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Hurrikan in den USA: Was Sturmjäger daran so fasziniert
Aus News Plus vom 30.08.2021.
abspielen. Laufzeit 17:36 Minuten.
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Schweizer jagt Stürmen nach Im Auge des Sturms – ein «Storm Chaser» erzählt

Stürme, vor denen andere fliehen, ziehen ihn magisch an: Dominic Blaser über die Faszination «Storm Chasing».

Die Hurrikan-Saison in den USA erlebt ihren vorläufigen Höhepunkt – und während viele Menschen im südlichen US-Bundesstaat Louisiana vor «Ida» flüchteten, machten sich andere auf den Weg ins Unwettergebiet. So etwa der amerikanische Meteorologe und Sturmjäger Reed Timmer:  

Wenn Sie sich jemals gefragt haben, wie es sich anfühlt, einem Hurrikan ausgesetzt zu sein – hier die etwas ernüchternde Antwort eines der bekanntesten Schweizer «Storm Chaser»: «Es ist sehr unangenehm, ich selber möchte das gar nicht miterleben», sagt Dominic Blaser. Peitschender Regen, null Sicht und Windböen, die regelrecht auf einen einprügeln: So beschreibt der Lehrer und Hobby-Meteorologe das Gefühl, in einen Hurrikan zu geraten.

Sobald das berühmte Auge des Sturms über einem liege, verändere sich das Bild. «Plötzlich kann sogar die Sonne wieder scheinen, Vögel zwitschern, es ist windstill. Und dann dreht es wieder – einfach aus der anderen Richtung.»

Legende: Hurrikan «Ida» von der Raumstation ISS betrachtet. Das «Mittendrin-Gefühl» ist weniger atmosphärisch. Keystone

Blasers Schilderung zeigt: Die Faszination «Stürme jagen» lebt. Trotz aller Gefahren, denen man sich unweigerlich aussetzt. Er reist regelmässig zur Tornado-Saison im Mai in die Staaten, um mit Gleichgesinnten den Stürmen hinterherzujagen. «Wir suchen die Superzellen auf, aus denen Tornados entstehen können. Wenn wir einen sehen, geben wir auch gleich eine Warnmeldung ab.»

Warum «Hurrikanes» so verheerend sein können

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Einem Hurrikan wie «Ida», der inzwischen zu einem Tropensturm herabgestuft worden ist, nachzujagen, wäre nichts für Blaser: In den USA ist er Tornados auf den Fersen. Die kleinräumigen Luftwirbel können sich etwa in den Weiten des Mittleren Westens auftürmen. Hurrikanes dagegen sind riesige meteorologische Gebilde, die sich primär über dem Atlantik bilden und oft Richtung der US-Südküste ziehen.

«Das Problem dabei sind nicht nur die Winde, sondern die Wassermassen, die vom Meer angehoben werden und über Land gehen können», sagt Blaser. Dazu kommen sintflutartige Niederschläge. «In New Orleans kam jetzt gerade die halbe Niederschlagsmenge eines durchschnittlichen Jahres im Mittelland herunter.»

Meteorologen seien angewiesen auf Meldungen über direkte Sichtungen von Tornados. Denn über Radar- und Niederschlagsbilder liessen sich die Stürme nur erahnen. «Die Bestätigung kommt oft von den Sturmjägern am Boden.»

Legende: Schaurig schön: Die Faszination des Schweizer «Storm Chasers» für das Wetterphänomen lässt sich angesichts solcher Bilder durchaus verstehen. Reuters

Doch was treibt den 49-Jährigen aus Sugiez im Kanton Freiburg dazu, mit Stativ und Kamera in das amerikanische Hinterland zu ziehen, wenn sich andere verbarrikadieren? Der Nervenkitzel, eine der heftigsten Naturgewalten auf unserem Planeten hautnah erleben zu können?

«Ja, man sieht an diesen Stürmen die Kraft der Natur», erzählt Blaser. «Gleichzeitig möchte ich auch ihre Schönheit sehen: ein Sturm im Zusammenspiel mit der Landschaft. Ich sehe nicht einfach die Zerstörung, sondern farbliche Kontraste.»

Das kann ein Blitz sein, der die dramatische Szenerie plötzlich erhellt. Oder die berühmte Ruhe vor dem Sturm, das Unheil, das sich am Horizont ankündigt, während im Hier und Jetzt eine sonderbare Stille heraufzieht.

Doch hat es nicht auch etwas Voyeuristisches, Stürmen hinterherzujagen, die eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, Existenzen ruinieren und oft auch Menschenleben kosten? Auch den studierten Physiker und Astronomen belasten solche Bilder. «Mich fasziniert die Schönheit, zu sehen, wie eine Front ankommt und sich entlädt.»

Aber: Sobald ein Tornado auf eine Stadt zuzieht, stellt Blaser die «Jagd» ein. Aus Selbstschutz – in doppelter Hinsicht: «Zunächst weil es wegen des Verkehrs gefährlich ist. Aber dann sehe ich auch Dinge, die ich gar nicht sehen möchte.»

Info 3, 30.08.2021, 17 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Dominic Blaser  (PhysikerBE)
    Auch in Europa haben wir immer mehr dieses Phänomen eines grossen Wirbelsturms. Im Mittelmeer heissen diese Stürme Medicane. Vor einem Monat beobachtete man ein Gebilde über dem Schwarzen Meer. Auch in Europa gibt es Tornados. In Deutschland zum Beispiel zählt man 20-60 Tornados im Jahr, in der Schweiz ca. einen Tornado pro Jahr.
    http://www.sturmarchiv.ch/index.php?title=Tornados
    Augen auf und schauen!
  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Ein Sturm Romantiker für ein Phänomen, dass es in Europa nicht so gibt. Wo cares?