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Die Heuschrecken fressen alles kahl
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.01.2020.
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Insekten-Epidemie in Ostafrika «Heuschrecken-Wolken so gross wie der Kanton St. Gallen»

Ostafrika leidet unter der schlimmsten Heuschreckenepidemie seit Jahrzehnten. Die hungrigen Insekten formieren sich in riesigen Schwärmen und fressen ganze Landstriche kahl. Inzwischen hat auch die Welternährungsorganisation Alarm geschlagen.

Grund für die Insektenepidemie sei die seit Monaten anhaltende spezielle Wetterlage in Ostafrika, sagt SRF-Korrespondent Samuel Burri.

Samuel Burri

Samuel Burri

Afrika-Korrespondent

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Samuel Burri berichtet seit 2017 für SRF über das Geschehen in Afrika. Er lebt in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Der studierte Historiker war vor seinem Engagement bei SRF als freier Journalist in Ghana und Westafrika tätig.

SRF News: Auch Kenia, wo Sie wohnen, ist von der Heuschrecken-Epidemie betroffen. Wie wirkt sich das aus?

Samuel Burri: Die Heuschreckenschwärme haben den Norden Kenias befallen. Sie werden mit dem Wind verbreitet, deshalb kommen sie nicht bis zu uns in die Hauptstadt Nairobi im Süden. Das Thema erhält aber eine grosse Aufmerksamkeit der Medien, seitdem vor drei Wochen die ersten Heuschreckenschwärme ins Land gekommen sind.

Eine Person inmitten eines Heuschreckenschwarms.
Legende: Riesige Heuschreckenschwärme suchen Ostafrika heim, darunter auch den Norden Kenias. Reuters

Die Schwärme bestehen aus Hunderten Millionen Heuschrecken. Wie muss man sich das vorstellen?

Es sind riesige Wolken aus Heuschrecken. Manche dieser Insekten-Wolken sind so gross wie der Kanton St. Gallen. Hunderte Heuschrecken stürzen sich jeweils auf einen Strauch und nagen ihn ab, bis nur noch sein Gerippe übrig ist. Die Schwärme sind vom Roten Meer her über Somalia und Äthiopien nach Kenia gekommen. In einem Tag legen sie dabei Strecken von bis zu 150 Kilometer zurück.

Die Heuschrecken fressen einen Strauch bis auf sein Gerippe ab.

Die WHO befürchtet, dass die Schwärme bis nach Uganda oder Südsudan fliegen könnten. Diese Länder wurden seit mehr als 50 Jahren von Heuschreckenschwärmen verschont, entsprechend sind sie auch nicht auf eine solche Plage vorbereitet.

Was kann man gegen die Heuschrecken unternehmen?

Auch in Kenia waren die Behörden zu Beginn etwas hilflos. Sie empfahlen den Bürgern, die Heuschrecken zu erschrecken – etwa mittels Lärm. Auch wurde die Polizei dazu angewiesen, mit Schüssen und Tränengas gegen die Insekten vorzugehen. Inzwischen werden aus Flugzeugen Pestizide ausgebracht. Das ist die einzige Möglichkeit, die Tiere effizient zu vernichten. Laut den Behörden ist alles unter Kontrolle – aber das sagen die Behörden grundsätzlich ja gerne.

Hunderte Millionen Tiere pro Schwarm

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Hunderte Millionen Tiere pro Schwarm

Als Wanderheuschrecken werden die Ostafrika heimsuchenden Arten Insekten bezeichnet, die zur Familie der Feldheuschrecken gehören. Ein einziger solcher Flugheuschreckenschwarm kann aus Hunderten Millionen Tieren bestehen. Eine Wanderheuschrecke frisst pro Tag in etwa soviel Pflanzen, wie sie selber wiegt. Das können dann gut einmal bis zu 1500 Tonnen Pflanzen pro Tag sein, die ein ganzer Schwarm vertilgt.

Die Heuschrecken zerstören ganze Landstriche und fressen die Felder kahl. Erhalten die Bauern Unterstützung vom Staat?

Nein. Viele Menschen im trockenen Norden Kenias leben von der Tierhaltung – sie ziehen mit Ziegen und Kühen herum. Wenn nun ganze Landstriche leer gefressen sind, müssen sie ihre Herden viel weiter herumführen, was zu Konflikten mit anderen Bevölkerungsgruppen führen kann. Ob durch die Heuschrecken auch die Getreideernte gefährdet ist, ist derzeit noch unklar.

Schuld an der Ausbreitung der Schwärme ist das Klima.

Wieso ist es gerade jetzt zur schlimmsten Heuschreckenepidemie seit Jahrzehnten gekommen?

Schuld ist das Klima: Seit Monaten herrscht in Ostafrika eine aussergewöhnliche Wetterlage. Im südöstlichen Afrika ist es sehr trocken, weiter im Norden – auch hier in Kenia – dagegen dauerte die Regenzeit ungewöhnlich lange. Die Heuschrecken lieben feuchte, sandige Böden, um dort ihre Eier abzulegen. Das tun die Insekten alle drei Monate, wobei sich ihre Anzahl dann jeweils verzwanzigfacht. Gerade jetzt passiert das wieder in Kenia.

Steht das Schlimmste Kenia also noch bevor?

Das ist schwer zu sagen. Tatsächlich schreibt die WHO von einer «noch nie dagewesenen Bedrohung», während die Behörden behaupten, die Lage unter Kontrolle zu haben. Ob der Pestizideinsatz gegen die Heuschrecken tatsächlich ausreicht, wird in rund einem Monat sichtbar, wenn die Nachkommen schlüpfen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

srf/snep;brut

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Bevor hier noch weitere unpassende Kommentare platziert werden: SRF hat das Wort "Klima" weder im Titel noch in der Beschreibung des Problems noch in der Fragestellung erwähnt; SRF-Korrespondent Burri spricht sogar zuerst explizit von einer "seit Monaten anhaltenden spezielle Wetterlage in Ostafrika". Dass er das Wort "Klima" in einer einzigen Antwort einsetzt, ist wohl eher der Einfachheit geschuldet. Auch wir benutzen aus demselben Grund dieses Wort in der Umgangssprache.
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  • Kommentar von Lukas Imboden  (luk91)
    "Schuld ist das Klima"
    Bedeutung des Wortes Klima: Auswertung von Wetterdaten über mind. 10 Jahre.
    Also wenn es in diesem Jahr speziell ist, hat dies nichts mit Klima zu tun sondern mit speziellen Wetterlagen.
    Klima ist nicht eine Universalerklärung für spezielle und extreme Wetterereignisse. Nur eine Häufung solcher lassen sich aufs Klima beziehen.
    Hauschreckenschwärme gibt es seit Jahrtausenden, wie auch Busch und Waldbrände.
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  • Kommentar von Rolf Wysshaar  (Seeländer)
    Jetzt wirds wirklich lächerlich bei SRF. Heuschreckenplagen gibts seit Jahrtausenden und haben nun wirklich nichts mit Klimawandel zu tun. Ich halte zwar nichts von diesem Buch, steht aber auch schon in der Bibel. Wenn wettermässig alles zusammenpasst, gibts hier auch mal eine Mückenplage. Ist aber eben nicht Klima. Ist in der Natur normal, gute Bedigungen (Nahrung, feucht,trocken,heiss,kalt) = viele Tiere. Schlechte Bedingungen (Mensch, Pestizide, Wetter) = wenig Tiere... und immer weniger.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Vom Klimawandel hat hier niemand gesprochen.
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