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Beim Filmdreh für «Mad Heidi» gibt es spektakuläre Explosionen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 12.10.2021.
abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
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Zukunft der Filmindustrie? Fans zahlen für Neuverfilmung von Heidi

Als erster Schweizer Film macht «Mad Heidi» die Fans zu Investoren und beteiligt sie am finanziellen Erfolg.

Männer mit Bärten und Mistgabeln rennen von der Markthalle in Burgdorf (BE) weg – sie laufen hinter halbnackten Frauen mit Plastikpuppen in den Armen her. Angeführt werden sie von Heidi, einer jungen Frau mit schwarzen Zöpfen, einer Berner Tracht und Strapsen. Plötzlich fliegt hinter ihnen die Markthalle in die Luft.

Legende: Die Markthalle am Fusse des Schlosses Burgdorf mitten in der Stadt explodiert im Film «Mad Heidi». SRF/Sonja Mühlemann

Im Film «Mad Heidi» rettet die erwachsene Version der Heidi die Schweiz vor einer faschistischen Käse-Diktatur. Erst wurde sie von ihren Grossvater Alpöhi in den Bergen vor den schlechten Einflüssen der Welt beschützt. Doch Heidi sehnt sich nach Freiheit und Revolution und wird zur wilden Kämpferin.

Dieser Film sorgt bereits für rote Köpfe, bevor es ihn überhaupt gibt.
Autor: Valentin Greutert Produzent «Mad Heidi»

Die Neuverfilmung des Schweizer Filmteams hat mit dem Original des Heimatfilm-Klassikers wenig zu tun – und zwar ganz bewusst, denn hier wird ein sogenannter Exploitationsfilm gedreht. Dabei wird ein bestehender Film neu mit Sex, Gewalt oder heiklen Situationen angereichert, um bestimmte Gefühle bei den Zuschauerinnen und Zuschauern auszulösen. Filme wie «Kill Bill» des US-Regisseurs Quentin Tarantino haben diese Art von Filmen salonfähig gemacht. Heidi ist nun der erste derartige Film aus der Schweiz, der erste «Swissploitation-Film» also.

Legende: Heidi mit schwarzen Zöpfen und Strapsen – nicht mehr so unschuldig wie im Kinderbuch. SRF/Sonja Mühlemann

Die Schweiz scheint jedoch noch nicht bereit zu sein für Heidi in Strapsen, sagt der Züricher Produzent Valentin Greutert: «Dieser Film sorgt bereits für rote Köpfe, bevor es ihn überhaupt gibt.» Jemand habe seinen Job verloren, weil er für den Film arbeitete, eine andere Person sei deswegen aus dem Trachtenverein geworfen worden. «Es ist verrückt, wie gewisse Leute auf den Film reagieren», sagt Greutert, der auch Produzent des Filmes über Bruno Manser war.

International bekannte Schauspieler

Bei der Parodie von Heidi gehe es nicht um moralische Verrohung. Der Film sei vielschichtig und übe durchaus Kritik an der Gesellschaft: «Wir versuchen nicht, die Schweiz zu demontieren. Wir spielen einfach mit dem, was da ist», so Greutert. Kultur sei immer im Wandel, sonst sei es eine tote Kultur.

Eine Kultur, die stehenbleibt, ist eine tote Kultur.
Autor: Valentin Greutert Produziert seit 20 Jahren Filme

Weil das internationale Publikum diese Art von Filmgenre verstehe, wird der Film in englischer Sprache gedreht. Es stehen international bekannte Schauspieler vor der Kamera.

Legende: Ein Schauspieler von «Mad Heidi»: David Schofield, der beim Hollywood-Blockbuster «Pirates of the Caribbean» an der Seite von Johnny Depp spielte. Screenshot Film «Pirates of the Caribbean»

Neue Wege geht der Filmproduzent auch bei der Finanzierung. Er setzt nicht auf bekannte Filmfördergremien, sondern auf die Fans, die im Internet sogenannte «Mad Invest-Shares» kaufen und damit Geld via Blockchain in den Film investieren können. Pro «Share» zahlt man 500 Franken. Die Investorinnen und Investoren werden dementsprechend auch am Umsatz des Filmes beteiligt.

Auf diesem Weg sind bisher insgesamt 1.5 Millionen Franken zusammengekommen. Eine halbe Million fehlt noch für die vorgesehenen zwei Millionen Franken.

Was ist revolutionär an der Finanzierung?

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Legende: Man konnte sich auch eine Rolle als Statist kaufen. SRF/Sonja Mühlemann

Rund 250'000 Franken haben die Filmemacher mit dem Verkauf von Fan-Artikeln und «Heidi-Bonds» geholt. Diese können zum Beispiel durch einen Besuch am Filmset oder durch einen Auftritt als Statistin eingetauscht werden.

Aus diesem Crownfunding wurde ein Crowdinvesting. Damit können sich die Fans direkt an den Einnahmen beteiligen, indem sie sogenannte «Mad Invest-Shares» kaufen.

Die Verteilung des Geldes wird über die Blockchain-Technologie abgesichert. Alles ist automatisiert, für die Filmemacher fällt kein administrativer Aufwand an: «Wir müssen keine Abrechnungen oder komplizierte Verträge machen», sagt Greutert. Das System soll vor allem aber sicher sein vor Fälschungen, weil das Geld klar verteilt wird.

Als Fan das grosse Geld machen?

Der Film soll in einem Jahr veröffentlicht und primär online gezeigt werden. Geld bringen soll das Streaming. Dass die Schweizer Filmemacher dies jedoch alleine schaffen, bezweifelt SRF-Filmexperte Michael Sennhauser: «Das halte ich derzeit für eine sehr überrissene Hoffnung.»

Wenn eine globale Plattform den Film übernimmt, könnte er rentabel werden.
Autor: Michael Sennhauser SRF-Filmexperte

Crowdfunding bei Filmen gebe es schon lange, richtig abheben konnte jedoch noch niemand. «Die Hoffnung dabei ist, dass der Film am Schluss genügend Aufmerksamkeit erhält, damit eine Plattform das fertige Produkt übernimmt.» Und sollte der Film «Mad Heidi» genügend Aufmerksamkeit erhalten – beispielsweise über Youtube – dann könnte eine globale Plattform wie Netflix den Film übernehmen. «Dann könnte es rentabel werden», sagt Sennhauser.

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Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12.10.2021, 06:03 Uhr;

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