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Zürich Schaffhausen Fall Flaach: Gutachten entlastet Kesb – Kritik an Kommunikation

Das psychiatrische Gutachten zum Tötungsdelikt attestiert der Mutter einen instabilen Realitätsbezug und Geltungssucht. Die «Extremtat» sei in der Persönlichkeit der Mutter angelegt gewesen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) hätte jedoch ihren Tötungsplan nicht erkennen können.

Viele Journalisten an der Medienkonferenz.
Legende: Medienzentrum Walche: Grosses Interesse an den Ausführungen der Experten. Keystone

Nach der Aufarbeitung des Falls Flaach kommt das psychiatrische Gutachten zum Schluss, dass ein «instabiler Realitätsbezug und die Geltungssucht» der Mutter zur Tötung ihrer beiden Kinder geführt hat. Die Behörden hätten diese Eskalation aber nicht voraussehen können.

Existenzieller Machtkampf

Gerichtspsychiater Frank Urbaniok sprach vor den Medien von einer Extremtat, die in der Persönlichkeit der Mutter angelegt gewesen sei. Durch die Wegnahme der Kinder habe für sie ein «existenzieller Machtkampf» begonnen.

Daraus sei der Plan entstanden, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) die Kinder zu entziehen, indem sie diese tötet. Die Kesb-Verantwortlichen hätten diesen Tötungsplan aber nicht erkennen können.

Schwächen bei der Kommunikation

Zu diesem Schluss kommt auch ein zweites Gutachten: Zwischen der Handlungsweise der Kesb und der Tat der Mutter gebe es keinen ursächlichen Zusammenhang. Die Gutachter stellten aber Schwächen im Verfahren fest, vor allem bei der Kommunikation mit den Betroffenen.

Die Direktion der Justiz und des Innern gibt den 13 Zürcher Kesb nun verschiedene Massnahmen zur weiteren Verbesserung ihrer Arbeit vor.

Sohn und Tochter getötet

Die 27-jährige Mutter hatte am Neujahrstag 2015 ihren fünfjährigen Sohn und die zweijährige Tochter in ihrem Wohnhaus in Flaach (ZH) erstickt. Sie hätte die beiden Kinder in den darauffolgenden Tagen ins Heim zurückbringen müssen, wo diese seit einigen Wochen lebten.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondentin Brigit Weibel zum Fall Flaach abspielen. Laufzeit 03:05 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.01.2016.

Die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde hatte den Eltern zwei Monate zuvor die Obhut über ihre Kinder entzogen. Grund dafür war eine Gefährdungsmeldung gewesen. Kurz darauf waren der Mann und die Frau wegen Verdachts auf Betrug verhaftet worden.

Nach der Entlassung aus der U-Haft durfte die Mutter ihre Kinder im Heim besuchen und sie vor Weihnachten vorübergehend nach Hause nehmen. Als sie erfuhr, dass ihr Antrag, die Kinder auch nach den Festtagen bei sich zu behalten, abgelehnt wurde, tötete sie die beiden. Nachdem sie die Polizei alarmiert hatte, fügte sie sich selber schwere Verletzungen zu.

Beispiellose Diskussion in der Öffentlichkeit

Der Fall hatte in der Öffentlichkeit eine beispiellose Diskussion über die Arbeit der Kesb ausgelöst. Den Höhepunkt fand diese, als die 27-Jährige sich am 8. August in ihrer Zelle das Leben nahm. Neben der Kesb geriet dadurch auch das Zürcher Amt für Justizvollzug in die Kritik.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von David Brunner (dbw)
    Die Kesb ist da, um zu helfen, nicht um Tötungspläne zu erkennen, und schon gar nicht, um Tötungspläne zu induzieren, aber genau das tat die Kesb. Verkennung von Realität und Geltungssucht kann jedem gelegentlich zugeschrieben werden. Auch weitere Ausführungen des Psychiaters sind lapidar und soweit zutreffend der Beweis für die fachliche und soziale Inkompetenz der Kesb. Machtwillkür und Kindesentzug führen auch gesunde Menschen in den Ausnahmezustand. Was die Behörde tat, war grobfahrlässig.
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  • Kommentar von Mike Konia (Mike Konia)
    Gefälliger geht’s nicht mehr. Kinder und Mutter wären heute noch am Leben – das ist keine Frage –, hätte die Behörde nicht eine derart unverhältnismässige Massnahme, wie die Wegnahme der Kinder allein auf Grund eines straffälligen Verhaltens der Eltern, in die Wege geleitet. Dass die KESB nun mit diesem Untersuchungsbericht praktisch reingewaschen wurde, erachte ich als skandalös.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Psychiater, linke Regierungsmitglieder und Familienexperten decken selbstverständlich Sozialbehörden und deren Einrichtungen! Die "KESB" wäre doch genau für solche schwierige Abklärungen und Massnahmen zuständig und verantwortlich! Nach wie vor teile ich diese Schuldlosigkeit der KESB nicht! Hier hätte dieses schreckliche Drama verhindert werden können, wenn sich die gutbezahlten Sozialarbeiter näher und intensiv mit dieser Mutter (und ganzen Familie) informiert und verhalten hätte!
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