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Kulturförderung im Aargau «Sind die steuerlichen Anreize gut genug für Kultur-Mäzene?»

Legende: Audio Wie kann mehr mehr Kultur-Sponsoren in den Aargau holen? abspielen. Laufzeit 06:19 Minuten.
06:19 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 13.01.2019.

Im Bereich der privaten Kulturförderung liegt der Kanton Aargau im Vergleich mit anderen Kantonen am Schluss. Das soll ändern. Auch im Aargau sollen sich vermehrt Stiftungen und Mäzene um die Kultur bemühen, so Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Aargau. Am jährlichen Kulturforum diskutierten Kulturschaffende, wie dies ermöglicht werden könnte.

Thomas Pauli

Thomas Pauli

Leiter Abteilung Kultur Kanton Aargau

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Thomas Pauli wurde 1966 geboren und lebt in Wildegg. Nach der Matura an der Kantonsschule Solothurn absolvierte er an den Universitäten Bern und Lausanne ein Studium in Geschichte und Archäologie und schloss mit dem Doktorat ab. Seit 2013 leitet Pauli beim Kanton Aargau die Abteilung Kultur. Zuvor war er Direktor des Museums Aargau.

SRF News: Wie wichtig sind im Aargau Stiftungen und Mäzene, welche sich für die Kultur einsetzen?

Thomas Pauli: Im Aargau gibt es immer wieder Mäzene und Stiftungen, welche grössere Beträge geben für Kulturinstitutionen. Ein Beispiel ist das Kloster Muri, wo ein Mäzen hohe Beträge gespendet hat. Das ist im Kanton Aargau im Vergleich aber die grosse Ausnahme.

Weshalb gibt es denn im Aargau vergleichsweise wenig solche Kulturförderer?

Wir haben im Rahmen des Kulturforums den Prozess gestartet, um genau diese Frage mit einer Studie wissenschaftlich beantworten zu können (zusammen mit dem Kanton Bern, Anm. d. Red.). Am Anfang wollten wir die Aargauer Kultur-Community befragen, was ihre Meinung ist.

Im Aargau gibt es keine lange Tradition im Mäzenatentum.

Da kamen Hinweise, dass es bei uns im Vergleich zu anderen Regionen – vor allem Städte – keine lange Tradition im Mäzenatentum gibt. Bezüglich der Steuerpolitik ist die Ausgangslage zwar gut. Es ist aber viel zu wenig bekannt, dass sich Stiftungen ansiedeln könnten, die Kulturvergabungen tätigen würden.

Was kann man denn unternehmen, dass es mehr werden? Laut Ihren Aussagen muss der Aargau bekannter machen, dass man steuerlich profitiert, wenn man die Kultur unterstützt.

Das ist sicher ein wichtiger Punkt. Da werden wir uns noch einige Gedanken machen müssen, wie man das besser aufgleisen kann. Wir schauen aber auch das Steuergesetz an. Sind die steuerlichen Anreize gut genug im Aargau? Könnte man nicht mehr machen um Private dazu zu bewegen, dass sie der Kultur Geld spenden?

Am Kulturforum kamen aber auch interessante Beispiele. Im Raum Baden gibt es eine Vereinigung von Unternehmern, welche zum Ziel hat, jedes Jahr Kulturprojekte zu fördern. Sie haben mittlerweile fast eine halbe Million Franken für die Kultur in Baden ausgegeben. Das sind spannende Modelle. Man könnte damit in anderen Regionen und Gemeinden des Kantons eine Initialzündung geben in eine ähnliche Richtung.

Sie wollen überprüfen, ob die steuerlichen Anreize richtig sind, ob man genügend bei den Steuern abziehen kann als Unterstützer der Kultur. Ist das nicht ein verwaltungsinterner Konflikt? Wenn Kulturförderer mehr abziehen können, kommt bei den Steuern weniger rein.

Ich glaube nicht, dass es hier einen Konflikt gibt. Ziel muss es sein, dass der Kanton Aargau auch im schweizweiten Standortwettbewerb auch in fünf oder zehn Jahren gut positioniert ist.

Das kulturelle Angebot spielt eine grosse Rolle, um vermögende Privatpersonen in den Aargau zu holen.

Und da spielt die Kultur und das kulturelle Angebot eine grosse Rolle, um vermögende Privatpersonen in den Aargau zu holen. Ich glaube, da spielen wir uns gegenseitig in die Hand und graben uns nicht das Wasser ab. Da muss man Hand in Hand gehen, um den Aargau auch zukünftig als attraktiven Wohn- und Lebensraum positionieren zu können.

Kulturforum Aargau

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Am Samstag, 13. Januar, fand das kantonale Kulturforum zum vierten Mal statt. Rund 100 geladene Personen aus Kultur und Politik trafen sich im neuen Stapferhaus in Lenzburg. Der jährliche Anlass wird vom Kanton und dem Aargauer Kuratorium organisiert.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Bruckschlegel (Thomas Bruckschlegel)
    "elitäre Kultur" - es steht jedem frei, kulturelle Angebote zu nutzen, vielleicht ist hier auch noch Potential um dies den Menschen näher zu bringen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Kultur- und Sportveranstaltungen vermehrt durch Nutzniessende und Sponsoren finanzieren! Weil elitäre Kultur heute in hohem Masse von der öffentlichen Hand subventioniert wird, obwohl sie nur ein kleiner Teil der Bevölkerung nutzt, ist die Frage berechtigt, ob nicht ein grösserer Teil der Aufwendungen von den Nutzniessenden oder Sponsoren bezahlt werden sollte. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Aufwendungen für den Passivsport.
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