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Frauen leiden nach dem Lockdown vermehrt unter Gewalt
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 10.08.2020.
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Frauenhaus Aargau-Solothurn Paradox: Frauenhaus profitiert von «Corona-Effekt»

  • Während des Lockdowns erwarteten die Frauenhäuser einen Ansturm. Doch dieser erfolgt erst jetzt, nachdem die strengen Corona-Regelungen gelockert wurden.
  • Auch im Frauenhaus Aargau-Solothurn sind alle Plätze vergeben, das Haus ist sogar leicht überbelegt.
  • Die tragische Situation führt dazu, dass das Frauenhaus weniger finanzielle Probleme hat als früher.

«Einige familiäre Konflikte aus der Lockdown-Zeit brechen erst jetzt richtig aus.» Das sagt Janine Sommer, die Präsidentin der Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn. «Zudem steigt die Angst vor Arbeitslosigkeit, was in gewissen Familien zu Stress und damit auch zu Gewalt führt.» So erklärt sie sich das Phänomen, dass die Frauenhäuser erst nach dem Lockdown den erwarteten Ansturm erfahren.

Im Frauenhaus Aargau-Solothurn gibt es offiziell 15 Plätze. Aktuell suchen 16 Frauen dort Schutz, man habe zusätzlichen Platz geschaffen. «Wir können bis zu 18 Frauen aufnehmen», erklärt Janine Sommer. «Und wenn diese Plätze auch nicht ausreichen, dann arbeiten wir mit Frauenhäusern in anderen Kantonen zusammen».

Kurz: Die Situation sei angespannt, die Gewalt in Familien nehme zu. Aber einen Aufnahmestopp, wie ihn zum Beispiel das Frauenhaus in Basel kürzlich kommuniziert hatte, gibt es in der Region Aargau/Solothurn nicht. Im Gegenteil: Das Frauenhaus «profitiert» sogar von der tragischen Situation. Immer wieder beklagte sich die Stiftung früher über finanzielle Probleme. Diese Zeiten sind nun vorbei.

Viele Opfer = Mehr Geld von den Kantonen

Der Grund für die laut Janine Sommer «paradoxe» Situation ist die sogenannte «Subjektfinanzierung». «Wir erhalten von den Kantonen Aargau und Solothurn nur dann Geld, wenn ein Platz belegt ist.» Jetzt, wo viele Frauen wegen Corona und der daraus resultierenden Stress-Situationen Hilfe suchen, ist das Frauenhaus gut ausgelastet. «Damit können wir nun unsere Fixkosten decken.»

Janine Sommer findet diese Situation offensichtlich etwas absurd. Sie wünscht sich eine «Objektfinanzierung» – also einen fixen jährlichen Beitrag für den Betrieb der Schutzeinrichtung für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Denn auch viele Kosten fallen fix an – egal, ob das Frauenhaus voll belegt ist oder nicht. Doch dafür wäre eine Gesetzesänderung notwendig, ein langer politischer Prozess. «Aktuell scheint dieses Thema nicht zuoberst auf der Prioritätenliste unserer Kantone zu stehen», sagt Sommer.

Immerhin: Die Entschädigungen für das Frauenhaus wurden bereits nach oben angepasst. Neu erhält das Frauenhaus für Kinder in seiner Obhut gleich viel Geld von den Kantonen wie für erwachsene Schutzsuchende. Das ist für Janine Sommer eine klare Verbesserung. Ob es bald auch eine neue Art der Finanzierung wieder aufs politische Tapet schafft, bleibt allerdings noch offen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 10.08.2020, 06:31;

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