Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Der Bauernverbandspräsident nimmt Stellung zum Bericht abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
Aus 10vor10 vom 15.08.2019.
Inhalt

Schlechte Grundwasserqualität «Überdüngung ist ein schlechtes Geschäft für den Bauern»

Ein Bericht des Bundesamtes für Umwelt zeigt: Das Grundwasser, Lieferant von 80 Prozent unseres Trinkwassers, ist vielerorts «verbreitet und nachhaltig» belastet. Grenzwerte für Dünger- und Pestizid-Rückstände werden teils deutlich überschritten. Welche Verantwortung tragen die Bauern? Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands, nimmt Stellung.

Markus Ritter

Markus Ritter

Präsident Schweizer Bauernverband

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der St. Galler Markus Ritter ist Nationalrat (CVP) und präsidiert seit 2012 den Schweizer Bauernverband.

SRF News: Der Bericht zeigt schwarz auf weiss: Die Qualität des Grundwassers ist gefährdet. Die Landwirtschaft kann nicht weitermachen wie bisher.

Markus Ritter: Der Bericht sagt aber auch, dass wir in der Schweiz hervorragendes Trinkwasser haben. Und man hat auch bei 98 Prozent der Messstellen festgestellt, dass die Grenzwerte bei den Pflanzenschutzmitteln eingehalten werden.

Gleichzeitig spricht der Bericht über zu viel Nitrat im Boden. Ein klares Resultat von Überdüngung.

Das ist nicht ein Resultat von Überdüngung, sondern von Ausschwemmung. Schweizer Bauern müssen die pflanzengerechte Nährstoffversorgung sicherstellen. Dazu ist ein gezielter Einsatz von Dünger wichtig.

Überdüngung ist ein schlechtes Geschäft für Bauern.

Bei starken Niederschlägen kann es passieren, dass Nährstoffe ausgeschwemmt werden und ins Grundwasser geraten. Das ist ganz klar nicht das Ziel, und das wollen wir auch verhindern.

Also weitermachen wie bisher?

Nein. Wir wollen sicher besser werden in all den angesprochenen Bereichen. Und wir haben auch die nötigen Instrumente dazu, die der Bundesrat beschlossen hat. Zum Beispiel den Aktionsplan Pflanzenschutz. Er ist seit Herbst 2017 in Kraft und beinhaltet 51 Massnahmen, um die Risiken der Pflanzenschutzmittel zu halbieren. Der ist voll in der Umsetzung.

Nochmals, der Bericht spricht von Überdüngung – und zwar durch Bauern.

Überdüngung ist ein schlechtes Geschäft für Bauern. Und auch für die Pflanzen. Wir brauchen eine genaue Düngung, um optimale Erträge zu erzielen. Dafür gibt es Düngungsplanungen. Und da haben die Bauern ein grosses Interesse daran, diese Pläne einzuhalten.

Boden, Luft und Wasser sind unsere natürlichen Ressourcen und Produktionsfaktoren. Dazu wollen auch wir Sorge tragen.

Überdüngungen sind zudem nicht möglich, auch wenn der Bauer plötzlich viel mehr Tiere als Boden hat. Dann muss er den Dünger wegführen zu anderen Bauern, die die entsprechende Fläche haben, wo dieser Dünger eingesetzt werden kann.

Geht es nicht auch mit weniger Dünger?

Wenn man weniger düngt, als die Pflanzen brauchen, wachsen sie weniger. Es gibt dann nicht die optimalen Erträge. Und da muss der Bauer auch zusehen, dass am Schluss für ihn die Rechnung aufgeht.

Was ist wichtiger: Ertrag oder sauberes Trinkwasser?

Beides. Sauberes Trinkwasser und optimale Erträge, die die Kosten decken. Da gibt es einen Zielkonflikt.

Die Schweizer bringen der Landwirtschaft viel Vertrauen entgegen: Man zahlt mehr für Schweizer Produkte, und man zahlt als Steuerzahler Milliarden – dafür erwartet man aber einen sanften Umgang mit Natur und Boden.

Das ist auch in unserem Interesse: Boden, Luft und Wasser sind unsere natürlichen Ressourcen und Produktionsfaktoren. Dazu wollen auch wir Sorge tragen. Aber es ist halt möglich, dass mit diesen ganz präzisen Messverfahren auch gewisse Messstellen belastet sind. Da wollen wir besser werden, das ist auch unsere Aufgabe. Und da will die Landwirtschaft Hand bieten – zusammen mit dem Bund – diese Ziele zu erreichen.

Das Gespräch führte Arthur Honegger.

Grundwasserverschmutzung
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

62 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Andreas Iten  (Bauer der ältere)
    Der Bauer soll wirtschaftlicher denken, er soll tierfreundlicher, grüner, sparsamer, billiger, besser usw. werden!
    Leute, hört euch mal selber an! All die Forderungen die ihr stellt, die ihr selber nicht einhaltet. Ihr fliegt in der Welt rum, schluckt Hormone,fährt SUVs, treibt exklusive Freitzeitaktivitäten, kauft immer Top Marken Kleider, und fordert noch mehr Wohlstand.
    He, die Bauern arbeiten 60-70 Std. die Woche, an 7 Tagen, ohne 13 er und ohne 2. Säule.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Doris Loegel  (Doris Loegel)
    Ein Affront sondergleichen von Markus Ritter, dass er im Gespräch mit Arthur Honegger als Erstes vom immer noch hervorragenden Trinkwasser spricht, wo doch grossteils das Gegenteil bewiesen ist! Ich dachte, ich habe mich verhört! Seine Schutzhaltung gegenüber der Ablehnung der Trinkwasserinitiative im Nationalrat geht auf die gleiche Kappe. Und so einer will Bio-Bauer sein! Unglaublich! Mein Vertrauen in ihn und die anderen Pestizid-Landwirte ist im Keller. Ich bin sowas von enttäuscht!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Fritz Zobrist  (fjzo)
    Herr Ritter, sie haben recht, Überdüngung aber auch Pestizide sind für die Landwirtschaft ein schlechtes Geschäft. Nur sehr viele Bauern bemerken es nicht, weil das Geld in viel zu grossen Mengen vom Bund fliesst.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen