«Ich bin nicht einfach der dumme Lehrling»

Am Mittwoch beginnen in Bern die 1. Schweizer Berufsmeisterschaften, die Swiss Skills. Bei uns erzählen Lehrlinge und Lehrtöchter, wie es ihnen im Alltag ergeht, was ihre Höhepunkte sind und wie sie mit der Doppelbelastung «Schule/Arbeit» umgehen.

Zwei Lehrmeister und ihr Lehrling an einem Metallstück. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch Polymechaniker werden in Solothurn ausgebildet: Die meiste Zeit verbringen sie aber in ihrem Lehrbetrieb. Keystone (Symbolbild)

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Swiss Skills 2014

Swiss Skills 2014

Von A wie Automatiker bis Z wie Zimmermann – Bern steht vom 17. bis 21. September im Zeichen der Berufsbildung. An den Swiss Skills 2014 werden in 70 Berufen die Schweizer Meisterschaften durchgeführt. Mehr zum Schaulaufen der Berufe.

Ayoh Sollberger mag seine Arbeit sehr. Er ist Polymechaniker und schwärmt, wie er einmal ein Metallteil fräsen musste und zwar ohne die Hilfe des Computers. «Ich hab sicher zehn Mal überlegt, wie ich das nun am besten mache – und am Schluss war das Ergebnis einfach Hammer», sagt er und grinst.

Lehrstellenwechsel aus dem Nichts

Mitten in der Lehre war ihm aber zeitweise gar nicht nach grinsen zu Mute. Ayoh Sollberger hat in der Scintilla Zuchwil angefangen. Die Firma entwickelt und produziert für die deutsche Firma Bosch Elektrowerkzeuge. Als im letzten Herbst die Nachricht über den Stellenabbau bekannt wurde, traf ihn das direkt.

«Damals wusste ich wirklich nicht, was jetzt passiert und ob ich hier richtig bin», erinnert sich Sollberger. Mittlerweile arbeitet er in der Lehrwerkstatt des Berufslehrverbundes Thal-Gäu und ist zufrieden.

In seiner Klasse ist auch Delilah Flückiger. Sie geht zusammen mit Ayo Sollberger in dieselbe Klasse und gehört zu den älteren. Mit ihren 25 Jahren wohnt sie mittlerweile nicht mehr zu Hause, was für sie eine finanzielle Mehrbelastung bedeutet. «Ich habe ein Darlehen aufgenommen und zusammen mit Hilfe der Eltern schaffe ich das», erklärt sie.

Weniger Schule, dafür mehr im Job?

In der Werkstatt ihres Arbeitgebers fühlt sie sich wohl. Sie sagt aber auch, dass ihr Chef sie lieber noch mehr im Betrieb hätte – und weniger in der Schule. Sie werde bereits als vollständiges Mitglied des Teams angeschaut und habe dadurch auch schon mehr Verantwortung. «Das gefällt mir, und für mich stimmt es so.»

Saskia Andrist ist 18 Jahre alt und arbeitet als Floristin in Hägendorf. Nein, die Kantonsschule wäre nichts für sie gewesen. «Ich wollte nicht noch länger in die Schule», erklärt sie. Und auch die Eltern hätten keinen Druck ausgeübt, sie solle doch in die Kantonsschule.

Andrist ist es wohl an ihrem Arbeitsort. Ihre Chefs würden sie nicht als einfache Arbeitskraft einspannen, sondern bringen ihr all das bei, was wichtig sei. Und: «Sie lernen mir das Handwerk in der Hoffnung, dass ich auch künftig auf diesem Job weiter arbeite.»

Das will Saskia Andrist auch. Ob sie allerdings ihr Leben lang Floristin bleiben wird, weiss sie nicht. Auch die Arbeit mit Hunden interessiere sie. Zuerst werde sie aber sicher als Floristin arbeiten.

Grosse Umstellung

Schon fast voll im Berufsleben angekommen ist Nico Hürzeler. Der 18-jährige ist in der Lehre als Koch im Alters- und Pflegeheim St. Martin in Olten. Der Morgen beginnt für ihn wie für andere Lehrlinge auch zur «normalen Zeit», danach gibt’s aber Zimmerstunden und gearbeitet wird dann meist bis 22 oder 23 Uhr.

«Am Anfang war das nicht so einfach für mich. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es macht mir Spass», erklärt er.