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Legende: Video Belastetes Grundwasser: Gemeinden kritisieren Kanton abspielen. Laufzeit 03:50 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 05.09.2019.
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Chlorothalonil-Verschmutzung Fungizid im Grundwasser: Zürcher Gemeinden kritisieren Kanton

28 Zürcher Gemeinden haben eine erhöhte Grundwasserbelastung, wurden vom Kanton aber erst kürzlich darüber informiert.

Ein Aufruhr ging durch den Kanton Zürich, als der «Tages-Anzeiger» diese Woche Zahlen zur Grundwasserqualität veröffentlichte. Der Kanton wusste schon länger um die erhöhte Grundwasserbelastung in 28 Gemeinden, die Gemeinden selbst wurden aber erst kürzlich informiert. Dies sorgt für Kritik.

In Andelfingen im Zürcher Weinland plätschert seit dieser Woche kein Wasser mehr aus den Dorfbrunnen. Denn sie werden direkt aus dem Grundwasser gespeist – und dieses weist zu hohe Werte eines Fungizid-Abbauprodukts auf, als dass es bedenkenlos von Passanten getrunken werden dürfte.

Konkret geht es um Chlorothalonil, welches im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Eine Obergrenze im Trinkwasser hat der Bund dieses Jahr neu festgelegt.

Resultate lagen im Juli vor

Die Trockenlegung veranlasst hat Gemeindepräsident Hansruedi Jucker. Er ärgert sich, dass er vom Kanton erst vergangene Woche über die Mess-Befunde informiert wurde, obwohl die Resultate bereits seit Mitte Juli vorlagen. Offenbar wollte das zuständige Amt verhindern, dass die Gemeinden erst aus der Zeitung von den Belastungen im Grundwasser erfahren.

«Dass der Kanton die Informationen so lange zurückgehalten hat, stört uns enorm. Das Trinkwasser in den Haushalten ist ja nicht betroffen, aber durch diese kurzfristige Feuerwehrübung entstand bei uns Gemeinden enorm viel Unsicherheit.»

Kanton erklärt sich

Beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser und Energie – kurz AWEL – verweist man auf das Kantonale Labor, welches für die Sicherheit des Trinkwassers zuständig ist.

Kantonschemiker Martin Brunner vom Kantonalen Labor verteidigt die Kommunikationsstrategie des Kantons. Trinkwasser setze sich meist aus einer Mischung von Grund- und Quell- oder Seewasser zusammen. Das bedeute, dass das Labor trotz der erhöhten Werte im Grundwasser zusätzlich isoliert das Trinkwasser untersuchen müsse, bevor es aktiv die betroffenen Gemeinden informieren könne.

Schweigepflicht per Gesetz

Die Messungen seien zeitaufwändig und man habe gezielt bei den Gemeinden angefangen, wo erhöhte Werte im Grundwasser festgestellt wurden. Messwerte aktiv öffentlich zu kommunizieren widerspreche zudem der Schweigepflicht, welche im Bundesgesetz über Lebensmittel festgeschrieben sei.

Und aktive Kommunikation finde durchaus statt, so habe man Anfang Woche die Gemeinde Trüllikon informiert, dass die Chlorothalonil-Grenzwerte im Trinkwasser überschritten worden seien. Die Weinländer Gemeinde hat reagiert und die betroffene Quelle vom Netz genommen.

Verband verlangt Verbesserungen

Diese Erklärungen überzeugen Jörg Kündig, Präsident des Gemeindepräsidentenverbandes Kanton Zürich, allerdings nur beschränkt. Auch seine eigene Gemeinde Gossau ist betroffen von überhöhten Werten im Grundwasser, und auch dort sei man von den kurzfristig kommunizierten Werten überrascht worden.

Dass der Kanton die Informationen zurückgehalten habe, sei sehr unglücklich. «Wir werden als Verband die Kommunikation mit dem Kanton besprechen müssen – denn wenn man von Anfang an offensiver kommuniziert und damit der Öffentlichkeit auch aufgezeigt hätte, dass hohe Werte im Grundwasser nicht automatisch eine Gefahr für das Trinkwasser darstellen, wäre ein grosser Teil der momentan vorherrschenden Unsicherheit gar nie erst entstanden.»

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Iten  (Bauer der ältere)
    Hat es dort in der Nähe einen Schrebergarten?
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Nicht zum Thema Gewässerschutz, aber als Hinweis darauf, wie's offenbar anderswo in der Landwirtschaft geht: Uruguay hat bereits vor vierzig Jahren den Gebrauch von Antibiotika für die Aufzucht von Vieh verboten. Auch sämtliche Wachstumsbeschleuniger und Hormone sind dort in der Rinder-, der Schweine- und der Schafzucht verboten. Man erkläre mir doch bitte, weshalb in der Schweiz nicht möglich sein soll, was in Uruguay seit 40 (!) Jahren praktiziert wird.
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Wer zahlt, befiehlt! Angesichts der vielen Milliarden Franken, mit denen die CH-Landwirtschaft seit Jahrzehnten Jahr für Jahr alimentiert wird, kann ich schlichtweg nicht nachvollziehen, weshalb unsere Behörden immer wieder einen grossen Bogen um die vermeintlich heissen Kartoffeln machen. Verbote sind zwingend nötig, wenn Bauern offenbar hemmungslos und systematisch unsere Umwelt vergiften. Beim Umweltschutz funktioniert Eigenverantwortung nachgewiesenermassen bei vielen unserer Bauern nicht.
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