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Serie «Schöni neui Welt» Teil 8: Kryptowährungen im Alltagstest
Aus Espresso vom 16.08.2019.
abspielen. Laufzeit 09:45 Minuten.
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Kryptowährungen im Alltagstest Mit Bitcoin bezahlen ist nichts für schwache Nerven

  • Kryptowährungen gibt es seit rund zehn Jahren, die bekannteste dieser Währungen ist der Bitcoin.
  • Es gibt noch immer kaum Gelegenheiten, solches Geld im Alltag einzusetzen – lediglich einzelne Online-Shops oder Restaurants akzeptieren Kryptowährungen.
  • Bereits beim Einzahlen von Geld auf ein Bitcoin-Konto sind happige Gebühren fällig, fast noch mehr beim Zahlungsverkehr.
  • Im Selbstversuch scheitert der «Espresso»-Reporter am Bezahlen in einem Café. Beim Online-Shopping erlebt er einige Schreckmomente.

Vor rund zehn Jahren entstand der Bitcoin, die erste Kryptowährung der Welt. Die Idee: Statt von einer Bank zentral verwaltet zu werden, werden Kryptowährungen dezentral von einem Netz von Computern abgewickelt und Konten kryptographisch mit ellenlangen Zahlenreihen verschlüsselt. Das Prinzip ist für Laien schwer nachvollziehbar.

So ging es lange Zeit auch SRF-Digitalredaktor Peter Buchmann, wie er dem Autor erzählt. Doch als er vor drei Jahren den ersten Beitrag über Bitcoin realisierte, habe es ihn gepackt. Sinn würden Kryptowährungen aber vor allem in Ländern machen, in denen das auf Banken angelegte Geld weniger sicher ist als in der Schweiz.

«Einen praktischen Nutzen gibt es nicht»

Peter Buchmann sagt vor meinem Selbstversuch: «Einen praktischen Nutzen haben Kryptowährungen für den allergrössten Teil der Leute nicht.» Das Erstellen eines Bitcoin-Kontos auf dem Smartphone geht jedenfalls noch reibungslos vor sich: Nach fünf Minuten besitze ich ein Konto in einer sogenannten Wallet, einer App für Kryptowährungen.

SBB-Automaten sind auch Bitcoin-Automaten

Geld auf das Konto zu überweisen gehe am besten am Bahnhof, erklärt Peter Buchmann. Seit letztem Jahr sind alle SBB-Automaten auch Bitcoin-Automaten. Ich scanne den QR-Code auf meinem Handy-Bildschirm und erhalte per SMS einen Code, bevor ich Geld einzahle. Die Gebühren sind beachtlich: Von den eingezahlten 250 Franken werden am Automaten 15 Franken abgezogen.

235 Franken entsprechen rund 0.01835 Bitcoin. Zu diesem Zeitpunkt war ein Bitcoin rund 12'000 Franken wert. Was nun? «Gute Frage!», lacht Peter Buchmann. Am einfachsten wäre es, wieder Kryptowährungen zu kaufen. Wir möchten das Geld jedoch im Alltag testen. «Hier sind die Möglichkeiten beschränkt. Es gibt einzelne Läden und Kaffees, die Bitcoins akzeptieren», erklärt Peter Buchmann. Zudem gebe es einzelne Online-Shops.

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Beim Kaffee will das Bezahlen nicht klappen

Wir versuchen unser Glück in einem Café in Zürich. Mein Smartphone erkennt den QR-Code an der Kasse aber nicht. Peter Buchmann muss mit seinem Handy einspringen und es klappt. Er zahlt jedoch knapp zwei Franken Gebühren für zwei Kaffees. «Je schneller die Transaktion laufen soll, desto mehr kostet sie», sagt Peter Buchmann.

Schreckmoment beim Online-Bestellen

Danach bestellen wir etwas bei Galaxus, einem Online-Händler, der Kryptowährungen akzeptiert. Der Zahlungsprozess verläuft reibungslos, doch am Schluss erscheint eine Fehlermeldung. Ich bin verwirrt – hat es nun geklappt oder nicht? Erst später schreibt Galaxus, die Zahlung sei eingetroffen. Ich atme auf. Allerdings sind erneut knapp 20 Franken Gebühren fällig.

Das Netzwerk von Bitcoin sei technisch zurzeit noch nicht fürs Bezahlen ausgelegt, bilanziert Peter Buchmann. Auch die grossen Währungsschwankungen und die Gebühren würden die Systeme für den Alltag ungeeignet machen. Das könnte sich jedoch in Zukunft bessern. Ob Kryptowährungen je die breite Masse ansprechen werden, ist jedoch fraglich.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Das "böse Erwachen wird früher oder später noch kommen"! Der einzig sichere und bleibende Wert ist der SFR, Gold und Diamanten"!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Jawohl, dass versuchen sie ihren nächsten Lebensmitteleinkauf mit Gold oder Diamanten zu bezahlen.
  • Kommentar von Urs Heim  (Ursus)
    Um die Kryptowährungen weht immer der Hauch der undurchsichtige Geschäfte, der Möglichkeit einer virtuellen Geldwaschmaschiene. Vermutlich war dies die Grundidee dieses nicht ganz rückverfolgbaren/ unsichtbaren Geldes. Für den Kauf eines Espressos nimmt man lieber Bares, gerade weil es altmodisch ist.
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    1. Antwort von M. Keller  (mkel)
      Jede Transaktion im Bitcoin Netzwerk ist öffentlich einsehbar. Für den Kauf von Kaffee eignen sich Bitcoins aber definitiv nicht, da gebe ich ihnen Recht. Der Test, der hier gemacht wurde, ist sinnlos, da Bitcoin nicht dafür gedacht ist. Das sind nur Spielereien und Marketing Aktionen dieser Geschäfte, die auf den Hype aufspringen wollten.
  • Kommentar von Christian Lanter  (Hitsch69)
    Bitcoin muss man als Wertspeicher wie Gold sehen. Mit Gold kann man im Alltag auch nicht bezahlen. Meine persönliche Meinung ist, dass sich dieser dezentrale Wertspeicher aus vielen Gründen in Zukunft bewähren wird. Die "Bezahlung" für das Produzieren von Bitcoin wird im Mai 2020 halbiert, und mit 21 Mio. Bitcoin dann endgültig ist Schluss. Es können keine weiteren Coins mehr produziert werden. Ich habe mal etwas investiert, lasse es ein paar Jahre liegen und schaue was passiert.
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    1. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      Und wenn die 21 Mio erreicht sind, folgt der unausweichlich der Kursabsturz. Eine Währung, die sich nicht weiter vermehren lässt, ist wertlos. Ein Hype mit dem Potenzial, umgerechnet 143 Mrd. zu vernichten. Ganz toll.
    2. Antwort von Beno Trütsch  (benotruetsch)
      @W. Pip: Gold lässt sich auch nicht beliebig vermehren und trotzdem hat es seit Jahrtausenden einen Wert. Mit Währungssysteme, die eine fixer Geldmenge haben, lässt sich keine Geldpolitik machen, was sowohl Vor- wie auch Nachteile sein kann. Gute Geldpolitik kann eine Währung stabilisieren und sie durch Krisen manövrieren. Schlechte Geldpolitik hat aber schon viele Währungen ruiniert. Die Weltgeschichte ist voller Beispiele von schlechter Geldpolitik und nur eine Hand voll positiven Beispielen.
    3. Antwort von M. Keller  (mkel)
      @Pip: Wenn keine neuen Bitcoins mehr generiert werden können, wird das Gut knapper und somit steigen die Preise tendenziell an, vorausgesetzt, das Interesse an Kryptowährungen bleibt hoch. Ein Kursabsturz ist nur dann zu erwarten, wenn das Interesse verloren geht. Geldpolitik funktioniert gleichermassen: Soll der Wert des Geldes steigen, wird weniger rausgegeben (Angebot verknappen), soll er sinken, wird mehr Geld gedruckt (Angebot vergrössern).