Zum Inhalt springen
Inhalt

Prozess gegen «El Chapo» «Jede Verhaftung führt zu mehr Gewalt»

Legende: Audio Mexikaner hoffen auf Lösung des Drogenproblems abspielen. Laufzeit 04:27 Minuten.
04:27 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.11.2018.

Ex-Drogenboss Joaquín Guzmán, genannt «El Chapo», steht in New York vor Gericht. Vor der Auslieferung an die USA brach er zweimal aus mexikanischen Hochsicherheitstrakten aus. Seine Verbindungen in die Unterwelt machen ihn bis heute gefährlich. In seiner Heimat Mexiko verfolge man den Prozess zwar, so die Journalistin Sandra Weiss. Doch die Aufmerksamkeit richte sich vor allem auf die neue Regierung und deren Pläne, den Drogenkrieg zu beenden.

Sandra Weiss

Sandra Weiss

Journalistin in Mexiko

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die gebürtige Deutsche lebt und arbeitet seit 1999 als Journalistin in Lateinamerika. Sie berichtet von dort aus für diverse deutschsprachige Medien.

SRF News: Was erwartet man in Mexiko von dem Prozess gegen den Drogenboss Joaquín Guzmán in New York?

Sandra Weiss: Mexiko ist sehr gespannt, ob bei dem Prozess pikante Details über die Verstrickungen zwischen Politik, Sicherheitskräften und Drogenhandel ans Licht kommen. Bislang sieht es allerdings nicht so aus, weil die Anwälte Guzmáns nicht – wie sonst fast schon üblich – mit der US-Justiz eine Kronzeugenregelung ausgehandelt haben. Sie stellen Guzmán nach wie vor als sehr kleine Nummer im ganzen Drogengeschäft dar und wollen damit versuchen, die Strafe möglichst gering zu halten.

Das Sinaloa-Kartell, dessen Anführer Guzmán angeblich war, ist in Mexiko weiterhin eine der gefährlichsten kriminellen Organisationen. Das heisst, das Kartell operiert auch ohne Guzmán im gleichen Umfang weiter?

Ja, denn Guzmán war sowieso nur einer von zwei Anführern. Der zweite, Mayo Zambada, inzwischen schon im Rentenalter, ist immer noch aktiv und auf freiem Fuss. Aber das Kartell an sich ist durchaus geschwächt, vor allem durch interne Nachfolgekriege, die die Söhne Guzmáns mit anderen Teilen der Familie ausfechten. Auch der Aufstieg anderer Gruppen, wie etwa der des Kartells Jalisco Nueva Generación, setzen dem Sinaloa-Kartell zu.

Die Mexikaner leiden unter dem Drogenkrieg und unter der immensen Gewaltspirale, die er ausgelöst hat.

In der Regel ist es so: Jede Verhaftung eines Capos führt zu mehr Gewalt. Die Macht wird innerhalb des Kartells neu verteilt und es wird um wichtige Drogen-Umschlagplätze gekämpft.

Wird der Prozess von der mexikanischen Öffentlichkeit mitverfolgt?

Ja, aber er steht nicht im Zentrum des Interesses. Die Berichterstattung darüber findet eher auf den vermischten Seiten statt. Sowieso wird er nur noch in seinem Heimatdorf als Held gesehen, weil er dort sehr viel in Infrastruktur und in Soziales investiert hat, und weil dort im Prinzip eigentlich alle vom Drogenhandel und vom Kartell leben. Ansonsten leiden die Mexikaner unter dem Drogenkrieg und unter der immensen Gewaltspirale, die er ausgelöst hat. Und sie fordern von ihren Politikern Lösungen. Darum sind nun alle sehr gespannt auf die neue linke Regierung.

Wird sich mit dem anstehenden Regierungswechsel etwas ändern?

Der angehende Präsident Andrés Manuel López Obrador hat versprochen, dass er Mexiko den Frieden zurückbringt. Aber bisher hat er nicht gesagt, wie genau das passieren soll. Es ist ein sehr komplexes Problem. Es fängt bei der Stärkung des Rechtsstaates an, geht über die Sozialpolitik bis zur Schaffung von Bildungs- und Arbeitsplätzen für Jugendliche. Das ist gar nicht so einfach, aber immerhin ist das Bewusstsein dafür da.

Das Gespräch führte Antonia Moser.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Wer hier jetzt behauptet, dass einzig die Legalisierung von Drogen das Problem löst, ist reichlich naiv. Die Kartelle würden ihre anderen lukrativen Einnahmequellen wieder anheizen: Prostitution, Menschenhandel, Erpressung, Cybercrime, Waffenhandel, uvm. Diese Geschwüre der Menschheit wird kein Politiker, auch kein linker, entfernen können, weil die Verfilzung mit dem Staat schon viel zu weit fortgeschritten ist. Siehe Mafia in Italien.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Mike Hauser (Mike Hauser)
    Die grösste Kriminellen Organisation ist immer noch die Republikanische Partei der USA (Noam Chomsky) - den Chapo würde ich gerne zu mir nach HAuse nehmen, zum offenen Strafvollzug.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Wären die Typen schlauer geweswn,hätten sie einen Fussballverband gegründet. Da bleibt man,wenn man nicht saudumm ist,straffrei.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen