In weiten Teilen Europas herrscht aktuell hohe Waldbrandgefahr. Wie dramatisch die Lage sein kann, zeigen die jüngsten Brände in Andalusien mit mindestens 13 Todesopfern und die aufwendigen Löscheinsätze in Fontainebleau in Frankreich. Doch wie reagiert man richtig, wenn man plötzlich mit einem Waldbrand konfrontiert wird? Fünf Empfehlungen für den Ernstfall.
1. Lokale Gefahrenlage checken
Ob Wanderung oder Sommerferien: Vor der Abreise sollte sich über die Waldbrandgefahr informieren. Hitze, Trockenheit und Windbedingungen können die Lage innerhalb weniger Tage verschärfen. In der Schweiz veröffentlicht das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die aktuelle Waldbrandgefahr und Verhaltensempfehlung. Feuerverbote gilt es unbedingt einzuhalten.
Aktuelle Waldbrandsituation weltweit
2. Rettungskräfte alarmieren – in Europa im Zweifelsfall per 112
Wenn man einen Waldbrand entdeckt oder vermutet, sei es der erste Schritt, die Feuerwehr zu alarmieren. Das betont Alberto Ceronetti, Major und stellvertretender Kommandant der Feuerwehr in Mendrisotto, Tessin. Je früher die Einsatzkräfte informiert würden, desto grösser sei die Chance, das Feuer einzudämmen. Er empfiehlt weiter, beim Notruf den Brandort möglichst genau zu beschreiben: Wo befindet sich das Feuer? Wie gross ist es? Brennt der Wald in der Nähe von Häusern oder an einem Hang? «Das kann auch uns als Feuerwehr sehr nützen.»
In der Schweiz erreicht man die Feuerwehr direkt per 118, im Ausland gelten andere Telefonnummern. Im Zweifelsfall kann man in Europa aber fast überall die 112 wählen und wird an einen Notrufdienst weitergeleitet.
3. Akute Gefahr beurteilen
Wer in einer unbekannten Region unterwegs ist und mit einem Waldbrand konfrontiert wird, kann die Gefahr oft nur schwer selbst beurteilen. Umso wichtiger sei es, Warnungen der Behörden ernst zu nehmen und deren Anweisungen zu befolgen, erklärt Ceronetti. Dienste wie AlertSwiss oder Mitteilungen der Polizei zeigen, ob eine Evakuierung nötig ist. Bleibt eine offizielle Warnung aus, sind Rauch, Flammen oder starke Hitze klare Warnzeichen, das Gebiet umgehend zu verlassen und sich in Sicherheit zu begeben. Eine Rückkehr sollte erst erfolgen, wenn die Behörden das Gebiet wieder freigegeben haben.
4. Nicht bergauf bewegen – und schmale Täler meiden
Bei der Suche nach einer sicheren Zone gilt es, mehrere Regeln zu beachten. Ein Brand breitet sich bergauf schneller aus als bergab. Vor einem Waldbrand solle man deshalb nie bergauf fliehen, so Feuerwehrmann Ceronetti, sondern sich bergab oder parallel zum Hang bewegen. Auch kleine Täler seien zu meiden. Wegen des Kamineffekts könne sich ein Waldbrand dort schnell ausbreiten, auch ein Wildbach biete in einer solchen Situation keinen verlässlichen Schutz. Ein weiterer Grundsatz von Ceronetti lautet: «Bei einem Feuer brennen die Brandgüter nur einmal.» Eine verbrannte Wiese zähle deshalb zur sicheren Zone.
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Bild 1 von 3. Die Entwicklung eines Waldbrands hängt unter anderem vom verfügbaren Brennmaterial und vom Wind ab. Entscheidend ist aber auch das Gelände. Bild aus dem Centovalli im Tessin, März 2022. Bildquelle: Keystone / Samuel Golay.
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Bild 2 von 3. Dieses Bild stammt von einem Brand im französischen Bezirk Gironde im Jahr 2022. Ein Feuer breitet sich grundsätzlich schneller bergauf als bergab aus. Das liegt daran, dass der Rauch und die Brandgase nach oben ziehen und das Brennmaterial dort austrocknen. Meiden sollte man wegen das Kamineffekts auch schmale Täler. Bildquelle: Keystone / SDIS33 Handout.
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Bild 3 von 3. Hat das Feuer an einem Ort schon gewütet, ist diese Zone vergleichsweise sicher. Das Brandgut kann nur einmal verbrennen. Bildquelle: Keystone / Pablo Gianinazzi.
5. Was tun im Auto?
Bei den schweren Waldbränden in Andalusien sind Anfang Juli mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Mehrere von ihnen starben auf der Flucht mit dem Auto.
Ist es also gefährlich, mit dem Auto vor einem Waldbrand zu fliehen? Das sei situationsabhängig, erklärte die spanische Feuerwehr gegenüber den Medien. Befinde man sich ohnehin im Auto, dann sei es in der Regel ratsamer, dort zu bleiben, anstatt zu Fuss zu fliehen. Ausserhalb des Fahrzeugs sei man Hitze und Rauch noch unmittelbarer ausgesetzt. Oberste Priorität bleibe aber, die Anweisungen und Evakuationsmassnahmen der Behörden zu befolgen.