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Jan Eitel: «Der Schnee bleibt vorerst liegen»
Aus SRF 4 News aktuell vom 15.01.2021.
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Wintereinbruch im Flachland SRF-Meteorologe: «Erst am Nachmittag lässt der Schneefall nach»

In der Nacht ist noch mehr Schnee gefallen. An vielen Orten in der Schweiz ist die Verkehrssituation wegen der grossen Schneemengen angespannt. Jan Eitel von SRF Meteo zur aktuellen Situation.

Jan Eitel

Jan Eitel

Meteorologe

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Jan Eitel hat an der Universität Basel Geografie mit der Spezialisierung Meteorologie studiert. Seit 2006 arbeitet er bei SRF Meteo.

SRF News: Wie ist die momentane Lage aus meteorologischer Sicht?

Jan Eitel: Aktuell schneit es immer noch von der Nordwestschweiz über die Zentral- und Ostschweiz bis Nordbünden intensiv. Und das wird sich auch bis am Mittag nicht ändern. Erst am Nachmittag lässt der Schneefall dann relativ rasch von Norden her nach. Im Westen regnet es am Vormittag zum Teil noch bis auf 1000 Meter über Meer hoch. Aber auch hier kommt kältere Luft und die Schneefallgrenze sinkt langsam. Allerdings gibts nicht mehr allzu viel Schnee.

Wie aussergewöhnlich ist die Schneemenge aus meteorologischer Sicht?

Es gab speziell in der Ostschweiz sehr viel Schnee. Etwa 30 Zentimeter sind es in dort im Flachland. In den Alpen gab es 60 bis 80 Zentimeter. Das ist schon ziemlich aussergewöhnlich und kommt nur etwa alle 20 Jahre vor.

Lawinensituation bleibt kritisch

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Lawine hat die Kantonsstrasse zwischen Seedorf und Bauen im Kanton Uri
Legende: Eine Lawine hat am Donnerstag die Kantonsstrasse zwischen Seedorf und Bauen im Kanton Uri verschüttet. Keystone

Mancherorts schneit es in der Schweiz weiter – dazu kommt der Wind: Die Lawinengefahr steigt, wie Célia Lucas vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF) erklärt. «Wir haben sehr verbreitet die Gefahrenstufe 4, also grosse Lawinengefahr. Nur in den Voralpen, im Jura, ganz im Süden und ganz im Westen gibt es ein paar Flecken, wo nur erhebliche Gefahr herrscht, aber grösstenteils ist die Situation in der Schweiz heute wirklich gefährlich.» Am meisten geschneit habe es in der Nacht noch gegen Osten, also in der Zentralschweiz und am östlichen Alpennordhang. «Da ist es im Moment wahrscheinlich noch am heikelsten.»

An verschiedenen Orten sind am Donnerstag Lawinen niedergegangen. Lucas rät denn auch von Ausflügen abseits der gesicherten Pisten ab. «Wir erwarten auch heute noch spontane Lawinenaktivität. Es kann auch noch vorkommen, dass eine Lawine bis ins Tal runterkommt. Allgemein hat der Niederschlag aber eher etwas nachgelassen», so die Expertin für Schnee, Lawinen und Prävention. «Langsam aber sicher wird sich die Situation entspannen. Aber heute bleibt es den ganzen Tag durch noch kritisch.»

Wo ist am meisten Schnee gefallen?

Zum Beispiel in den Glarner Alpen, in Elm. Hier wurden innerhalb der letzten zwei Tage 96 Zentimeter Schnee gemessen. Das ist ein neuer Rekord. Gemessen wird seit 1978. Aber auch sonst gabs in den zentralen und östlichen Alpen im hochalpinen Bereich zum Teil mehr als einen Meter Neuschnee.

Wie geht es nun weiter? Bleibt der Schnee?

Er bleibt liegen. Allerdings kommt kein Schnee mehr von oben. Aber die Temperaturen liegen morgen Samstag den ganzen Tag unter null Grad. Wir erwarten also einen Eistag. Da passiert gar nichts mit dem Schnee. Dazu gibt es übrigens auch viel Sonnenschein in den Alpen. Auch im Flachland, wenn der Hochnebel weggeht, wird es sonnig. Auf Sonntag kommt schon wieder neuer Schnee. Aufgrund einer Warmfront im Westen kann es vielleicht unterhalb von 500 Metern auch mal regnen. Aber danach sieht es nicht mehr gross nach Schnee aus. Und dann, Mitte nächster Woche, sehen wir eine Erwärmung.

Ich bin am Abend mit dem VW-Büschen nach Zürich gefahren und habe vor dem Fernsehstudio übernachtet.

Es könnte eine kräftige Südföhnströmung geben. Das bedeutet für die Alpen Nordseite – dort, wo jetzt viel Schnee gefallen ist –, dass es eher Tauwetter geben wird und dafür auf der Alpensüdseite wieder Schnee fällt.

Sie selber müssen normalerweise am frühen Morgen nach Zürich zur Arbeit kommen. Wie haben Sie das heute gemacht?

Mein Arbeitsort ist Zürich. Wohnen tue ich aber in der Region Basel. Und in Basel hat es schon gestern um 8 Uhr morgens angefangen zu schneien. Irgendwann bekam ich Angst und bin dann am Abend noch mit dem VW-Büschen nach Zürich gefahren und habe vor dem Fernsehstudio übernachtet.

Haben Sie sich keine Erfrierungen geholt?

Nein, ich habe eine Standheizung. Von dem her war es kein Problem.

Das Gespräch führte Jonas Bischoff.

SRF 4 News, 15.01.2021, 08:15 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Pellaton  (ThePelikan)
    Ich habe heute vom SRF-Meteorologen gelernt, dass es völlig OK ist, im VW-Bus bei laufender Standheizung zu übernachten...
  • Kommentar von erwin schatt  (erwin.schatt)
    Sie Zürcher und alledie im Flachland wohnen, sind schon mit ein paar centimeter Schnee total überfordert.
    Wir haben Winter und da ist mit schnee zu rechnen, wenn es kein schnee hat wird auch gejammert.
    In den Städten musste es solche schneemassen haben, dan würden ihre Fahrzeuge au h wintertauglich ausrüsten.
    Sie kommen immer mit schlecht ausgerüsten Fahrzeuge in die Berge.
    1. Antwort von Felice Limacher  (Felimas)
      Ob Ihre Veralgemeinerung betreffend "alle die im Flachland wohnen" stimmt, wage ich zu bezweifeln. Hier am Zürichsee hat es gut einen halben Meter Schnee und diejenigen die überfordert sind bewegen sich im tiefen einstelligen Prozentbereich, Herr Schatt. Und dass sich die Menschen die in den Bergen wohnen "wintertauglich" ausrüsten ist wohl logisch. Dass die Flachländer entprechend weniger gut ausgerüstet sind wohl auch.
      In diesem Sinn, freuen Sie sich einfach an dem was ist.
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Lustig, jetzt am Nachmittag fangt es an zu schneien.