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Deponie ja oder nein – die hitzige Debatte im Zürcher Kantonsrat
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 28.10.2019.
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Zum Schutz des Waldes Doch (noch) keine neue Abfalldeponie im Zürcher Oberland

Zehn Hektaren Wald sollten zu Gunsten einer Deponie gerodet werden. Der Kantonsrat bodigt die Pläne bis auf Weiteres.

Auf einer Fläche von 14 Fussballfeldern wollte der Kanton Zürich zwischen Grüningen und Gossau im Zürcher Oberland eine Abfalldeponie bauen. Im Boden des Waldes sollte Schlacke aus der Kehrrichtverbrennung eingelagert werden. Es ging dabei nicht um gefährliche Stoffe, sondern um Reste, die nach der Verbrennung von Kehricht anfallen.

Kartenausschnitt geplante Deponie
Legende: ZVG geo.admin.ch

Die zuständige Kommission im Zürcher Kantonsrat hatte sich vor einem Jahr noch für die Pläne des Kantons ausgesprochen. Nun macht das neu zusammengesetzte Parlament ihm aber einen Strich durch die Rechnung.

Entscheid um Deponie vertagt bzw. «verjährt»

Mit 140 zu 31 Stimmen befürwortet das Parlament einen Antrag der Gossauer SVP-Kantonsrätin Elisabeth Pflugshaupt. Demnach soll die Deponie erst dann gebaut werden, wenn alle anderen Deponien im Kanton voll sind. Der Baustart für die Deponie im Tägernauer Holz verzögert sich folglich um rund zehn Jahre.

Für viele Menschen ist der Wald ein fast heiliges Gut.
Autor: Elisabeth PflugshauptSVP-Kantonsrätin

Den Grünen ging der Antrag von Elisabeth Pflugshaupt zu wenig weit. Sie wollten die Deponie im Tägernauer Holz ganz streichen. Die Grünen argumentierten, dass es keinen Sinn mache Deponien zu bauen, die derzeit noch gar nicht gebraucht würden. Und sowieso brauche der Kanton Zürich keine neuen Deponien, sondern einen Plan, wie die Abfallmenge verringert werden könne.

Wir brauchen keine Deponien auf Vorrat.
Autor: Marionna SchlatterGrüne Kantonsrätin

Der Vorschlag der Grünen blieb aber chancenlos, genauso wie der Vorschlag der SP. Die SP wollte verhindern, dass das Kantonsparlament dieselbe Diskussion in ein paar Jahren – wenn die anderen Deponien voll sind – noch einmal führen muss und plädierte für den Bau einer kleineren Deponie.

Grosser Widerstand der Deponiegegner

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Schild gegen Deponie
Legende:ZVG

Anwohnerinnen und Anwohner, die umliegenden Gemeinden und Umweltschutzverbände stehen dem Deponiestandort im Zürcher Oberland seit jeher kritisch gegenüber. In den letzten Jahren gab es mehrere Demonstrationen am geplanten Standort.

Mehrere hundert Personen haben im Wald gegen die Deponie und für den Erhalt des Waldes protestiert. Eine Petition zur Rettung des Waldes haben 4500 Leute unterschrieben. Die Gegener der Deponie Tägernauerholz kritsieren, dass der Bau für die Tier- und Pflanzenwelt gravierende Schäden zur Folge hätte.

Für den Moment bleibt der Wald zwischen Gossau und Grüningen also von einer neuen Abfalldeponie verschont – in rund zehn Jahren wird das Parlament die Diskussion aber erneut führen müssen.

Gegnerschaft fürs erste zufrieden

Die Gemeinden Gossau und Grüningen wehren sich seit zehn Jahren gegen das Projekt einer Deponie in ihrem Naherholungsgebiet. Wortführerin der Gegnerschaft ist die ehemalige Gemeindepräsidentin von Grüningen, Susanna Jenny. Nach dem Entscheid des Kantonsrats meint sie: «Wir haben Zeit gewonnen. Das erfüllt mich mit grosser Zufriedenheit.» Vom Tisch sei das Projekt allerdings nicht, man werde deshalb weiter dagegen kämpfen.

Jenny und ihre Gefolgschaft wollen das weitere Vorgehen des Kantons nun genau beobachten. Und selbst wenn der Wald nicht den Gemeinden, sondern dem Kanton gehört, ist Susanna Jenny zuversichtlich: «Wir als Gemeinden werden weiterhin involviert und informiert. An uns wird niemand vorbeikommen.» Nehmen die Abfallmengen künftig ab, so wie es die grüne Politik abstrebt, könnte sich der Bau einer neuen Schlackendeponie im Tägernauer Holz letztlich gar erübrigen.

Video
Tägernauer Holz: falscher Standort für Deponie
Aus Schweiz aktuell vom 28.10.2019.
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3 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Kann man die Kehrichtschlacke nicht in den Seen versenken? Mit Munition ging das doch damals auch. Ich mein... who cares? Kommt doch eh nicht mehr draufan, denn die Wand am Ende der Autobahn ist längst in Sicht.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Ich denke es geht nicht nur für den Vorrat um den Abfall zu deponieren, sonder um das Kies das von der Grube genutzt werden könnte, bis das Loch zum Deponieren gebraucht werden kann. Könnte es sein, dass hier die Bevölkerung bewusst hinters Licht geführt wird? und der wahre Grund verschwiegen worden ist?
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  • Kommentar von Ruedi Lais  (Ruedi Lais)
    "Der Vorschlag der SP blieb chancenlos" - nun ja, die Abstimmung über den von mir vertretenen Antrag endete 85:86, also nicht chancenlos, sondern ein Zufallsergebnis.
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