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Die Felder verwandelten sich innert Wochen in ein Feuchtgebiet
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 31.08.2021.
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Neuer See im Berner Seeland Hochwasser machte aus Gemüsefeldern ein Paradies für Zugvögel

Mit dem Dauerregen im Sommer entstand auf Feldern im bernischen Kallnach ein See. Zur Freude der Zugvögel und Vogelfans.

In der Schweiz wird nirgends so viel Gemüse angebaut wie im Grossen Moos. Im Gebiet zwischen dem Neuenburger-, Murten- und Bielersee kämpfen die Bäuerinnen und Bauern immer wieder mit Überschwemmungen. Nach dem Dauerregen diesen Sommer ist die Situation jedoch so prekär wie schon lange nicht mehr. Die missliche Lage für die Landwirtschaft ist gleichzeitig ein Glücksfall für die Vogelwelt.

Neues Vogelparadies
Legende: Neues Vogelparadies Im neu entstandenen See in Kallnach tummeln sich diverse Zugvögel. Hier drei Bekassine und ein Bruchwasserläufer. zvg

Eine Ansammlung so vieler Zugvögel sei in der Schweiz sehr selten, sagt Lucas Lombardo von Birdlife Schweiz: «Der Standort hier in Kallnach ist für Zugvögel interessant, weil er zwischen den drei Seen liegt.» Der neue See biete sich nun gut an, dass sich die Vögel auf ihrem Weg nach Afrika noch einmal stärken, bevor sie die Alpen überfliegen.

Fans aus ganzer Schweiz pilgern nach Kallnach

Der neue Hotspot hat sich nicht nur unter den Zugvögeln rumgesprochen. Auch Hobbyornithologen pilgern in Scharen an den See auf den Feldern. Täglich stehen Vogelfans mit Feldstecher und Fernrohr auf dem Feldweg und beobachten die Zugvögel, welche in dieser Anzahl normalerweise nur am Wattenmeer an der Nordsee zu sehen sind.

Legende: Das Vogelparadies zieht auch viele Ornithologinnen und Ornithologen zvg

An den Wochenenden sei der Andrang besonders gross, sagt Urs Köhli, Gemeindepräsident von Kallnach: «An einem Sonntag stand hier eine ganze Kolone von Autos aus der ganzen Deutschschweiz, aber auch aus der Romandie.»

Die Natur hat sich schnell an die neuen Gegebenheiten angepasst
Legende: Die Natur hat sich schnell an die neuen Gegebenheiten angepasst Dort wo eigentlich Weizen angesät wurde, wächst jetzt Schilf. «Es gibt zum Beispiel auch schon Libellen wie die Frühe Heidelibelle, welche genau solche neu entstandene Flächen schätzt», sagt Lucas Lombardo. zvg

Dass die Felder im Grossen Moos überschwemmt werden, ist für die Landwirte nichts Neues. Das Grosse Moos wurde mit der ersten Juragewässerkorrektion vor rund 150 Jahren trocken gelegt. Je nach Witterung gibt es in der ehemaligen Moorlandschaft immer wieder kleinere Pfützen. Diese verschwinden aber normalerweise nach kurzer Zeit wieder.

Es ist offensichtlich, dass die Situation Frust verursacht.
Autor: Urs Köhli Gemeindepräsident Kallnach

Der Unterschied zur jetzigen Situation sei, dass die Überschwemmung nun schon seit Monaten anhalte, sagt Gemeindepräsident Köhli. Für die Bauern bedeutet das einen Totalausfall der Ernte. Der Pächter des überschwemmten Landes wollte nicht öffentlich Stellung nehmen. Köhli sagt dazu: «Ich kann nicht für die betroffenen Bauern reden. Aber es ist offensichtlich, dass die Situation Frust verursacht.» Denn bereits Ende Juni hatte im Grossen Moos ein Hagelsturm zu massiven Ernteausfällen geführt.

Legende: Auch Steinwälzer machen auf ihrem Weg in den Süden einen Zwischenstopp bei der neuen Seelandschaft in Kallnach. zvg

Genau solche Flächen, auf denen sich Zugvögel wohlfühlen, bräuchte es in der Schweiz noch viel mehr, sagt Lucas Lombardo von Birdlife Schweiz: «Man muss klar sagen, dass es solche Flächen wieder braucht.» In den vergangenen zehn Jahren seien viele Landwirtschaftsflächen mit Drainagen versehen worden, um die Felder zu entwässern. Für Zugvögel würden so immer weniger geeignete Orte übrig bleiben, so der Ornithologe.

SRF1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 31.08.2021, 17:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Alfred Reist  (Fredi)
    Auf den Bildern sieht man gut, wie die Naturschützer pilgern: mit dem Auto !!!
    Das nennt man Naturschutz ???
    1. Antwort von Walter Strittmatter  (WalterStrittmatter)
      Ich lese im Artikel von Hobbyornithologen und Vogelfans, die dorthin fahren. Ihre ‘Naturschützer‘ sind demnach reine Spekulation und dienen wohl der Diffamierung von Menschen, die sich um unsere Umwelt sorgen. Abgesehen davon hat mich die Autokolonne auch gestört, aber wie gesagt der Hobbyornithologen und Vogelfans.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Das ist hoffentlich nur für diese Zugvogelperiode
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Frustration für die betroffenen Landwirte, ist absolut nachvollziehbar.
    Da Landwirtschaft aber weiterhin in der NATUR stattfindet, muss sich die Landwirtschaft an die steten Veränderungen anpassen wie eh und je!
    Verantwortungs- und Sinnvollerweise "im Einklang mit Natur und Tier" - nachhaltig öko-logisch mit entsprechendem Mischkultur-Anbau.
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Danke, Frau Casagrande für Ihre weisen, sich in den Grundzügen stets wiederholenden Worte.
      Wie konkret sähe denn eine «Mischkultur» im genannten Überschwemmungsgebiet aus? Der Anbau von Reis ist ja in hiesigen Breiten noch nicht so üblich?
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Weitgehend einverstanden, Frau Casagrande; der Bauer muss sich der Natur anpassen, wir anderen auch, aber m.E. müssten die Abnehmer der Ernten und die Endkunden finanziell deutlich mittragen.
    3. Antwort von pierre burgener  (pierre.burgener@bluewin.ch)
      ja, eine familie aus môtier produziert den hervorragenden "riz du vully" !