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Bäume binden CO2 Wälder als Klimaschützer

Mit den richtigen Massnahmen könnten Europas Wälder bis zu 30 Prozent des CO2-Ausstosses auffangen, sagen niederländische Wissenschaftler.

Legende: Audio Europas Wälder nützen dem Klima mehr als gedacht abspielen. Laufzeit 03:42 Minuten.
03:42 min, aus Rendez-vous vom 31.01.2017.
  • Die Fähigkeit des Waldes in Europa, CO2 aus der Luft zu speichern, könnte mit einigen Massnahmen erhöht werden, sagen niederländische Forscher.
  • Dazu müssten neue Wälder angepflanzt und bestehende geschützt werden – sowie vermehrt mit Holz gebaut werden.
  • Um die Klimaerwärmung zu verlangsamen, braucht es aber nach wie vor mehr Energieeffizienz und eine verstärkte Energiegewinnung durch alternative Formen.

Die europäischen Wälder holen rund 13 Prozent der Treibhausgas-Emissionen Europas aus der Luft und lagern das CO2 in ihrem nachwachsenden Holz ein. Diese Tatsache ist seit längerem bekannt. Nun zeigen Forscher der niederländischen Universität Wageningen, dass man die klimaschonende Wirkung der europäischen Wälder noch steigern könnte.

Neue Bäume pflanzen

Demnach könnte die Menge an CO2, die in den Wäldern gespeichert wird, bis 2030 auf rund 30 Prozent der europäischen Emissionen gesteigert werden. Die Wissenschaftler nennen ihre Pläne «Climate smart Forestry» (Klima-schlaue Forstwirtschaft). Je nach Gegend schlagen sie unterschiedliche Massnahmen vor. So könnten mancherorts neue Wälder gepflanzt werden, etwa in Deutschland.

Wichtig sei dabei, die richtigen Bäume anzupflanzen – und zu fällen, heisst es aus Wageningen. Auch sollten ältere, aber noch gesunde Bäume stehen gelassen werden, denn in ihnen ist viel CO2 eingelagert. Für die Schweiz bedeutet das, dass die zwar alten, aber noch gesunden Wälder in den Alpen noch besser geschützt werden sollten als bisher.

Bauen mit Holz

Sinnvoll sei auch, vermehrt mit Holz zu bauen, denn dadurch bleibe das darin gespeicherte CO2 gebunden und trage so nicht zur Klimaerwärmung bei. Ausserdem könnten so Baumaterialien, die viel CO2 verursachen – wie Beton und Stahl – durch Holz ersetzt werden.

Allerdings gebe es auch ein Risiko bei einer stärkeren Gewichtung der klimaausgleichenden Wirkung der Wälder, warnen die niederländischen Forscher: Die Anstrengungen zu einer Verminderung des Treibhausgas-Ausstosses könnten vermindert werden. Die EU hat deshalb definiert, dass ein Land maximal 3,5 Prozent seines CO2-Ausstosses mit eigenem Wald aufrechnen darf.

Kein Weg führt an weniger CO2 vorbei

Damit bleibt klar: Auch wenn die Fähigkeit der europäischen Wälder zur CO2-Speicherung verstärkt würde, wird man nicht um eine Verringerung des CO2-Ausstosses, mehr Energieeffizienz und die vermehrte Gewinnung von Energie durch alternative Formen herumkommen. Nur so wird man die Klimaerwärmung möglicherweise einigermassen begrenzen können.

Wald als CO2-Senke

Wald als CO2-Senke

Im Rahmen des Ende 2015 in Paris vereinbarten Klimaabkommens ist Wald als CO2-Speicher für die einzelnen Länder bei der Berechnung ihrer CO2-Bilanz anrechenbar. Davon profitieren vor allem waldreiche Länder wie Schweden, Finnland, Österreich oder Polen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Das nützt alles sehr wenig wenn sich der Verkehr in der gleichen Zeit verdoppelt. Es will einfach niemand CO2 einsparen aber um das werden wir nicht herumkommen. Ausserdem werden die Wälder im Osten massiv abgeholzt, ich sehe keine zusätzlichen und grossen Wälder um die Milliarden von Tonnen CO2 einzulagern. Alles Wunschdenken und nicht wirklich eine ernsthafte Lösung! Es ist viel mehr ein Versuch Nichts machen zu müssen und wie gehabt, weiterhin masslos und sinnlos Energie zu verschleudern!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Ohne die Einsicht und Umsicht der Menschheit, stirbt die Welt!! Das ist eine Tatsache und muss nicht weiteer diskutiert werden! HANDELN jedes Einzelnen ist gefragt! Bei sich beginnen mit dem Umweltschutz und enstprechend verantwortlich denken, handeln, kaufen, leben....
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  • Kommentar von Joerg Korner (Joerg Korner)
    @ Thomas Leu: Ich habe nicht nach der Alternative gefragt, sondern wie lange das funktioniert. @Handruedi Streiff: Das heisst also dann, dass nicht der Wald das CO2 speichert, sondern derjenige, der daraus Produkte baut wie Möbel und Häuser, richtig? Dann müsste man also bestrebt sein, Holz in Produkten zu speichern, die nie ersetzt werden, oder? Wenn also Wälder CO2 speichern sollen, müssen wir das Holz für immer irgendwo einlagern, denn sonst verpufft der Effekt beim Recyclieren.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      Hansruedi Streiff ist der Fachmann für diese Fragen. Ich sage lediglich, dass wir dringend alles menschmögliche tun müssen, da die zuständige Nationalratskommission eine Lenkungsabgabe auf fossilen Treibstoffen ablehnt.
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    2. Antwort von Hansruedi Streiff (SwissTimber)
      Der Wald beginnt mit der Speicherung via Photosynthese, in den Holzprodukten wird der Speicher verlängert. Es gibt Holzprodukte, die nicht lange leben, andere werden 300jährig (Bauernhäuser). Rechnerisch kann man das mit Halbwertszeiten berücksichtigen. Am Lebensende des Holzproduktes wird CO2 wieder frei, aber Holz hat das "zu gute", weil es ja für das Wachstum CO2 gebunden hat. Die Holzprodukte sind der verlängerte Waldspeicher - quasi ein zweiter Wald
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    3. Antwort von Joerg Korner (Joerg Korner)
      @Handruedi Streiff: Holz hat das "zu gute". Da steckt m.E. ein Denkfehler. Das CO2 muss netto permanent weg. Wenn man es in Holzhäusern speichert, müssten diese künftig immer wieder ersetzt werden, wenn sie am Ende ihres Lebenzykluses sind. Rechnen wir mal: 7% europäisches CO2 ist 4.28 Mio t * 0.07 also 0.3 Mio t CO2 also 0.3 Mio m3 Holz. Wieviele old-style-Bauernhäuser müsste man pro Jahr bauen? Bei 30 m3 pro Haus wären das 10'000 pro Jahr. Nach 300 Jahren stünden 3 Mio solche Häuser.
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