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Das «Early Voting» dürfte vor allem den Demokraten helfen
Aus SRF 4 News aktuell vom 21.10.2020.
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US-Wahlen USA-Expertin: «Schon jetzt sind sehr viele wählen gegangen»

Wahltag in den USA ist der 3. November. Doch viele US-Bürgerinnen und -Bürger haben ihre Stimme bereits abgegeben – im sogenannten «Early Voting». Dieses Frühwählen dürfte eher den Demokraten zugutekommen, glaubt die USA-Kennerin und Professorin Christiane Lemke.

Christiane Lemke

Christiane Lemke

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Christiane Lemke ist Politikwissenschaftlerin an der Leibnitz Universität in Hannover.

SRF News: Wie funktioniert das Frühwahlsystem «Early Voting» in den USA?

Christiane Lemke: In den USA findet die Präsidentenwahl jeweils am ersten Dienstag im November statt, frühestens aber am 2. November. Weil aber viele Wählerinnen und Wähler dann arbeiten müssen, hat man in den letzten Jahren das «Early Voting» – das Frühwählen – eingeführt. Man geht dabei ganz normal ins Wahllokal, weist sich aus und gibt die Stimme ab. Das ist je nach Bundesstaat zwischen 40 und 5 Tage vor dem eigentlichen Wahltermin möglich.

Die Wahlgesetze sind in jedem Bundesstaat unterschiedlich. Es gibt Vorwürfe, das Wahlrecht sei ungerecht. Wird diese Ungerechtigkeit durch das «Early Voting» etwas abgefedert?

Vor allem in den südlichen US-Bundesstaaten kommt es tatsächlich immer wieder vor, dass versucht wird, Minderheiten sowie Menschen aus der Unterschicht von der Wahl auszuschliessen. Das passiert etwa dadurch, dass man es ihnen erschwert, das Wahllokal zu finden. Oder indem bestimmte Dokumente vorgewiesen werden müssen, über die nicht alle verfügen.

Es wird immer wieder versucht, Minderheiten oder Menschen aus der Unterschicht von der Wahl auszuschliessen.

Durch das «Early Voting» haben die Parteien immerhin die Möglichkeit, ihre Wählerinnen und Wähler zu informieren, wo das Wahllokal ist und vielleicht sogar Busfahrten dahin zu organisieren. So sorgen die Parteien dafür, dass sich möglichst viele an der Wahl beteiligen.

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So lang ist die Warteschlange in Indianapolis schon jetzt
Aus News-Clip vom 21.10.2020.
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Dieses Jahr ist das «Early Voting» wegen der Corona-Pandemie besonders wichtig – welcher Partei dürfte das Frühwählen eher helfen?

Das Interesse am «Early Voting» ist dieses Jahr besonders gross: Schon jetzt sind sehr viele Amerikanerinnen und Amerikaner wählen gegangen. Vor allem auch in jenen Staaten, die zwischen den Republikanern und den Demokraten hart umkämpft sind.

Das ‹Early Voting› dürfte vor allem den Demokraten zugutekommen.

Da die Wähler der Demokraten die Pandemiemassnahmen viel ernster nehmen als jene der Republikaner, dürfte das «Early Voting» vor allem den Demokraten zugutekommen. Ihre Wähler können dadurch längeren Wartezeiten in Menschenschlangen und überfüllten Wahllokalen aus dem Weg gehen.

Ein Mann wirft seinen Brief auf einem Trottoir in die Urne, ein Wahlhelfer schaut zu.
Legende: Auch für die briefliche Stimmabgabe gibt es spezielle Wahlbehälter, die – wie hier in Florida – zum Beispiel vor dem eigentlichen Wahllokal aufgestellt sind. Reuters

Kann das «Early Voting» am Wahltag ein Chaos bei der Stimmenzählung vermeiden zu helfen, weil mehr Zeit bleibt, um die Stimmen auszuzählen?

In den einzelnen Bundesstaaten gelten sehr unterschiedliche Regeln. So werden die Frühstimmen etwa in Florida und Arizona schon jetzt ausgezählt – natürlich streng geheim, ohne dass die Ergebnisse nach aussen dringen. Andernorts, wie etwa in Pennsylvania, dürfen die früh abgegebenen Stimmen aber erst zusammen mit den Stimmen vom Wahltag ausgezählt werden.

Das führt dort dann möglicherweise zu einer Überlastung und sogar einer Überforderung der Wahlhelfer bei der Stimmenauszählung. Das höchste US-Gericht hat übrigens erst gerade entschieden, dass die Stimmen in Pennsylvania bis zum 6. November ausgezählt werden dürfen – das betrifft übrigens auch die Briefwahl.

Es lässt sich nur schwer einschätzen, wie gross das Stimmenzähl-Chaos am Wahltag werden wird.

Grundsätzlich lässt sich nur schwer einschätzen, wie gross das Stimmenzähl-Chaos am Wahltag USA-weit werden wird. Es könnte durchaus sein, dass der Wahlsieger – sollte das Rennen knapp ausgehen – am Wahlabend noch nicht feststehen wird. In diesem Fall wird weiter ausgezählt und erst nach Tagen wäre klar, wer die Präsidentenwahl gewonnen hat.

Das Gespräch führte Marlene Oehler.

SRF 4 News, 21.10.2020, 06.20 Uhr;

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Wieser  (Walt)
    Meine Stimme ist im Kasten. Und uebrigens, ich liebe das vielgeschmaehte US Wahlsystem auch wenn es in diesem Forum von vielen als altmodisch, ungerecht oder was auch immer dargestellt wird. Hier noch ein kleiner Tip: die USA ist nicht eine direkte Demokratie wie die CH sondern eine demokratische Republik. Im uebrigen staune ich immer wieder das wir unseren Praesidenten selbst waehlen, in der CH aber der Bundesrat nicht vom Volk gewaehlt werden kann. Ich finde das in einer direkten sehr komisch.
    1. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      Genau so ist es. Viele Schweizer glauben nach wie vor, dass bei ihnen alles besser ist.
    2. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @blatter. Das muss man nicht glauben, das ist so!!
    3. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Was ich an dem US-Elektorensystem schlecht finde, ist allein das "the winner takes it all"-Prinzip. Für mich wird der Wählerwillen pro Teilstaats und insgesamt so nicht korrekt wiedergegeben.

      Das Kabinett wird in den USA auch nicht vom Volk gewählt. Und mehr als Minister sind unsere Bundesräte nicht. Wie haben kein präsidiales Staatssystem. Im Gegenteil, wir haben ein kollegialen System, darum setzen sich bei uns die Bundesräte aus verschiedenenensten Parteien und Ideologien zusammen.
    4. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Walt: Dass unser Bundesrat nicht von der Stimmbevölkerung gewählt wird ist nicht so tragisch, da in der Schweiz – mit ihrer DIREKTEN Demokratie – die Stimmbevölkerung selbst die höchste Instanz ist und nicht der Bundesrat, oder ein Präsident.
      In den USA hört die direkte Demokratie, wie Sie wissen, meist auf der Ebene der Counties auf.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Egal wie dieser Streit um die Wahlen weiter geht, wünsche mir nur das die Demokraten das Rennen machen, auch wenn Biden nicht der ideale Kandidat ist. Aber nochmals vier Jahre Trump - der die ganze Welt und Menschen in den USA drangsaliert, verspottet und seine vielen Lügen, die er täglich verbreitet ist eines Präsidenten unwürdig. Hoffe, die Amerikaner haben es begriffen und wählen ihn ab. Die Welt kann ein Stückchen besser werden ohne Trump.
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Als würden bei uns Minderheiten ohne die erforderlichen Dokumente jeweils zu den Wahllokalen chauffiert?!?