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Wo sich die Probleme häufen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 30.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:45 Minuten.
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Unschöne Hinterlassenschaften Wildes Campieren wird zum stinkenden Problem

Die Notdurft der Wildcamper bleibt liegen – Lösungen sind rar.

Campieren in der Natur boomt: Die spezielle Situation wegen der Corona-Pandemie fördert das Übernachten im Freien, sei es mit dem Zelt oder dem Camper. Der Boom zeigt sich auch im Berner Oberland. Und zwar auf unschöne Weise.

«Die Leute verrichten ihr Geschäft draussen in der Natur», weiss Nadja Ruch von den Kraftwerken Oberhasli. «Das Nachsehen haben die, die danach kommen.» Die Situation sei «unangenehm», vor allem, weil die Zahl der Camper so stark anstieg.

WC reicht nicht mehr

In der Region Oberaar haben die Kraftwerkbetreiber schon vor längerer Zeit bei einem Parkplatz ein WC eingerichtet. Doch seit diesem Coronasommer werde das Gebiet überrannt, die Toilette auch: Sie hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Eigentlich wäre hier das Campieren verboten, weil Naturschutzgebiet. «Mit einem Flyer weisen wir die Leute neuerdings daraufhin», so Kraftwerkssprecherin Nadja Ruch.

Wenn man mal muss – die rechtliche Situation

Ob man im Freien auf die Toilette darf oder nicht, ist von Kanton zu Kanton verschieden. Im Kanton Bern gibt es nicht per se eine Busse, sondern es hängt von den Umständen ab. «Es kann zu einer Anzeige kommen, die Justizbehörden entscheiden danach über das Strafmass.», sagt Polizeisprecher Dominik Jäggi.

Der Schweizerische Alpenclub SAC schreibt in einer Broschüre, dass das Zelten oberhalb der Baumgrenze unbedenklich sei. Ist diese Aussage im Hinblick auf den Run auf die Berge und die unschönen Hinterlassenschaften der Camper nicht heikel?

«Es ist keine Aufforderung, draussen zu übernachten», sagt Philippe Wäger vom SAC. «Oberhalb der Baumgrenze hat es weniger Tiere und Menschen. Das Campieren ist dort weniger ein Problem.»

Was man tun soll, und was nicht

Doch was ist mit dem, was die Camper hinterlassen – der stinkenden Notdurft? Fäkalien soll man mit Steinen, Ästen oder Blättern zudeckten, rät Philippe Wäger. Keinesfalls dürfe man Feuchttücher verwenden, wenn möglich auch keine Papiertaschentücher. Nur WC-Papier. «Das verrottet meist innerhalb dreier Monate», so Wäger.

Fäkalien bitte zudecken – und keine Feuchttücher verwenden.
Autor: Philippe WägerSAC

Aus dem ganzen Kanton Bern mehren sich derzeit die Berichte über Probleme mit wilden Campern. «Betroffen sind vor allem beliebte Ausflugsziele», sagt Dominik Jäggi von der Kantonspolizei.

Enttäuschte Einheimische

Meist blieben die Leute nur eine Nacht. Bei den Einheimischen sind sie deshalb nicht immer gerne gesehen. «Sie kaufen weder in den hiesigen Geschäften ein, noch zahlen sie Kurtaxe», sagt Karl Näpflin, Vizegemeindepräsident von Lauterbrunnen. «Wir haben nichts von ihnen, ausser das, was sie liegen lassen.» Und manchmal zum Himmel stinkt.

Die Leute sollen die Zeltplätze brauchen.
Autor: Karl NäpflinVize-Gemeindepräsident Lauterbrunnen

Die Gemeinde Lauterbrunnen hat wildes Campieren im ganzen Gemeindegebiet verboten. Seitdem haben hier gemäss Näpflin die Konflikte abgenommen. Doch es stellt sich ein neues Problem: Die drei Campingplätze im Tal sind derzeit voll. Die Verantwortlichen denken deshalb darüber nach, die bestehenden Plätze zu erweitern.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Clarissa Ravasio  (Malimalo)
    Hier in Kandersteg ist es absolut unerträglich für uns Einheimische. Die Wildcamper campen und scheissen sogar auf die Wanderwege wenn sie breit genug und nahe am Zentrum liegen. Sie könnten doch wenigsten ihre Fäkalien in Robidogsäcke verfrachten und anständig entsorgen. In den Läden halten sie sich an keine Abstands- und Desinfektionsregeln. Sie versauen unsere schöne Natur als ob sie Ihre Wohnstube sei. Auch beim Parkieren sind sie rücksichtslos. Ich hoffe jeden Tag auf andauernden Regen!
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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Das ist eine Sauerei. Wenn schon, kann man mit dem Klappspaten ein kleines Loch ausheben. Am Schluss ist alles sauber und nichts riecht. Aber was bei den Fahrenden akzeptiert wird, muss wohl auch den übrigen Reisenden gestattet sein.
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  • Kommentar von Michael Stähli  (Mich)
    Das mit dem über der Waldgrenze sei campieren unbedenklich finde ich sehr daneben! Erstens hat es dort genau so Wildtiere wie Steinböcke und Gämsen wie anderswo und zudem sind auch viele Nutztiere gerade jetzt im Hochsommer auf höhen über 2000 Metern. Leider habe ich bisher mehrheitlich schlechte Erfahrungen gemacht mit Wildcampern: Sie lassen Abfall liegen, fahren durch Fahrverbote, beunruhigen Vieh und Wild, sind "im Weg" und bringen meist keine Wertschöpfung in die Region.
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