Zum Inhalt springen

Panorama Papst verurteilt Terror und Extremismus

Schwer bewacht von Sicherheitskräften hat der Pontifex am Karfreitagabend den traditionellen Kreuzweg in Rom geleitet. Während der Zeremonie prangerte das Kirchenoberhaupt auch Terrorismus und die Gleichgültigkeit gegenüber den Leiden von Flüchtlingen an.

Der Papst vor einem Kreuz Christi
Legende: Der Papst bei der Zeremonie zur Kreuzanbetung im Petersdom Keystone

Am Karfreitagabend hat Papst Franziskus den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom geleitet. An der abendlichen Zeremonie mit dem Pontifex vor Roms Wahrzeichen beteiligten sich zehntausende Gläubige, Pilger und Touristen.

Legende: Video SRF mySchool: Gewalt und Religion - eine unheilige Allianz abspielen. Laufzeit 35:18 Minuten.
Aus SRF mySchool vom 15.03.2016.

Der Papst prangerte während der Zeremonie jede Form von Extremismus, blutige Terrorakte und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden von Flüchtlingen an. Er verurteilte auch Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche scharf. Priester, die sich an Kindern vergingen, raubten «Unschuldigen ihre Würde», sagte das Kirchenoberhaupt vor zehntausenden Gläubigen zum Abschluss des Kreuzweges im Kolosseum.

«Die den Namen Gottes schänden»

«O Kreuz Christi, wir sehen dich auch heute noch in den Fundamentalismen und im Terrorismus von Anhängern mancher Religionen, die den Namen Gottes schänden und ihn dazu benutzen, ihre unerhörte Gewalt zu rechtfertigen», sagte Franziskus am Ende der 14 Stationen des Kreuzweges, die mit Hunderten Kerzen beleuchtet waren.

Wie bereits am Gründonnerstag bei der Fusswaschung, die der 79-Jährige in diesem Jahr bei Flüchtlingen vorgenommen hatte, verurteilte er erneut die Waffenhändler, «die den Glutofen der Kriege mit dem unschuldigen Blut der Brüder und Schwestern beschicken».

Ob Muslime, Hindus, Katholiken oder Kopten: Wir sind alle Brüder, wir sind alle Kinder desselben Gottes
Autor: Papst Franziskus

Gleichzeitig mahnte Franziskus am Karfreitag an, dem derzeitigen Flüchtlingsdrama nicht gleichgültig und gefühlskalt gegenüberzustehen. Das Mittelmeer und die Ägäis seien «zu einem unersättlichen Friedhof geworden, ein Bild unseres abgestumpften und betäubten Gewissens», sagte der Argentinier. Die Gläubigen applaudierten dem Papst und riefen: «Viva il papa!» - Es lebe der Papst.

Legende: Video Osterfeiern in Rom: Härtetest für Sicherheitskräfte abspielen. Laufzeit 01:59 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 25.03.2016.

Am Gründonnerstag hatte der Papst bei der Fusswaschung der Flüchtlinge erklärt: «Ob Muslime, Hindus, Katholiken oder Kopten: Wir sind alle Brüder, wir sind alle Kinder desselben Gottes». Auch dabei erinnerte er an die Terroranschläge von Brüssel.

Anti-Terror-Einheiten im Einsatz

Schärfste Sicherheitsvorkehrungen waren im Hinblick auf den Kreuzweg in Rom ergriffen worden. Anti-Terror-Einheiten und Spezialkräfte der Polizei überwachten die Veranstaltung. Das Gelände rund um das Kolosseum, an dem die «Via Crucis» traditionell stattfindet, wurde weiträumig abgesperrt und mit Metalldetektoren ausgestattet.

Der Papst betete vor dem antiken Amphitheater im Schein von unzähligen Kerzen und Fackeln. Er folgte der Zeremonie von einem Pavillon auf einer erhöhten Terrasse gegenüber dem erleuchteten Kolosseum. Von dort aus verfolgte er den Kreuzweg. Kardinalvikar Agostino Vallini, Stellvertreter des Papstes in der Diözese Rom, trug zu Beginn der Zeremonie das schlichte, schwarze Holzkreuz.

Königlicher Besuch aus Belgien

Die Texte für die 14 Kreuzweg-Meditationen stammten aus der Feder des italienischen Kardinals Gualtiero Bassetti, Erzbischof von Perugia. Christen aus fast allen Kontinenten trugen bei der Feier das symbolische Holzkreuz. Ausserdem wurden dazu Vertreter einer italienischen Pilger-Hilfsorganisation, einer Bildungseinrichtung für arbeitslose Jugendliche und Franziskaner aus dem Heiligen Land ausgewählt.

An dem Kreuzweg beteiligten sich auch Belgiens Ex-König Albert II. und seine Frau Paola. Die beiden begrüssten den Papst, den sie bereits zur Eröffnung des Heiligen Jahres am 8. Dezember getroffen hatten. Sie reisten drei Tage nach den Anschlägen in Brüssel in die Ewige Stadt.

Gottesdienst im Petersdom

Vor Beginn des Kreuzwegs hatte der Papst mit einem Gottesdienst im Petersdom des Leidens und Sterbens Jesu gedacht.

Weitere Höhepunkte der Kar- und Ostertage im Vatikan sind am Sonntagvormittag die Ostermesse des Papstes auf dem Petersplatz (10.30 Uhr) und um die Mittagszeit der feierliche Segen «Urbi et orbi».

Starkes Polizeiaufgebot auch in Jerusalem

Tausende Christen hatten am Freitag in Jerusalem in einer traditionellen Prozession an die biblischen Ereignisse zum Karfreitag erinnert. Gruppen aus aller Welt trugen Holzkreuze über die Via Dolorosa, die vor 2000 Jahren der Leidensweg Jesu Christi gewesen sein soll.

Die Prozession durch die Altstadt zur Grabeskirche wurde von einem starken Aufgebot von teils schwer bewaffneten Sicherheitskräften begleitet. Etwa 54 Prozent der Touristen um die Ostertage sind Christen, wie das israelische Tourismusministerium mitteilte.

Kreuzweg auf Abruf

Die abendliche Zeremonie in Italiens Hauptstadt kann über die Internetseiten des Vatikan nochmals nachverfolgt werden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bernhard Bizer (Avidya)
    Der Papst hat zu aktuellen Themen klar Stellung bezogen. Im Gegensatz zu anderen "Kirchenfürsten" der islamischen, orthodoxen, jüdischen, hinduistischen Glaubensrichtungen benennt er die Missstände in unserer Gesellschaft und verurteilt sie. Wer da noch reklamiert, dass er bei seiner Ansprache die "Schwestern" nicht erwähnt (dafür sagt er aber gleichzeitig, Gottes Kinder) der will dem Papst den Sinn fürs wesentliche absprechen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Heute Morgen wurde auf surf 1 über den immensen Reichtum des Vatikans gesprochen. Bei diesen Zahlen, die - gesamtkirchlich - bis in die Billionen reichen, wurde einem fast schwindlig. Es hiess, der Vatikan könnte wohl einige der prunkvollen Paläste verkaufen. Jawohl! Der barmherzige Pontifex müsste nur mit dem guten Bespiel vorangehen, das Ok geben und das viele viele Geld aus dem Erlös für die armen Flüchtlinge verwenden, statt ständig über die "bösen" Europäer zu donnerwettern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Ja schoene Worte kosten halt weniger als gute Taten.. wo waere die Welt sonst> es braeuchte weder Linke noch Rechte.. sondern nur noch Mitmenschen...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Etwas vermisse ich schon:; Franziskus erwähnte nur die "Brüder", Sind in seinen Augen die Frauen nicht auch Kinder Gottes?????
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Nein, wie kann eine Frau ein Kind Gottes sein... sie hat ja hoechstens JESUS CHRISTUS das Leben geschenkt..... JA eben.. so verquer ist Religion... meine liebe Schwester!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen