besser. Dann darf man es auch sagen. Da es nicht um Körperkraft geht, könnte die beste Frau doch gegen einen der besten Männer antreten und man sieht wer es besser macht. Ist das ein Problem? Ein Schachweltmeister sollte der beste sein, egal ob Mann oder Frau. Eine separate Kategorie braucht es auch nicht sonst müsste noch eine 3. Kategorie für Divers geschaffen werden. Der Titel wäre wertlos.
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    1. Antwort von Takeshi Kovacs  (Envoy)
      Männer hatten halt schon immer Zeit, Schach zu spielen. Die durchschnittliche Frau hat relativ gesehen noch nicht sehr lange die Chance, zu tun was sie möchte.
      Denn während die Männer Schach spielten, hiess es für die Frau putzen, auf die Kinder aufpassen, Kochen und ja nicht zu viel denken.
      "Die Frau gehört ins Haus", "Wenn eine Frau das Bedürfnis hat, in der Politik mitzumischen, kann sie ihre Meinung indirekt über den Ehemann zur Geltung bringen" Argumente gegen Frauenstimmrecht, 1971.
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  • Kommentar von Alex Gilomen  (PeacefulHawk)
    Ich bin auch nicht so gut im zopfknüpfen, stricken, nähen, dekorieren ect. wie die meisten Frauen die ich kenne. Ich mache diese Dinge ja auch nie, weil sie mich nicht interessieren.
    Das ist weder gut noch schlecht. Ich bin auch miserabel im Schach, denn auch das mache ich nie.
    Wir können uns jetzt auch beschweren, dass so viele Frauen besser im tanzen sind und dass das nicht sein soll, weil Schlagzeilen.

    Lasst doch die Geschlechter tun was sie gerne tun.
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