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Neues Spital am Bahnhof Luzern Eintreten, operieren – und am gleichen Tag heimgehen

Die Klinik St. Anna eröffnet ein ambulantes Operationszentrum. Sie setzt so die Strategie «ambulant vor stationär» um.

Nach der Devise «ambulant vor stationär» sollen Operationen im Kanton Luzern wann immer möglich ohne Übernachtung im Spital stattfinden. Das entlastet den Kanton, da er bei solchen Behandlungen keine Kosten übernehmen muss – die Kosten gehen zulasten der Krankenkassen. Bei stationären Aufenthalten mit Übernachtung teilen sich Kanton und Kasse die Kosten je zur Hälfte.

Die Hirslanden-Klinik St. Anna richtet sich in ihrem neuen Operationszentrum am Bahnhof Luzern voll auf ambulante Eingriffe aus – wie sie beispielsweise bei grauem Star, Krampfadern oder Kniespiegelungen gemacht werden. Für 5 Millionen Franken hat sie dafür ein kompaktes Operationszentrum mit zwei Operationssälen, einem Eingriffsraum und einer Tagesklinik für die Nachbetreuung gebaut.

Die Klinik rechnet damit, dass sie in der Anfangsphase des neuen Operationszentrums jährlich rund 4000 Eingriffe durchführen wird. Dabei sind beispielsweise Schmerztherapien, wie Spritzen für Rheumapatienten, eingerechnet.

Das ambulante Operieren ist quasi immer noch ein Nischengeschäft.
Autor: Matthias WisslerLeiter St. Anna Bahnhof Luzern

Trotz der imposanten Zahl sagt Matthias Wissler, der Leiter des St.-Anna-Standorts am Bahnhof Luzern: «Das ambulante Operieren ist quasi immer noch ein Nischengeschäft. Aber es ist klar, dass dieser Bereich zunehmen wird, denn er entspricht einem Trend in der Medizin.»

Kurze Wege – tiefere Kosten

Was beim Besuch des fast fertigen Operationszentrums auffällt: Die verschiedenen Bereiche sind bloss ein paar wenige Schritte voneinander entfernt. Von der Garderobe zum Vorbereitungsraum, wo Infusionen gelegt und Narkosen verabreicht werden, muss lediglich ein Gang überquert werden – ebenso schnell ist man im Operationssaal.

«Diese kurzen Wege sind das A und O unseres neuen Operationszentrums», sagt Matthias Wissler. Anders als in einem herkömmlichen Spital, müssten hier die Patienten nicht «durch’s halbe Spital geschoben» werden. Entsprechend könne Zeit und Personalaufwand eingespart werden. Das müssten sie zwangsläufig, da die Tarife für ambulante Eingriffe vergleichsweise tief seien. «Das machen wir mit der Menge und der Geschwindigkeit wett», so Wissler weiter.

Spitäler verdienen eher an stationären Eingriffen

Wenn diese vom Kanton geforderten, ambulanten Eingriffe am Hauptstandort in Luzern durchgeführt werden, sei dies nicht kostendeckend möglich – auch weil die Operationssäle dort auf komplexere Eingriffe ausgerichtet seien. Eingriffe, die nicht ambulant durchgeführt werden.

Verschafft sich die St. Anna Klinik also durch den Ausbau am Bahnhof eine Entlastung am Hauptstandort, um dort mehr komplexere und teurere Operationen durchführen zu können? Matthias Wissler sagt dazu: «Es geht uns hier nicht primär ums Geld. Wir möchten die ganze Palette medizinischer Behandlungen anbieten können. Aber es ist schon so, dass die Spitäler ihr Geld im Moment mit stationären Eingriffen verdienen und nicht mit ambulanten.»

Während es beim Kanton Luzern gut ankommt, wenn Spitäler und Kliniken die Strategie «ambulant vor stationär» konsequent umsetzen, wird diese von den Krankenkassen kritisch beäugt. Bei der CSS beispielsweise findet man es zwar gut, dass so grundsätzlich Kosten gespart werden können.

Kostenverschiebung und Bettenabbau

Matthias Schenker, Leiter Gesundheitspolitik bei der CSS, sagt aber: Andererseits würden die Kosten momentan zulasten der Versicherungen verschoben – also auf die Patientinnen und Patienten. Die Kassen fordern darum ein neues Finanzierungssystem. Über ein solches diskutiert das Bundesparlament im Moment.

Ein weiterer Punkt: Wenn Spitäler den ambulanten Bereich ausbauen, müssten sie im Gegenzug Betten abbauen, so die Forderung der Krankenkassen. Hier hält Matthias Wissler entgegen: «Wir brauchen die Betten. Denn sie sind momentan gut ausgelastet – auch beim Kantonsspital. Kommt dazu, dass wir beispielsweise während der Grippe-Saison oftmals voll ausgelastet sind; ja gar zu wenig Betten haben.»

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr; schl

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Albrecht Lauener (LebendigeEthik)
    Das tönt ja schon Hirnverbrannt: «Das ambulante Operieren ist quasi immer noch ein Nischengeschäft»! Man höre und staune; Nischengeschäft! Eigentlich sollte doch die etablierte Medizin eine Hilfe-Dienstleistung sein ohne jegliches Geschäftsmodell! Da brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Kosten im CH-Gesundheitswesen explodieren; "jeder wittert ja sein Geschäft"; wie bei den Krankenkassen... BR-Maurer sagte vor Jahren; die Kassen brauche Konkurrenz...! Für was...? Als Dienstleister...
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  • Kommentar von Angelina Horber-Marinello (Angelina Horber-Marinello)
    Solange es kein Notfall-Spitexdienst wie im Thurgau gibt, kommt es absehbar zu Hospitalisierungen nach solchen Eingriffen. Meist schließen die Ambulatorien um 19:00, und dann? Vor allem bei allein stehenden Patienten muss die Nachversorgung Zuhause gewährleistet sein. Kosten sparen -gerne, aber mit Weitsicht und korrekter Planung!
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Das kann gutgehen, aber was ist bei alleinstehenden Personen? sind die Ärzte sicher dass sich keine Komplikationen eistellen? Jeder Mensch ist verschieden und reagiert anders. Nur der Koste wegen, sollten keine waghalsigen Experimente gemacht werden, man muss sicher sein.
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