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Im Aargau gibt es zu viele Pflegebetten. Der Kanton steht auf die Bremse.
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 28.11.2019.
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Leben im Alter Im Aargau stehen Pflegebetten leer, trotzdem werden neue geplant

  • Im Zurzibiet sind die Pflegeheime nur zu 81 Prozent ausgelastet. Das zeigen neue Zahlen des Pflegeheim-Verbandes.
  • Der Planungsverband Zurzibiet Regio sagt, er werde keine neuen Pflegebetten mehr gutheissen.
  • Generell gibt es im Aargau zu viele Pflegebetten. Trotzdem sind noch viele Neubau- und Erweiterungsprojekte in der Planung.
  • Auch der Kanton steht auf die Bremse. Neue Ausbauprojekte haben beim Gesundheitsdepartement keine Chance.
Pflegebett
Legende: Keystone

Zu viele Pflegebetten: Jedes Jahr macht der Verband der Aargauer Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen (Vaka) eine Umfrage bei den Pflegeheimen. Er will wissen, wie viele Betten betrieben werden und wie viele davon auch tatsächlich belegt sind. Stichtag der Umfrage war der 30. September. Fast unglaublich hoch ist die Zahl aus dem Planungsverband Fricktal Regio. Dort waren die Betten zu 99.2 Prozent belegt. Nur gerade 5 Betten in dieser Region waren frei.

Ganz anders die Situation im Zurzibiet. Eine Belegung von nur 80.7 Prozent; von 304 Betten waren 58 leer. Und leere Betten verursachen Kosten, denn die Gemeinden oder Trägervereine können dann das Geld, das sie für den Bau und das Personal ausgeben müssen, nicht über die Bewohnerinnen und Bewohner wieder einbringen.

Pflegebett
Legende: Keystone

Unzufriedener Verband: Felix Binder, Präsident des Planungsverbandes Baden Regio, ist mit der Situation nicht zufrieden: «Die Gemeinden wollten das so, jetzt müssen sie mit dieser Situation umgehen. Für uns als Verband ist klar: Wenn ein nächstes Gesuch kommt, bewilligen wir das sicher nicht mehr.» Der Planungsverband Zurzibiet Regio ist allerdings nicht die Bewilligungsinstanz für neue Pflegebetten. Er gibt jeweils nur eine Empfehlung ab.

Kanton bewilligt Pflegebetten: Herrin über die Pflegebetten im Aargau ist Barbara Hürlimann, Leiterin der kantonalen Abteilung Gesundheit im Departement DGS. Sie führt die Pflegeheimliste. Nur wer auf dieser Liste ist, kann seine Leistungen überhaupt verrechnen. Hürlimann kennt die Zahlen des Pflegeheimverbands. Diese zeigen, dass die Auslastung der Pflegeheime im Aargau bei 95 Prozent liegt. Das bedeutet, dass zirka 250 Betten leer stehen.

Ambulant vor stationär: Das kann die Situation für die Pflegeheime noch weiter verschärfen.
Autor: Barbara HürlimannAargauer Departement für Gesundheit DGS

Tendenziell werde der Bedarf an Pflegebetten im Verhältnis zur Bevölkerung über 80 Jahren in Zukunft sinken, sagt Hürlimann. «Wir haben ja die Tendenz der Ambulantisierung, die Leute sollen also vermehrt von der Spitex gepflegt werden. Das kann die Situation für die Pflegeheime noch weiter verschärfen.»

Neue Betten geplant: Paradox ist, dass es momentan nicht nur zu viele Pflegebetten gibt im Aargau, es sind auch noch viele neue geplant. Der Kanton führt eine «Reservationsliste». Auf dieser stehen Pflegebetten, die bewilligt, aber noch nicht gebaut sind. Der Kanton hat sie schon vor längerer Zeit bewilligt, denn Anfragen für Neubauten oder Erweiterungen werden in einem frühen Stadium der Planung eingereicht. Gebaut werden die Betten dann manchmal erst viele Jahre später.

Rollatoren
Legende: Keystone

Kanton bremst: Die Situation sei deshalb ziemlich schwierig, sagt Barbara Hürlimann. Sie hofft, dass man den Überbestand in den Pflegeheimen durch eine «Flexibilisierung der Pflegeheimliste» entschärfen könne. Man könne zum Beispiel bewilligte Pflegebetten in betreutes Wohnen umwandeln, sagt die Gesundheitsexpertin, diese seien heute mehr gefragt als klassische Pflegebetten.

Neue Ansätze, zum Beispiel in Mellingen

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Dieser Ansatz scheint schon zu greifen in Mellingen. Dort will der Trägerverein des Alterszentrums Mellingen-Wohlenschwil «Im Grüt» 20 neue Pflegebetten bauen. Der Kanton hat diese schon 2011 bewilligt. Man wolle etwas Neues anbieten, sagt Erika Schibli, Präsidentin des Trägervereins des Alterszentrum Mellingen-Wohlenschwil: «Wir machen ein spezielles Projekt. Wir bauen Doppelpflegezimmer. Dort könnte vielleicht ein Ehepaar wohnen, von dem nur ein Teil schwer pflegebedürftig ist und nicht mehr von der Spitex betreut werden kann.»

Der Gemeinderat von Mellingen betrachtet die Ausbaupläne des Alterszentrum allerdings mit Skepsis. Wegen des Ausbaus der Spitex brauche es weniger Pflegeplätze, argumentiert er. Die Prognosen würden zeigen, dass in der Region Baden kein Bedarf an neuen Betten bestehe. Es gehe auch um die Kosten, deshalb könne die Politik das Projekt nicht einfach so durchwinken, sagt Ammann Bruno Gretener im Gespräch mit SRF.

Letztlich liegt der Entscheid, ob neue Pflegebetten gebaut werden, beim Kanton. Und hier ist die Situation klar. Barbara Hürlimann vom kantonalen Gesundheitsdepartement bremst.

Unsere Devise ist momentan: keine neuen Pflegebetten.
Autor: Barbara HürlimannAargauer Gesundheitsdepartement DGS

«Unsere Devise ist momentan: keine neuen Pflegebetten. Wir müssen zuerst die ganzen Planungs- und Finanzierungsmechanismen sauber aufarbeiten.» Das geschieht im Rahmen der Gesundheitspolitischen Gesamtplanung (GGPL).

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