Guglielmo Brentel: «Jeder Baum gibt Schatten»

Seit Juli wacht der 60-jährige Guglielmo Brentel als Präsident über die Geschäfte von Zürich Tourismus. Als Hotelier blickt er zuversichtlich in die Zukunft, trotz starkem Franken und weiterer Konkurrenz im Luxussegment. Damit das so bleibt, müsse das Gesamtangebot stimmen.

Es ist härter geworden im Tourismusgeschäft. Der starke Franken hat die Übernachtungspreise für ausländische Gäste auf einen Schlag verteuert und mit dem Hotel Atlantis wirbt seit dieser Woche ein neues Luxushaus um zahlungskräftige Besucher. Doch der 60-jährige Hotelier und Präsident von Zürich Tourismus, Guglielmo Brentel, bleibt gelassen.

Eine Aufwertung für die gesamte Destination Zürich

Das Atlantis sei in erster Linie eine Bereicherung für Zürich, glaubt er. Die zusätzlichen 90 Betten in der 5-Sterne-Kategorie könnten vom Markt «geschluckt» werden, also ihre Abnehmer finden. Gibt es also gar kein Verdrängungskampf? «Jeder Baum gibt Schatten», antwortet Guglielmo Brentel. Doch primär belebe jede Konkurrenz die Hotellandschaft - im besten Fall werde die Gesamtdestination Zürich aufgewertet, was wiederum zu insgesamt mehr Gästen führt - also wieder alle davon profitieren könnten.

Den Hotels in Zürich mache der starke Franken ausserdem weniger stark zu schaffen als etwa den Bergkantonen. Die Bereiche Geschäfts- und Kongresstourismus seien nämlich weniger Preissensibel. Aber der Preisdruck sei spürbar, obwohl die Zahl der Logiernächte nicht zurückgegangen sei.

FIFA für Zürich wichtig und willkommen

Für Schlagzeilen sorgte diese Woche auch das Nobelhotel Baur au Lac, wo erneut zwei FIFA-Funktionäre verhaftet wurden. Guglielmo Brentel sagt: «Das Hotel Baur au Lac hat alles richtig gemacht.» Für den Ruf eines Hotels dürfe man einen solchen Polizeieinsatz nicht überbewerten. Solange sich alle sich korrekt verhalten würden, was ja der Fall gewesen sein, würden solche Verhaftungen kein schlechtes Licht auf Zürich werfen.

Zürich Tourismus-Präsident Guglielmo Brentel wehrt sich auch dagegen, die FIFA generell als korrupte Organisation hinzustellen und vorzuverurteilen. Der Weltfussballverband sei für Zürich wichtig und sehr willkommen. Zusammen mit Institutionen wie der ETH Zürich, dem Opernhaus, den vielen Museen mache auch die FIFA Zürich attraktiv. Nicht zuletzt wegen dieser Vielfalt hätten Grossunternehmen wie Google oder IBM hier Standorte eröffnet, weist Guglielmo Brentel hin. Kurz: Es ist das Gesamtpaket, das Zürich als Tourismus-Standort so attraktiv macht.

(simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)