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Zürich wählt Wer bleibt im Zürcher Stadtrat?

In der Stadt Zürich kämpfen sechs bisherige Stadträtinnen und Stadträte um ihre Wiederwahl. Was haben sie erreicht, was nicht? Was sind ihre Visionen und Ziele? Im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» stehen sie Red und Antwort.

Raphael Golta (SP), Sozialvorsteher

Raphael Golta (SP) Sozialvorsteher der Stadt Zürich.
Legende: Raphael Golta liest gerne Autobiografien von US-Präsidenten. Auf jene von Donald Trump würde er aber verzichten. ZVG/STADT ZUERICH

2014 wurde der gebürtige Stadtzürcher in den Stadtrat gewählt, mit 42 Jahren ist er der jüngste Zürcher Stadtrat. Der Vater von zwei kleinen Kindern hat in den letzten vier Jahren den Ausbau der Kinderbetreuung vorangetrieben. In der Sozialhilfe fordert Raphael Golta ein Umdenken: Man müsse akzeptieren, sagt er, dass nicht alle Sozialhilfebezüger in den Arbeitsmarkt zurückfinden. Als Sozialvorsteher sei er dafür verantwortlich, dass es auch den Schwächsten gut gehe und nicht nur den Gutverdienenden.

Eine Niederlage erlitt Raphael Golta im Kampf gegen den Sozialhilfe-Stopp für vorläufig Aufgenommene. Selbst in der Stadt Zürich waren die Stimmberechtigten dafür, vorläufig aufgenommenen Asylbewerbern die Sozialhilfe zu streichen. Golta befürchtet dadurch Mehrkosten für die Stadt. Nach vier «extrem spannenden Jahren» möchte Golta in der nächsten Amtsperiode die Stadt «weiter vorwärts bringen».

Daniel Leupi (Grüne), Finanzvorsteher

Daniel Leupi (Grüne)
Legende: Der Zürcher Finanzvorsteher wurde mit seinem Engagement gegen die USR III weit über die Stadt Zürich hinaus bekannt. ZVG/STADT ZÜRICH

2013 wurde der damalige Polizeivorsteher von seinen Amtskollegen ins Finanzdepartement versetzt: Leupi tat sich zunächst schwer damit, die ersten zwei Jahre seien extrem anstrengend gewesen, gab er in einem Interview zu Protokoll. Danach fand er Gefallen am Amt.

Als Finanzvorsteher kann er auf eine gut gefüllte Kasse verweisen: Die Finanzen der Stadt haben sich erholt, die Steuereinnahmen sprudeln. Allerdings nahm in den letzten zehn Jahren auch die Verschuldung zu, von 3,8 auf 5,5 Milliarden Franken. Dank langfristiger Darlehen und Schuldenabbau würde die durchschnittliche Zinslast der Stadt kaum ansteigen, auch wenn die Zinsen auf dem Markt teurer würden, sagt Daniel Leupi im Interview.

Filippo Leutenegger (FDP), Tiefbauvorsteher

Stadtrat Filippo Leutenegger posiert für ein Foto mit Touristinnen und Touristen.
Legende: Filippo Leutenegger geniesst auch mal ein Bad in der Menge. ZVG/STADT ZÜRICH

Der 65-jährige Filippo Leutenegger denkt nicht daran in Rente zu gehen, stattdessen versucht er noch einmal, das Stadtpräsidium zu erobern. Er nimmt für sich in Anspruch, mehr Velowege eröffnet zu haben als seine Vorgängerin Ruth Genner (Grüne).

Leutenegger gilt als Mann der Tat und präsentiert viele Ideen. Dass mal «etwas in die Hose geht», wie er selbst sagt, findet er nicht weiter tragisch. Für negative Schlagzeilen im Tiefbauamt sorgte die dubiose Führung beim ERZ (Entsorgung und Recycling Zürich). Leutenegger entliess den Amtschef nach einigem Zögern. Er ist der Meinung, dass sich die Stadt jetzt rüsten muss, um gewappnet zu sein für schlechtere Zeiten.

Corine Mauch (SP), Stadtpräsidentin

Corine Mauch (SP)
Legende: Gleich zwei Kandidaten machen Corine Mauch das Stadtpräsidium streitig. Sie gibt sich betont gelassen. ZVG/CORINE MAUCH

Seit acht Jahren präsidiert Corine Mauch die Stadt Zürich. Selbst politische Gegner attestieren ihr, dass sie das gut mache. Den anfänglichen Ruf als «graue Mauch» liess sie rasch hinter sich. Mit Verve engagiert sich die Stadtpräsidentin für kulturelle Angelegenheiten. Darüber hinaus seien ihre Visionen für die Stadt aber wenig greifbar, monieren bürgerliche Kritiker. Sie verwalte, statt zu gestalten.

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Corine Mauch. Zürich wachse und entwickle sich prächtig. Nun gelte es, die hohe Qualität zu halten. Das heisse auch, dass der Stadtrat investieren müsse. Kritik, rot-grün gebe zu viel aus, will sie deshalb nicht gelten lasse.

André Odermatt (SP), Hochbauvorsteher

André Odermatt (SP)
Legende: André Odermatt möchte auch weiterhin mitentscheiden, wie es mit der baulichen Zukunft von Zürich weitergeht. ZVG/STADT ZÜRICH

Der Wirtschaftsgeograf führt seit 2010 das Hochbaudepartement. In den letzten vier Jahren beschäftigte ihn vor allem die neue Bau- und Zonenordnung (BZO) der Stadt Zürich. Diese wurde zunächst vom Gemeinderat, später auch vom Kanton weitestgehend gutgeheissen. Odermatt spricht von einer «BZO mit Augenmass», die eine qualitativ gute Entwicklung ermögliche. Bürgerliche Kritiker werfen ihm vor, sie sei mutlos, weil sie auf grössere Um- und Aufzonungen verzichtet.

Auf bürgerlichen Forderungen nach mehr Spielraum für private Bauherren will Odermatt aber nicht eingehen. Der Stadt sei nicht gedient, wenn überall ein Stock höher gebaut werden könne, sagt er dazu. Man würde einen Anreiz setzen, mehr und teurere Wohnungen zu bauen. Das sei einer sozialen Stadtentwicklung nicht zuträglich. Den Rekurs des Zürcher Heimatschutzes gegen die BZO versteht er nicht. «Zürich bleibt Zürich», sagt er. Das Ortsbild werde genügend geschützt.

Richard Wolff (AL), Sicherheitsvorsteher

Sicherheitssvorsteher Richard Wolff (AL) gratuliert Rettungssanitäterinnen und -sanitätern zum Diplom.
Legende: Gratulationen an frisch gebackene Rettungssanitäterinnen: Auch das gehört zum Job von Richard Wolff. ZVG/STADT ZÜRICH

Der Zürcher Sicherheitsvorsteher kam nicht ungeschoren durch die letzten vier Amtsjahre: 2013 überraschend gewählt, sorgte er danach auch für negative Schlagzeilen. So sah er lange nicht ein, dass er im Fall des «Koch-Areals» den Anschein von Befangenheit erwecken könnte, weil seine Söhne dort verkehren. Er habe die Situation auf dem Koch-Areal damals etwas unterschätzt, sagt Richard Wolff im Interview. Er müsse sich aber nichts vorwerfen lassen.

Für viel Kritik sorgte auch sein Entscheid, die Nationalität in Polizeimeldungen nicht mehr zu nennen. Von sich selbst sagt er, er suche den Dialog und finde den Draht zu allen Beteiligten. Eine Einschätzung, die Freund und Feind teilen.

Die politischen Profile der Stadträtinnen und Stadträte

Drei Stadtratssitze werden frei. Andres Türler (FDP) und Gerold Lauber (CVP) treten nicht mehr an, mitten im Wahlkampf hat auch Claudia Nielsen (SP) ihren Rückzug angekündigt. Um ihre Nachfolge bewerben sich zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten aus allen Lagern.

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