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Panorama Überschwemmungen und über 100'000 Blitze

Über die Schweiz und Süddeutschland sind in der Nacht auf Samstag schwere Unwetter hinweggezogen. Die Gewitter brachten vielerorts Hagel und Starkregen. Das Dorf Unterterzen wurde überflutet. In Muotathal (SZ) wird ein Mann vermisst, der von einem Fluss mitgerissen worden war.

In der Schweiz wurden seit Freitagnachmittag über 100'000 Blitze registriert, davon schlugen knapp 70'000 in den Boden ein. Laut SRF Meteo gingen von der Ost- über die Zentralschweiz bis in den Kanton Freiburg grosse Regenmengen nieder.

Knapp Knapp 50 Millimeter Niederschlag wurden im Raum Schaffhausen gemessen. Zwischen 45 und 47 Millimeter gab es in Attelwil AG, Huttwil BE, Oberiberg SZ, Egolzwil LU und Plaffeien FR. In Interlaken BE kam zwischen Freitagmorgen und Samstagabend mit 66,1 Millimetern fast die Hälfte des durchschnittlichen Juniregens zusammen. In Schaffhausen waren es mit 55,7 Millimeter sogar 60 Prozent des ganzen Juniniederschlages.

Mann wird vermisst

Bei Muotathal (SZ) kam es aufgrund des starken Niederschlags zu einem Murgang, worauf der Teufbach und die Starzelen über die Ufer traten. Ein 67-Jähriger aus der Region war in dem Gebiet mit seinem Auto unterwegs und wurde von den Wassermassen in die Muota geschwemmt, wie die Kantonspolizei Schwyz am Abend mitteilte. Dabei wurde er aus dem Fahrzeug gespült und mitgerissen.

Unterterzen überflutet

Die Einsatzkräfte leiteten rasch eine Suchaktion ein, konnten den Vermissten aber nicht finden. Die Suche soll in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

Insgesamt gingen bei der Kantonspolizei Schwyz Freitags zwischen 19.30 und 22.00 Uhr über 50 Meldungen ein aufgrund von über die Ufer tretenden Bächen sowie überfluteten Strassen und Kellern ein. Mehrere Feuerwehren standen im Einsatz. Die Strassen in Richtung Stalden/Pragelpass sowie jene ins Bisithal sind vorübergehend gesperrt.

Schwer von Unwettern getroffen wurde auch das Dorf Unterterzen am Walensee, das zur Gemeinde Quarten gehört. Nach heftigen Niederschlägen im St. Galler Oberland trat der Chammenbach über die Ufer, spülte Geröll ins Tal und überflutete das Dorf Unterterzen, wie die St. Galler Kantonspolizei am Abend mitteilte. Zudem kam es zu mehreren Erdrutschen, Personen kamen keine zu Schaden.

Auf dem Gemeindegebiet von Quarten schwollen sechs Bäche an. Die Einsatzkräfte waren am Samstag mit über 100 Personen daran, Schäden zu beheben. Am Freitagabend war erstmalig auch der Regionale Führungsstab Walensee einberufen worden. Der Bahnverkehr zwischen Mols und Murg (SG) musste wegen Überflutung des Bahntrasses eingestellt werden. Ebenso wurden die Strassen zwischen Mols und Murg sowie die Zufahrtsstrasse von Unterterzen nach Oberterzen für den Verkehr gesperrt.

Muttenzer Hauptstrasse erneut unter Wasser

Im Kanton Basel-Landschaft hielten am Samstagnachmittag starke Gewitter Polizei und Feuerwehren ebenfalls auf Trab. Bei den Einsatzkräften gingen zwischen 13.30 und 15.30 Uhr mehrere hundert Notrufe ein. Am stärksten betroffen waren die Gemeinden Laufen, Reinach, Muttenz, Pratteln und Gelterkinden. In Muttenz wurde erneut die Hauptstrasse von den Wassermengen überflutet.

Im Kanton Zürich kam es zu Sachschäden an Gebäuden, Autos und Strassen. Rund ein Dutzend umgestürzte Bäume oder Bauabschrankungen führten zu Verkehrsbehinderungen und beschädigten vier Autos und eine Liegenschaft.

Auf dem Zürichsee rissen sich drei Schiffe los und trieben auf dem See oder strandeten. Die Wassermassen spülten teilweise Geröll auf die Strassen oder überfluteten Unterführungen. Einige Strassenabschnitte mussten deshalb gesperrt werden. Die Ereignisse verteilten sich über das Kantonsgebiet.

Seeland besonders betroffen

Auch in den Kantonen Luzern und Bern musste die Feuerwehr häufig ausrücken. Mehrere Strassen wurden verschüttet. Die Feuerwehrleute waren etwa in Dagmersellen, Uffikon, Reiden, Luthern, Schötz, Willisau, Hämikon oder Müswangen im Einsatz gestanden.

Die heftigen Regenfälle machen auch dem Zentralschweizerischen Jodlerfest in Schüpfheim zu schaffen. Dort sind Parkplätze wegen des vielen Wassers unbenutzbar geworden. Die Organisatoren raten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

Im Kanton Bern war insbesondere das Seeland betroffen. Aus dieser Region erhielt die Polizei laut einer Mitteilung rund 90 Meldungen, vorab zu Wassereinbrüchen in Gebäude. Vom Thunersee und Brienzersee wurden rund 30 Unwetterschäden gemeldet. Auch Strassen wurden mit Geröll und Schlamm bedeckt. Die Hauptstrasse Interlaken-Thun musste zwischen Beatenbucht und Unterseen bis gegen 08.30 Uhr am Samstagmorgen gesperrt werden.

25 Verletzte: Southside Festival abgesagt

Auch Baden-Württemberg war erneut von schweren Niederschlägen betroffen. Beim «Southside Festival» mit Zehntausenden Musikfans gab es am Freitagabend 25 Verletzte. «Fünf von ihnen kamen ins Spital», sagte ein Sprecher der Polizei. Um was für Verletzungen es sich handelte, konnte er am Samstagmorgen nicht sagen.

Die Veranstaltung wurde daraufhin abgesagt. Die Sicherheit auf dem Gelände könne nicht mehr gewährleistet werden, teilten die Veranstalter mit. Die Besucher wurden aufgefordert, die Heimreise anzutreten.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Unwetter dieser Ausmasse traten in meiner Jugend eher selten auf. Deren Häufigkeit und Intensität scheinen mir, zumindest subjektiv, im Zunehmen begriffen. Ich will hier keine Klimaänderungsdebatte lostreten, sondern lediglich den Betroffen meine Empathie zu ihrem Unglück ausdrücken. PS. der Blitz in Bild 4/4 scheint mir keine direkte Fotografie desselben, sondern von einem Video „still frame“ am Bildschirm aufgenommen. Der helle Zeilenbalken deutet darauf hin. Weiter nicht wichtig :-)
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