Wettingen verteilt kein Geld für Freizeitaktivitäten

Das Gemeindeparlament von Wettingen war am Donnerstagabend nicht in Spendierlaune. Im Gegensatz zu seinem Entscheid vor anderthalb Jahren will es nun doch nichts von Gutscheinen wissen, welche Kinder etwa bei Sportvereinen einlösen können. Nur die CVP hält an der Idee fest.

Sitzungszimmer Einwohnerrat Wettingen, im Vordergrund die Vorlage zum Familienkonzept und ein paar Banknoten auf dem Tisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 400'000 Franken für die Freizeit: Das Konzept «Familienfreundliches Wettingen» hatte keine Chance im Einwohnerrat. SRF

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170'000 für Kunsteisbahn

Der Einwohnerrat genehmigte am Donnerstag einen Kredit von 170'000 Franken für die Kunsteisbahn Tägerhard. Damit können die Sicherheitsvorgaben des Kantons umgesetzt werden: Am Ende der Saison muss das Ammoniak aus der Eisanlage entfernt werden. Zu Beginn der Saison wird es dann wieder eingefüllt.

Die Betreuung der Kinder kostet die grösste Aargauer Gemeinde Wettingen bereits heute viel Geld. Für Kindertagesstätten, Tagesstrukturen und Tagesfamilien gibt die Gemeinde in diesem Jahr gut 750‘000 Franken aus. Im kommenden Jahr dürfte es weit über eine Million sein.

Da es um die Finanzen nicht so gut stehe, liege eine zusätzliche Belastung nicht drin: Das fand am Donnerstagabend eine Mehrheit der Gemeindeparlamentarier.

Einzig die CVP setzte sich geschlossen dafür ein, dass die Gemeinde die Freizeitaktivitäten der Familien unterstützt. Rund 400‘000 Franken hätten die Gutscheine gekostet, welche Kinder etwa bei Sportvereinen oder für den Musikunterricht hätten einlösen können.

Die CVP unterstützte das Projekt auch aus ideologischen Gründen. Diese Gutscheine kämen Familien zugute, welche das traditionelle Familienmodell leben, also die Mutter zuhause bei den Kindern bleibt. Für Familien, in denen beide Elternteile berufstätig seien, mache man genug, zeigte sich die CVP überzeugt. Nun müsse man auch die anderen unterstützen.

Private Freizeit: Keine Staatsaufgabe

Damit stand die CVP jedoch ziemlich alleine da. Zwar erhielt sie auch aus anderen Fraktionen Unterstützung. Letztlich war jedoch eine deutliche Mehrheit gegen die Freizeit-Gutscheine. Die Motion wurde wie vom Gemeinderat gefordert abgelehnt, mit 27 zu 19 Stimmen.

Für die SVP, FDP und Teile der linken Parteien war klar, dass es nicht Aufgabe des Staates sei, private Freizeitaktivitäten zu unterstützen.

Zudem stehen auf Bundes- und Kantonsebene noch verschiedene Änderungen bei der Kindesbetreuung an. Es mache deshalb keinen Sinn, wenn Wettingen hier vorpresche, so die Argumentation der Mehrheit. Das Projekt «Freizeit-Gutscheine» wurde am Donnerstag versenkt - anderthalb Jahre nach seiner Lancierung im Einwohnerrat.