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Massive Schutzwaldprobleme im Prättigau – das könnte teuer werden
Aus Regionaljournal Graubünden vom 25.06.2020.
abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
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Über 50 Prozent Wald betroffen Massive Schutzwaldprobleme im Prättigau

Wildtiere fressen laut dem neuen Wald-Wild-Bericht Herrschaft/Prättigau viel zuviel Jungwald. Das könnte teuer werden.

Vor kurzem hat der Kanton Graubünden den neuen Wald-Wild-Bericht Prättigau/Herrschaft, Link öffnet in einem neuen Fenster veröffentlicht. Der Bericht ist jetzt in der Anhörung, interessierte Kreise können Stellung nehmen. Die Publikation war für letztes Jahr geplant, verzögerte sich aber mehrmals.

58.9 Prozent Problemflächen

Die Zahlen sind brisant. Über die Hälfte des Waldes im Prättigau und in der Herrschaft hat der Kanton als Problemfläche qualifiziert, in Zahlen: 58.9 Prozent.

Kartenausschnitt mit rot eingefärbten und schraffierten Flächen.
Legende: Rot und hellrot eingezeichnet sind die sogenannten Problemflächen. Amt für Wald- und Naturgefahren Kanton Graubünden

Es sind zum Teil ganze Schutzwälder, wo der Wildeinfluss so gross ist, dass «das natürliche Aufkommen von standortgerechten Baumarten stark eingeschränkt oder gar verunmöglicht» wird, wie es im Bericht heisst. Der Wald wird an diesen Orten also älter und älter, ohne dass junge Bäume nachkommen, und das wegen des Wilds.

Verbiss im Schutzwald: Die Kosten

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Der neue Wald-Wild-Bericht Herrschaft/Prättigau enthält erste Abschätzungen, was die Folgekosten der heutigen Situation sein könnten. Das Amt für Wald hat in einer Studie für einen Schutzwald in der Nähe von Klosters die Kosten für die nächsten 50 Jahre berechnet. Das Ergebnis: Die Gemeinde muss mit 1.5 bis 3.4 Millionen Franken Mehrkosten rechnen, damit der Wald trotz Verbiss weiterhin geschützt werden kann.

Ein zweites Beispiel zeigt, dass in der Vergangenheit wegen der Wildprobleme Geld quasi in den Wald hinausgeschmissen wurde. Beim Fallbeispiel Putzer Berg wurden seit 1997 220'000 Franken in die Schutzwaldpflege investiert. Rund 90 Prozent müssen laut Bericht «als Fehlinvestition betrachtet werden».

Eine Einschätzung zu den möglichen Folgekosten für den ganzen Kanton gibt es bisher nicht. Laut einer Hochrechnung der Zeitschrift «Beobachter», Link öffnet in einem neuen Fenster könnten die Schutzwaldprobleme Graubünden in den nächsten 50 Jahren bis zu einer halben Milliarde Franken kosten.

58.9 Prozent Problemflächen in der Region Herrschaft/Prättigau, das ist im kantonsweiten Vergleich sehr viel. Vergleichbare aktuelle Zahlen gibt es im Moment nur aus der Surselva. Dort wurden 2018 mit dem Wald-Wild-Bericht 12.1 Prozent des Waldes als Problemfläche klassifiziert. «Die tolerierte Schwelle von 25 Prozent wird mit 58.9 Prozent deutlich überschritten», heisst es im Bericht, was ein Verstoss gegen die kantonale Gesetzgebung sei.*

Teilweise zu hohe Wildbestände

Der Wald-Wild-Bericht zeigt auch auf, wie viel Wild in der Region lebt. Für diese Daten ist das Amt für Jagd und Fischerei verantwortlich. Die Schalenwildbestände seien «als hoch bis zu hoch einzustufen», vor allem bei den Hirschen und Rehen.

Das Fazit des Berichts, der Verbiss im Wald ist zu hoch, es braucht lokal weniger Rehe und Gämsen sowie in der ganzen Region weniger Hirsche.

Kanton will handeln

Im Bericht geht es nicht nur um eine Bestandesaufnahme, sondern auch um konkrete Massnahmen, um die Situation zu verbessern. Für alle Problemflächen sind Massnahmen festgelegt: Beispielsweise mehr Wild schiessen, Wildschutzgebiete neu definieren, aber auch bessere Lebensräume für die Tiere oder Zäune um die Bäume zu schützen.

Das alles dürfte zuerst Folgen für die Jagd haben. Nächste Woche verabschiedet die Regierung laut dem Amt für Jagd und Fischerei die Jagdbetriebsvorschriften und damit auch die Abschusspläne der Jagd im Herbst.

* In der Sendung Regionaljournal Graubünden vom 24. Juni) hiess es fälschlicherweise, die Überschreitung der 25 Prozent sei ein Verstoss gegen das Eidgenössische Waldgesetz. Das ist nicht korrekt. Der Wert von 25 Prozent ist in der kantonalen Jagdverordnung festgehalten.

Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Wer A sagt muss auch B machen. Ohne Wolf u. Luchs muss der Mensch ran u. verhindern, dass das Wild nicht bequemstens und übermässig Jungwald verbeisst. Selber Schuld. Verblendete, oberflächlich denkende Tierschützer vergessen immer, dass Ökosysteme objektiv betrachtet wesentlich wichtiger sind als einzelne Tiere zu grosser Bestände, welche sie hervorbringen. Diese Ökosysteme sind prioritär zu schützen, auch mit Abschüssen. Alternative: Waldsterben u. zu Hauf elends verhungernde Tiere im Winter.
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  • Kommentar von Rudolf Küng  (Rudolf Küng)
    Warum wollen denn die Bündner die Wölfe abschiessen? Diese sind das beste und natürlichste Mittel gegen Wildverbiss. Und die Schafe muss man halt schützen, gegen die Wölfe wie gegen andere Naturgefahren. Die Kosten übernimmt der Staat.
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  • Kommentar von Pia Müller  (PiMu)
    Wir machen es uns schon sehr einfach. Jetzt ist wieder das Wild allein schuld - nur nie der Mensch. Also Abschuss frei ! Keiner denkt an die Luftverschmutzung, den Stress, Unruhe für das Wild in den heutigen Wäldern (Biker, Wanderer, Skifahrer, unaufbesichtigte Hunde etc. etc.), kaum grosse Flächen mehr mit zusammenhängenden Wäldern.
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