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Fünf US-Expats im Portrait
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US-Expats in der Schweiz So blicken Expats in der Schweiz auf die US-Wahl

Am 3. November wählen die USA ihren nächsten Präsidenten. Auch Menschen in der Schweiz können an der Wahl teilnehmen: Rund 35'000 US-Amerikaner und Amerikanerinnen leben hier. Wie denken sie? Was sagen sie zur Lage ihrer Nation? Fünf Portraits.

Emilie Etesi (43), Innovation Coach und Entrepreneurin

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Legende: Emilie Etesi (43) Die Entrepreneurin lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Aarau. «Ich bin verliebt in die Stadt», sagt sie. SRF

Emilie Etesi kommt ursprünglich aus North Carolina, lebt aber seit über 10 Jahren in der Schweiz. Etesi arbeitete nach ihrem Studium 11 Jahre in Washington D.C. für die ESA und die NASA. Dort lernte sie ihren Mann, einen Schweizer aus dem Aargauer Seetal, kennen. Heute leben die beiden mit ihren zwei Kindern in Aarau und sind total in die Stadt verliebt.

Als Trump gewählt wurde, habe ich geweint. Es dauerte lange, bis ich das verdaut hatte.
Autor: Emilie EtesiUS-Expat

Weniger positive Gefühle hegt sie für Donald Trump. «Ich habe geweint, als ich erfuhr, dass er Präsident wurde», erzählt sie. «Es dauerte ein halbes Jahr, bis ich das verdaut hatte.» Das Beste, das sie von hier aus tun könne, sei, ihren Kids zu erklären, was in den USA gerade passiere, und warum es wichtig sei, zu wählen. Gestimmt hat Emeli Etesi für Joe Biden, obwohl sie gerne eine Alternative zu den zwei älteren, weissen Herren gehabt hätte. «Aber eine Welt, in der Trump wiedergewählt wird», sagt sie, «ist für mich einfach undenkbar.»

James Foley (53), Sales Manager

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Legende: James Foley (53) Der Sales Manager ist aktiv in der Genfer SVP. «Ich dachte: Wenn ich die Politik in meinem neuen Land verstehen will, muss ich daran teilhaben», sagt er. SRF

James Foley stammt aus New Orleans, Louisiana und lebt seit 2013 in der Genf. Seine Frau stammt ursprünglich aus Polen, seine Tochter wurde in St. Gallen geboren. Der 53-jährige Foley liebt amerikanische Autos und ist im lokalen Schiessverein. «Ich sehe viele Ähnlichkeiten zwischen der Schweiz und den USA», sagt er. «Das ist sehr angenehm.» Als Mitglied der SVP ist Foley auch politisch aktiv. Und er hat weiterhin eine starke Verbindung zu den USA.

Ich wähle Donald Trump aus dem einfachen Grund, dass die Demokraten kein Programm haben ausser gegen Trump zu sein.
Autor: James FoleyUS-Expat

Gewählt hat James Foley Donald Trump. «Aus dem einfachen Grund, dass die Demokraten kein Programm haben ausser gegen Trump zu sein.» Präsident Trump habe im Gegensatz zu Joe Biden durchaus etwas vorzuweisen, findet er: «Er hat keinen Krieg ausgelöst, er hat die Truppen nach Hause gebracht.» Die Presse in Europa zeichne ein weitaus schlechteres Bild von den USA, als es in Realität sei, sagt Foley. Zudem sei gerade die Zerrissenheit der USA nichts Neues. «Seit ich denken kann, hat immer eine Hälfte die Demokraten, die andere Hälfte die Republikaner gewählt.»

Aubrey Wagg (24), Klassenassistentin

US-Expat
Legende: Aubrey Wagg (24) Die 24-Jährige ist in Arizona aufgewachsen, hat aber eine Schweizer Mutter. Sie arbeitet als Klassenassistentin, engagiert sich freiwillig und schreibt Blogs. SRF

Aubrey Wagg stammt aus Sedona im Bundesstaat Arizona, hat aber Schweizer Wurzeln. Um diesen nachzuspüren, ist sie vor etwas mehr als einem Jahr in die Schweiz gezogen. Die 24-Jährige arbeitet als Klassenassistentin an einer internationalen Schule und lebt in Winterthur.

Ich möchte gar nicht daran denken, dass Donald Trump wiedergewählt wird
Autor: Aubrey WaggUS-Expat

Vor der Wahl Trumps 2016 war Wagg politisch nicht aktiv. Doch seither ist ihr Politik ein Anliegen. Sie engagiert sich als Volontärin für eine Auslandorganisation der Demokraten – eine Tätigkeit, die ihr grosse Freude macht. «Trump hat die Zerrissenheit der USA verstärkt, auch wenn sie schon vorher bestand», sagt Aubrey Wagg. Ihre Stimme hat sie Joe Biden und Kamal Harris gegeben. Dem Tag der Entscheidung blickt sie mit gemischten Gefühlen entgegen: «Ich freue mich, dass der Tag nun kommt. Aber es ist auch möglich, dass Trump wiedergewählt wird. Daran möchte ich gar nicht denken», sagt sie. «Eine schreckliche Vorstellung.»

Mark Damon Harvey (65), pensionierter Lehrer

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Legende: Mark Damon Harvey (65) Der pensionierte Lehrer wohnt seit 40 Jahren in der Schweiz und verfolgt die Aktualität aufmerksam. «Ich glaube, ich weiss einiges mehr darüber, was in den USA läuft, als der Durchschnittsamerikaner», sagt er. SRF

Der Kalifornier Mark Damon Harvey kam vor 40 Jahren in die Schweiz. Er ist Vater von drei erwachsenen Kindern, seit längerer Zeit geschieden, und arbeitete hier als Lehrer. Zuletzt in einem Untersuchungsgefängnis mit straffälligen Jugendlichen. Heute ist er pensioniert.

Die Lage in den USA ist ernst. Die unzufriedenen Menschen sprechen gerade sehr schnell von Gewalt.
Autor: Mark Damon HarveyUS-Expat

Die Ereignisse in den USA verfolgt Damon Harvey gespannt. «Die Leute, die unzufrieden sind, sprechen schnell über Gewalt», sagt er. «Die Lage ist ernst.» Ob er wählt, lässt er offen. «Das Wählen von hier aus wird einem beinahe verunmöglicht», sagt er. Man könnte fast meinen, dass das Absicht sei. «Und ob ausgerechnet meine Stimme entscheidend ist, daran zweifle ich.»

Katharina Wolff (68), pensionierte Graphikerin

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Legende: Katharina Wolff (68) Die Graphikerin hat seit 2014 den Schweizer Pass. Im Einbürgerungstest unterlief ihr nur einen Fehler. Schon während des Studiums in Basel fühlte sie sich der Schweiz zugehörig. SRF

Katharina Wolff lebt seit 1978 in der Schweiz. Ursprünglich stammt sie aus der Gegend von Chicago, dem «Brotkorb der Nation». Sie komme aus einer unpolitischen Familie, erzählt sie. Gewählt habe sie in den USA nie.

Ich lebe in der Schweiz und habe auch den Schweizer Pass. Deshalb wähle ich hier und stimme hier ab. Das macht mehr Sinn.
Autor: Katharina WolffUS-Expat

In der Schweiz hat die Graphikerin 35 Jahre lang unterrichtet. Die Zeit hat ihre Beziehung zum Herkunftsland verändert. «Ich fühle keine Verbindung mehr zu den USA. Ich gehöre hierhin», sagt sie. Das habe sie schon während ihres Studiums in Basel gefühlt. Seit 2014 hat Katharina Wolff den Schweizer Pass, darum ist für sie auch klar, dass sie hier wählt und abstimmt. «Das macht mehr Sinn.»

Interview: Welche Rolle spielen US-Expats bei der Wahl?

Manfred Elsig

Manfred Elsig

Politologe und USA-Kenner

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Manfred Elsig ist USA-Kenner und Professor für Internationale Beziehungen und stellvertretender Geschäftsführer am World Trade Institute (WTI) der Universität Bern.

SRF: Warum spielen die Expats im politischen Geschehen der USA eine eher geringe Rolle?

Manfred Elsig: Traditionell wird der Präsidentschaftswahlkampf in den USA eher von Themen der Innenpolitik dominiert. Themen, die Expats weniger ansprechen. Ein wichtiger Grund ist auch das US-Wahlsystem: Expats müssen ihre Stimme dort abgeben, wo sie in den USA zuletzt gewohnt haben. In Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York, in denen sowieso der Demokratische Kandidat die Mehrheit der Stimmen erhält, fallen die Stimmen der Expats also nicht wirklich ins Gewicht. Einzig in sogenannten «Swing States» können sie entscheidend sein.

Analysen zeigen, dass die Wahlbeteiligung von Expats dann auch sehr tief ist. Welche weiteren Erklärungen gibt es?

Wählen ist für US-Expats ein relativ kompliziertes Prozedere: Sie müssen sich zuerst in ihrer Heimat registrieren lassen, bevor sie die Wahlunterlagen erhalten. Oft kommen weitere Hürden dazu. Der Aufwand für die Wahl ist damit vielen zu umständlich. Besonders Menschen, die in ihrer neuen Heimat viel stärker integriert sind als in ihrem Herkunftsland USA. Ich wage aber die Prognose, dass die Mobilisierung der Expats dieses Jahr wegen der Themenlage grösser ist: Die Wahl wird auch im Ausland als Richtungswahl wahrgenommen.

Infografik zur Wahlbeteiligung
Legende: Das Federal Voting Assistance Program FVAP führte Analysen zum Wahlverhalten der US-Expats durch. Sie zeigen, dass die Wahlbeteiligung der Expats bei der Präsidentschaftswahl 2016 und bei den Zwischenwahlen 2018, den «Midterms», massiv tiefer war als bei Wahlberechtigten im Inland. SRF

Lassen sich die US-Expats in der Schweiz klar einem politischen Lager, den Demokraten oder Republikanern, zuordnen?

Es gibt keine Daten, man kann nur spekulieren. Expats haben einen hohen Bildungsgrad, sind eher weltoffen und häufig in binationalen Ehen. Das sind Hinweise, dass viele die Demokratische Partei wählen. Ich sehe auch, dass sich hierzulande nur wenige offen für Trump einsetzen. Das mag bei einigen auch damit zu tun haben, dass sie sich nicht unbeliebt machen wollen. Dennoch glaube ich, dass letztlich nur eine Minderheit der US-Expats in der Schweiz Trump wählt.

Radio SRF 1, 23.10.2020, 16.40 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Was in diesem Artikel beschrieben wird, sind Auswanderer.

    Expats sind Leute, die für ein paar Jahre im Ausland arbeiten, aber sich nie integrieren.

    Von den beschriebenen Auswanderern könnten sich mindestens zwei von der Last "USA" befreien, indem sie auf die US-Staatsbürgerschaft verzichten (und dann müssten sie auch nicht regelmässig Steuererklärungen einreichen und Steuern zahlen).
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  • Kommentar von Lala Lili  (Lala Lili)
    Trump kämpft für die USA und verteidigt die Interessen von USA. Er wird sicher nochmals gewählt, weil die Mehrheit der Bevölkerung versteht: Biden sieht zwar anständig aus, macht aber nur Deals mit seiner Macht, um seine eigenen Portmonee zu füllen. Trump sieht „aggressiv“ aus, aber er bringt USA wieder auf dem richtigen Weg.
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    1. Antwort von Jonathan Merz  (Jondalf)
      "Wieder auf den richtigen Weg."

      Bitte?
      Was hat Trump die letzten vier Jahre gemacht? Bei der Wahl 2016 war sein Slogan: "Make America Great Again". Dieses Jahr ist es: "Keep America Great".
      Demzufolge sollte er die USA bereits auf den richtigen Weg gebracht haben. Er hatte vier Jahre Zeit. Dank ihm sei die USA nun wieder "great", was auch immer das heissen mag.
      So sieht die Bilanz von Trumps letzten vier Jahren aus:

      https://keepamericagreat.com
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    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Lala Lili: Aus welchem Paralleluniversum kommen Sie?
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Es gibt in der Schweiz Milieus in denen man sich lieber hütet, sich als SVP-Wähler zu outen. Ich werde es keinem Expat verübeln wenn er nicht "zugibt" Trump zu wählen, nur damit er nicht in ermühdende Diskussionen verwickelt wird um sich zu rechtvertigen.
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