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Hitzewelle in Australien Die Angst vor dem nächsten Inferno

In «Down Under» purzeln die Hitzerekorde, Mensch und Tier leiden. Nun drohen verheerende Buschbrände.

Legende: Audio Sengende Hitze in Australien abspielen. Laufzeit 04:34 Minuten.
04:34 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.01.2019.

Wer heute Morgen sein Gesicht ob der steifen Bise im Mantelkragen vergraben hat, dem sei gesagt: Zumindest die Australier würden derzeit gerne mit uns tauschen. In «Down Under» ist extreme Hitze während der Sommermonate zwar nichts Ungewöhnliches.

Nun aber purzeln die Rekorde. Und das andauernd, wie SRF-Korrespondent Urs Wälterlin berichtet: «In Port Augusta in Südaustralien war es letzte Woche 49,5 Grad heiss – ein absoluter Weltrekord für eine Küstenstadt.» In Melbourne wurden 42,3 Grad gemessen.

Buschbrand im November 2018 in Queensland
Legende: Im Bundesstaat Queensland frassen sich schon im November die Flammen durch den Busch. Nun wächst die Sorge, dass sich unkontrollierbare Brandherde wie 2009 entwickeln. Keystone

Unter der sengenden Hitze in der Metropole litten nicht nur die Tennisprofis an den Australian Open. Wegen der Hitze kollabierte auch ein Teil des Stromnetzes, inklusive 100 Verkehrsampeln. Ein Chaos auf Melbournes Strassen war die Folge. Im Bundesstaat New South Wales begann mancherorts sogar der Asphalt auf der Autobahn zu schmelzen.

Urs Wälterlin

Urs Wälterlin

SRF-Mitarbeiter in Australien

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Der gebürtige Basler Urs Wälterlin, Link öffnet in einem neuen Fenster lebt seit 1992 in der Nähe der australischen Hauptstadt Canberra. Er berichtet von dort für SRF über Australien, Neuseeland und Ozeanien.

Die extremen Bedingungen setzen auch der Tierwelt zu. Gestresste Fledermäuse griffen Menschen an. Südlich von Sydney wurden kürzlich über eine Million tote Fische gefunden. Im Westen Landes wurden mehr als 2500 wildlebende Kamele erschossen, die Zäune zu privatem Grasland durchbrochen hatten, um an Wasser zu gelangen.

Verendete Pferde in einem Wasserloch
Legende: Nahe einer entlegenen Siedlung im Zentralaustralien wurden Dutzende Wildpferde in einem ausgetrockneten Wasserloch gefunden. Alice Springs Community Forum/Facebook

An einigen Orten im Südosten des Landes habe sich die Situation inzwischen etwas beruhigt, berichtet Wälterlin. Das gelte auch für Tasmanien, wo sich zwischenzeitlich eine über 1000 Kilometer lange Feuerfront aufgebaut hat. «Im besonders isolierten Südwesten der Insel sind einige der urtümlichsten Ökosysteme der Welt bedroht. Landschaften, die im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Australiens, Feuer nicht tolerieren.»

Erinnerungen an den «Schwarzen Samstag»

Trotz der kurzfristigen Entspannung sagt Wälterlin: «Die Krise hält an.» Denn Buschbrände breiten sich auch auf dem Festland aus. Sie werden geschürt von extremer Hitze und Trockenheit, starken Winden und herumliegendem Brennstoff wie Blättern und Baumrinden: «Diese Kombination kann dazu führen, dass sich ein ganzes Gebiet innerhalb weniger Stunden in ein Inferno verwandelt.»

Buschbrand auf Tasmanien
Legende: Auf der Insel Tasmanien wüteten Buschbrände. Regional wurden im Süden von Australien am Freitag Spitzenwerte von bis zu 47 Grad gemessen. Keystone

Kommen die Zutaten für ein Feuerinferno zusammen, lässt sich dieses kaum mehr stoppen. Vor zehn Jahren brannte es im Hinterland von Melbourne an 400 Orten gleichzeitig. «180 Menschen starben an diesem ‹Schwarzen Samstag› – wer sich nicht rechtzeitig retten konnte, war verloren», erinnert sich der SRF-Korrespondent.

Wälterlin war damals selbst in der Krisenregion: «Ganze Landstriche waren zerstört. Ich sah ausgebrannte Autos, in denen ganze Familien bei lebendigem Leib verbrannt waren. All das werde ich nie mehr vergessen.»

Der «Faktor Mensch»

Den Launen einer unberechenbaren Natur ist man in «Down Under» nicht ausgesetzt. Denn für Wissenschaftler ist klar: Die extreme Hitze und Trockenheit in Australien sind direkte Folgen der menschgemachten globalen Erwärmung. Diese sei primär Resultat der Verbrennung fossiler Brennstoffe und intensiver Landwirtschaft, fasst Wälterlin die Forschungsmeinung zusammen.

Es ist «zwei Minuten vor zwölf»

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Die vergangenen vier Jahre waren die heissesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wie die US-Forschungsgruppe Berkeley Earth mitteilte, war 2018 das viertwärmste Jahr insgesamt und entspreche der Tendenz einer gefährlichen Erderwärmung. Das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen bleibe damit 2016, legten die Wissenschaftler dar.

Führende US-Wissenschaftler nannten den Klimawandel als Faktor dafür, dass die symbolische «Weltuntergangsuhr» «zwei Minuten vor zwölf» anzeige. Der Copernicus Climate Change Service der EU hat die Jahre 2015 bis 2018 als die bislang heissesten ausgewiesen. Im vorläufigen Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), wurde festgestellt, dass 2018 sich wahrscheinlich als das viertheisseste Jahr erweisen werde.

«Die konservative Regierung in Canberra will davon aber nichts wissen», sagt Wälterlin. Der Premierminister Scott Morrison etwa verkündete, Buschbrände und Hitzewellen gehörten einfach zu Australien. Die Kohle, wie von Wissenschaftlern gefordert, im Boden zu lassen, kommt für die Politik nicht infrage: «Denn Kohle ist eines der wichtigsten Exportprodukte Australien. Und das Land hat noch Reserven für Hunderte Jahre.»

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21 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Diese extreme Hitze wird eine grosse Anzahl an wilden Tieren in Australien vernichten an Mangel an Wasser und Futter. Ausgetrocknete Wasserlöcher, Flüsse und es regnet nicht mehr. Wie auf den Bilder gezeigt, Wildpferde sind verdurstet, Kamel wurden erschossen weil sie Futte suchten in der Nähe von Siedlungen. Die Hitze und die Waldfeuer venichten alles im grossen Ausmass. Eine Tragöde für die Natur. Liegt es am Klimawandel könnte es gravierende Folgen haben in den nächsten Jahren.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Es war nicht immer so. Habe eben mit meinen ehemaligen Nachbarn in SA kommuniziert. Sie bestätigen, Buschbraende häufen sich, scheinen auch immer extremer zu werden. In solchen Zeiten sind Rinder u.Schafe nicht nur Feuer ausgesetzt, es fehlt ihnen längst vorher an Futter+Wasser. Kein Metzger will sie mehr. Kommt die Verwüstung hinzu. AUS Küstengewässer resp Fauna u.Flora leiden am Temp-Anstieg, zudem stieg der Meeresspiegel in den letzten JZ um 10cm an. Dh Salzwasser mischt sich ins Grundwasser.
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  • Kommentar von Peter Brenner (Brenner)
    Auf wetteronline.de kann man im Rückblick die Wetterdaten auch von Melbourne abrufen. Zwischen 27.12.18 bis 27.01.19 schwankten die Höchstemperaturen zwischen 20 und 38°, mit zwei Ausreissern am 04.01 (42°) und 24/.25.01.19 (42/44°). Die Tiefstwerte lagen in dieser Periode zwischen 10 und 22°,mit einem Ausreisser am 25.01.19 (32°). Eine "Hitzewelle" sieht für mich anders aus. Ob Buschbrände entstehen, hängt nicht von den punktuellen Höchstwerten ab, auch 50° C entzünden gar nichts.
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