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Zürich wählt Wer zieht neu in den Stadtrat?

Zwölf Kandidatinnen und Kandidaten wollen neu einen Sitz im Zürcher Stadtrat erobern. Die neun wichtigsten stellen wir vor. Weshalb kandidieren sie? Wofür stehen sie, und wie sehen ihre Wahlchancen aus? Im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» stehen sie Red und Antwort.

Roger Bartholdi (SVP), Gemeinderat, Banker, Gewerkschafter

Roger Bartholdi (SVP)
Legende: Seit 1990 ist die SVP ohne Sitz im Zürcher Stadtrat. Roger Bartholdi (48) möchte das ändern. ZVG/ROGER BARTHOLDI

Seit 2002 politisiert Roger Bartholdi im Gemeinderat. Als Verkehrspolitiker will sich der «begeisterte Velofahrer» für alle Verkehrsteilnehmer einsetzen. Die Stadtregierung, sagt er, agiere ihm diesbezüglich zu ideologisch.

Als Vizepräsident des Schweizerischen Bankpersonalverbands setzt er sich für Personalanliegen ein. Die Finanzpolitik der Stadt Zürich findet er falsch. Die Stadtregierung gebe zu viel Geld aus und mache zu hohe Schulden.

Michael Baumer (FDP), Gemeinderat, Informatiker

Michael Baumer (FDP)
Legende: Der 43-jährige Michael Baumer will den zweiten Sitz der FDP verteidigen. ZVG/MICHAEL BAUMER

Michael Baumer ist seit 2003 im Zürcher Stadtparlament und präsidierte fünf Jahre lang die städtische FDP. Jetzt möchte er den abtretenden FDP-Stadtrat Andres Türler beerben. In den letzten Jahren hat er massgeblich dazu beigetragen, dass die neue Bau- und Zonenordnung breite Akzeptanz fand. Für ihn ist wichtig, dass jetzt über die anstehende Verdichtung diskutiert wird, und der Bevölkerung die Konsquenzen aufgezeigt werden.

Der Stadtregierung wirft er vor, bloss die Erfolge der Vergangenheit zu verwalten. Sollte er gewählt werden, will er Zürich «digital fit machen». Um mehr Wohnraum zu schaffen, würde er an Hauptachsen einen Stock höher bauen.

Susanne Brunner (SVP), Leiterin des Berner Büros von Economiesuisse

Susanne Brunner (SVP) kandiert für den Zürcher Stadtrat
Legende: Die 46-jährige Staatswissenschafterin politisierte bis 2010 für die CVP und wechselte danach zur SVP. ZVG/SUSANNE BRUNNER

Susanne Brunner möchte sich für das Gewerbe in der Stadt Zürich einsetzen. Die Präsidentin des Gewerbevereins Seefeld sagt, das Gewerbe leide unter den vielen Vorschriften der Stadt. Brunner kritisiert auch die Finanzpolitik des aktuellen Stadtrats: Wie ihr Parteikollege Roger Bartholdi ist auch sie der Meinung, die rot-grüne Regierung gebe zu viel Geld aus, mache zu hohe Schulden und sei nicht gewappnet für schlechte Zeiten.

Zum Thema Wohnungen findet Susanne Brunner, der gemeinnützige Wohnungsbau habe zwar seine Berechtigung, man solle ihn aber nicht immer weiter ausbauen. Ihr Rezept: Damit genug Wohnungen auf dem Markt kommen, würde sie Privaten mehr Spielraum lassen. Dann werde es für alle günstiger. Als SVP-Frau und Angestellte von Economiesuisse befindet sie sich in europapolitischen Fragen in einem Spannungsfeld. Wie sie zur Personenfreizügigkeit steht, will sie im Interview nicht sagen.

Andreas Hauri (GLP), Kantonsrat, Marketingleiter

Andreas Hauri (GLP
Legende: Der 51-jährige Andreas Hauri will nicht nur in den Stadtrat einziehen, sondern auch Corine Mauch vom Thron stossen. ZVG/ANDREAS HAURI

Andreas Hauri sitzt seit 2012 im Zürcher Kantonsrat. Die Zeit sei reif, findet er, dass die Grünliberalen im Zürcher Stadtrat vertreten seien. Nachdem überraschend ein dritter Sitz frei wurde, stehen die Chancen dazu besser denn je. Sich selbst bezeichnet Hauri als «progressive Ideenmaschine». Der Stadtregierung wirft er vor, sie beschränke sich aufs Verwalten.

Als Stadtrat oder Stadtpräsident würde er Themen wie Digitalisierung und Smart Mobility vorantreiben. Die Bedenken von Datenschützern, die vor Datenmissbrauch warnen, will Hauri ernst nehmen. «Was nicht sicher ist, wird nicht digitalisiert.»

Markus Hungerbühler (CVP), Gemeinderat, Historiker

Markus Hungerbühler (CVP) verteilt Flyer im Wahlkampf.
Legende: Der 43-jährige Historiker wirbt mit dem Slogan «gleiche Rechte für alle» für seine Stadtratskandidatur. ZVG/MARKUS HUNGERBÜHLER

Markus Hungerbühler sitzt seit 2011 im Zürcher Gemeinderat. Er hat die schwierige Aufgabe, den Sitz der CVP zu verteidigen: Bei den letzten Wahlen lag der Wähleranteil der Partei bei lediglich 4,6 Prozent. (Zum Vergleich: Grüne und Grünliberale liegen bei rund zehn Prozent oder leicht darüber.) Anders als noch-Stadtrat Gerold Lauber politisiert Markus Hungerbühler deutlich rechts. Die gängige Praxis, Häuserbesetzungen zu dulden bis ein Baugesuch vorliegt, ist ihm zum Beispiel ein Dorn im Auge.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Hungerbühler bekannt, als er zusammen mit seinem Lebenspartner eine amerikanische Leihmutter beanspruchte. Seit Mai 2017 ist er Vater einer Tochter. Für seine Wahlkampagne lancierte Markus Hungerbühler eine 40-seitige Lifestyle-Broschüre.

Karin Rykart (Grüne), Gemeinderätin, Soziologin, Co-Leiterin einer Waldkrippe

Karin Rykart (Grüne)
Legende: Karin Rykart(46) möchte für die Grünen den zweiten Sitz zurückerobern. ZVG/KARIN RYKART

Karin Rykart wurde 2006 in den Zürcher Gemeinderat gewählt. Die Co-Parteipräsidentin setzte sich in der internen Ausmarchung der Grünen für die Stadtratskandidatur gegen Nationalrat Bastien Girod durch.

Der Fokus der langjährigen Gemeinderätin liegt auf der Förderung von ökologischem und sozialen Wohnungsbau, sie engagiert sich aber auch für soziale Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Fürs Gewerbe will sie günstige Räume schaffen, auch Parkplätze soll es haben, aber «nicht mehr als heute». Das neue Fussballstadion auf dem Hardturm fällt bei ihr durch. Die beiden Wohntürme, sagt sie, seien zu wuchtig. Dass das Stadion anders nicht zu finanzieren ist, sieht sie gleich wie ihr Parteikollege Stadtrat Daniel Leupi. An ihrer Haltung ändert es nichts.

Eine alte Bekannte und zwei Neue von kleineren Parteien

Sie sind Aussenseiter und haben wenig bis keine Chancen auf einen Sitz im Stadtrat. Die Kandidatinnen der EVP und SP könnten aber zumindest einen Sitz im Gemeinderat holen. Beim Kandidaten der EDU scheint auch dies aussichtslos.

Nina Hüsser, Co-Präsidentin JUSO Kanton Zürich, Projektleiterin

Nina Hüsser (Juso) im Wahlkampf
Legende: Nina Hüsser ist im Zürcher Oberland verwurzelt. Mit der Stadt fühlt sie sich trotzdem verbunden. ZVB/NINA HÜSSER

Nina Hüsser möchte für die Jungsozialisten in den Stadtrat. Seit 2015 präsidiert die 23-Jährige die kantonale Juso als Co-Leiterin. Sie denkt, dass sie für das Amt eines Stadtrates gerüstet ist. Für das Amt, so Hüsser, sollte man weniger auf Erfahrung und mehr auf Mut und frische Ideen setzen.

Nina Hüsser kritisiert, dass heute die ausländische Bevölkerung keine politische Stimme habe. Sie ortet in diesem Punkt ein massives Demokratieproblem. Als Stadträtin würde sie sich auch dafür einsetzen, dass Frauen in den Ausgang gehen können, ohne belästigt zu werden.

Claudia Rabelbauer, Alt-Gemeinderätin EVP, Krippenleiterin

Claudia Rabelbauer (EVP)
Legende: Die 45-jährige Stadtratskandidatin der EVP hat in den letzten zwölf Jahren drei Kinderkrippen-Häuser aufgebaut. ZVG/CLAUDIA RABELBAUER

Claudia Rabelbauer sass von 2006 bis 2014 für die EVP im Gemeinderat. Bei den Wahlen 2014 erreichte die EVP wegen 31 fehlender Stimmen die Fünf-Prozent-Hürde nicht und verlor ihre drei Sitze im Gemeinderat. Jetzt möchte die 45-jährigen Krippenleiterin den Sitz des abtretenden Gerold Lauber (CVP) erobern. Sie würde mehr gestalten statt verwalten und das Ansehen der Schule und des Lehrerberufs vermehrt in den Fokus rücken.

Die Politik habe die Aufgabe, die Schwächsten zu tragen, sagt Rabelbauer weiter. Als Christin wolle sie sich dafür einsetzen. Im Unterschied zur SP setze sie aber vermehrt auch auf Eigenverantwortung.

Thomas Ucar, Vize-Präsident EDU Stadt Zürich ,Banker

Thomas Ucar (EDU)
Legende: Familie und Ehe sind ihm heilig: Thomas Ucar von der EDU. ZVG/THOMAS UCAR

Der 37-jährige engagiert sich für konservative Werte und die traditionelle Ehe und Familie. Seiner Ansicht nach sollten Kinder nicht extern betreut werden, die Erziehung müsse zuhause geschehen. Er wisse, dass dies dem Wunsch vieler Eltern entspreche. Er würde deshalb Familien unterstützen, die nur aus finanziellen Gründen die Kinder abgeben.

Ucar beruft sich auf die Bibel und vertritt damit radikale Positionen. Frauen, die abtreiben, würde er beispielsweise bestrafen. Für ihn steht das Wohl des Kindes über den Bedürfnissen der Frau. Auch in der Migrationspolitik würde er strenger vorgehen. Gleichzeitig will Thomas Ucar eine «offene Stadt Zürich», die Platz bietet für alle. Der Secondo mit aramäischen Wurzeln in der Südtürkei sieht darin keinen Widerspruch.

Die politischen Profile der neuen Kandidatinnen und Kandidaten

Andres Türler (FDP) und Gerold Lauber (CVP) treten nicht zur Wiederwahl an, mitten im Wahlkampf hat auch Claudia Nielsen (SP) ihren Rückzug angekündigt. Die übrigen sechs Stadträtinnen und Stadträte wollen weiterregieren.

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