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Verfrühter Alpabzug Alpen sind zu trocken für die Kühe

Die Trockenheit setzt den Bauern zu. In der Zentralschweiz brechen deshalb viele den Alpsommer vorzeitig ab – trotz des finanziellen Risikos. Besuch bei einem Betroffenen.

Legende: Audio Die Kühe von der Alp Schwandenring im Kanton Schwyz müssen frühzeitig ins Tal zurück abspielen. Laufzeit 03:52 Minuten.
03:52 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 07.08.2018.

Gemütlich grasen die 25 Kühe auf der Alp Schwandenring im Gebiet Wildspitz im Kanton Schwyz vor sich hin. Viel zu fressen haben sie allerdings nicht. Hier, auf rund 1500 Metern über Meer, wo normalerweise um diese Jahreszeit saftiges Gras wächst, sind nur braune Flecken zu sehen.

Älpler Erich Ott schüttelt den Kopf. «Dort wo das Gras wirklich verbrannt ist, wird wohl auch nichts mehr wachsen. Auf unserer Alp im Schwandenring ist es wirklich ganz verreckt.»

Älpler Erich Ott
Legende: Erich Ott fügt sich dem Schicksal und lässt die Kühe abziehen. SRF

Alpabzug kommt sechs Wochen zu früh

Bis Ende der Woche müssen die Kühe wieder ins Tal – rund eineinhalb Monate früher als geplant. Ott hat die Besitzer der Kühe aufgefordert, diese bei ihm auf der Alp abzuholen. «Es bringt nichts, die Kühe auf der Alp zu lassen, wenn danach der Bauer kommt und sagt ‹Die sind ja mager und nicht zwääg›.» Zumindest die grösseren Tiere müssten jetzt zurück ins Tal.

Er habe alles versucht; zusätzliches Futter transportierte er auf die Alp, die Weideparzellen teilte er so ein, dass das Gras möglichst lange reicht – vergebens. Und als dann auch noch die Viehtränken im steilen Gelände immer weniger Wasser führten, sei für ihn klar gewesen, dass er den Alpsommer vorzeitig abbrechen müsse.

Kühe grasem auf trockenen Weiden
Legende: Das Fressen für die Kühe auf der Alp Schwandenring wird knapp. SRF

Vor diesem Entscheid stehen im Moment viele Älpler, wie eine Umfrage in verschiedenen Zentralschweizer Kantonen zeigt. Diese Älpler erhalten dann allerdings weniger Sömmerungsbeiträge vom Bund, weil sie nicht auf die geforderte Anzahl Alptage kommen – so auch Erich Ott.

Legende: Video Aus den Brunnen kommt kaum noch Wasser abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.08.2018.

Er hat deshalb beim Kanton Schwyz und bei der Korporation, der die Alp gehört, um Kompensation angefragt. Trotz allem will er nicht hadern: «Das ist die Natur; da kann weder der Älpler noch der Bauer etwas dafür.» Er hat die Hoffnung, dass der nächste Alpsommer besser wird. Den Hitzesommer 2018 werde er aber bestimmt noch lange in Erinnerung behalten.

Situation auf dem Futtermarkt

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Am Montag hat der Bund bekannt gegeben, die Import-Zölle für Heu und Silomais zu senken. Der Präsident des Schweizerischen Raufutterverbandes, Ruedy Zgraggen hat Verständnis für die Massnahme des Bundes. Er sieht es als Zeichen der Solidarität für die Bauern, warnt aber vor Panikmache. Es könne auch gefährlich werden, wenn Hamsterkäufe stattfänden und dies den Preis weiter nach oben drücken würde.

Raufutterimporte kommen vor allem aus Deutschland, Frankreich und Italien. Doch auch in diesen Ländern herrscht Trockenheit.

Wie sich die Situation auf dem Futtermarkt genau präsentiere, könne man aber erst am Ende der Vegetationszeit im November sagen, meint Zgraggen gegenüber SRF News. Zudem habe die Ernte von Mais und Rüben noch gar nicht stattgefunden.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr; joel

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12 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Von einigen wird hier der Sinn der Alpwirtschaft generell in Frage gestellt.Unsere so geliebte Gebirgslandschaft ist ein Produkt dieser jahrhundertealten Tradition,und die darf etwas kosten.Wo würde ich sonst die geliebten div.Alpkäse herkriegen?Das sind echte Luxusprodukte,die nur an wenigen Orten auf der Welt zu bekommen sind.Hier kriege ich sie im Dorfladen.
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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Die Alptradition gehört in die Heidi-Nostalgie, wir alle passen uns oft unmerklich an neue Situationen an. Vielleicht müsste man in der Landw. die Produktion wieder vielfältiger gestalten, so dass jeder für sich und seine unmittelbare Nachbarschaft und die Dorfkäserei-Läden ein breitgefächertes Angebot hat. Weniger Massenpr., weniger Transporte, etc., dafür mehr Qualität! - Aus Situationen lernen! Mehr und mehr werde auch ich zur Vegetarierin, die Lust auf Fleisch vergeht mir bei gew. Bildern.
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  • Kommentar von Christian Perler (Chrigu-Bergschreck)
    Stimmt sicher nicht für alle Regionen. Z.B. im Kiental (BernerOberland) sieht das ganze anders aus. Ich würde mir vom SRF Team doch mal eine Gesamtberichterstattung über alle Regionen wünschen, damit die Leserinnen und Leser einen besseren Eindruck der Lage bekommen.
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