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Schweiz 0,1-Promille-Grenze für Neulenker ist umstritten

Seit Anfang Jahr ist der zweite Teil von Via Sicura in Kraft. Während beim ersten Teil des Programms für mehr Verkehrssicherheit die Raser im Fokus standen, geht es jetzt um Alkohol am Steuer. Für Neulenker gilt neu eine Promille-Grenze von 0,1 – de facto ein Alkoholverbot am Steuer.

Wer fährt, trinkt nicht. Neulenker müssen dieses Prinzip drei Jahre lang einhalten – so lange wie sie den Fahrausweis auf Probe haben. Für erfahrende Autofahrer gilt weiterhin die 0,5 Promille-Grenze.

TCS-Sprecher Stephan Müller findet dies nicht in Ordnung. Schliesslich würden für Junglenker schon jetzt während der Probezeit strenge Regeln gelten: «Wer in dieser Zeit einen Verstoss gegen das Strassenverkehrsgesetz begeht, muss mit einem Ausweisentzug rechnen.»

Bei Fahranfängern genügt wenig Alkohol

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU verursachen Junglenker fast doppelt so viele Unfälle wie ältere Lenker. Stephan Müller vom TCS differenziert: «Die meisten alkoholbedingten Unfälle passieren bei über 0,5 Promille, nicht bei 0,2 oder 0,3. So gesehen macht diese Massnahme keinen Sinn. Sie ist einseitig und diskriminierend.»

Junger Mann beim Lenken eines Autos auf einer Teststrecke.
Legende: Junglenkern fehlt es an Routine. Auch ein Grund dafür, dass sie mehr Unfälle verursachen. Keystone

Ein Alkoholverbot für Neulenker, nicht aber für erfahrene Autofahrer? BfU-Sprecher Daniel Menna sieht darin keine Ungleichbehandlung. Denn der Alkohol wirke sich unterschiedlich auf das Fahrvermögen aus: «Bei Neulenkern ist das Fahren noch nicht vollständig automatisiert. Es ist nicht die Routine drin, die man hat, wenn man schon ein paar Jahre Auto fährt.» Es genüge viel weniger Alkohol als 0,5 Promille, um die Fahrfähigkeit einzuschränken. Und dadurch steige auch die Unfallgefahr.

Hoffen auf eine neue Generation

Daniel Menna rechnet damit, dass es mit der neuen 0,1-Limite weniger Unfälle geben wird: «Gemäss unserer Schätzung ist es so, dass mit der Vorschrift 5 bis 10 Getötete und ungefähr 50 bis 70 Schwerverletzte pro Jahr vermieden werden könnten.»

Stefan Krähenbühl von der Stiftung Roadcross, die sich für Strassenverkehrsopfer einsetzt, sieht neben weniger Unfällen noch einen zweiten Grund für ein Alkoholverbot bei Neulenkern: «Es ist durchaus möglich, dass eine neue Generation heranwächst, für die Alkohol und Fahren klar nicht mehr zusammengehören, einfach weil sie es sich aus der Probezeit gewohnt sind, drei Jahre lang keinen Alkohol am Steuer zu trinken.»

Bei Alkohol am Steuer gilt ab Mitte dieses Jahres noch eine weitere Via-Sicura-Massnahme: Wer mit mehr als 1,6 Promille am Steuer erwischt wird, muss durch einen Verkehrsmediziner abklären lassen, ob er ein Alkoholproblem hat.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von S. Sachser, Basel
    Die grossen Unfälle passieren von erfahrenen Automobilisten und nicht von Berufsfahrern und Neulenkern. erhöht man die Alk limite auf 0.5 für Neulenker und Berufsfahrer und senkt sie für routinierte Automobilisten der Kat. B auf 0.1, würden wesentlich mehr Unfälle vermieden als mit der jetzigen Schwachsinnvariante vermieden werden. Diejenigen die im Jahr 50'000km bei Tempo 80 zurücklegen sind anscheinend wie Neulenker unerfahrener, als diejenigen die 5'000km pro Jahr zurücklegen. SP Schwachsinn!
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die Jungen, die Neulenker und die LKW Chauffeure sollen sich gefälligst an diese Richtlinien halten. Es kann nicht sein, dass die Autolenkenden ständig intervenieren und ihren Unmut durchboxen können, währenddem die öV Benützenden stillschweigend Preiserhöhungen und andere Massnahmen akzeptieren müssen.
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    1. Antwort von Fridolin Staub, Männedorf
      Und wer ist es nochmals genau, der den öffentlichen Verkehr massiv subventioniert? Richtig, der Autofahrer. Ich bin selbst Neulenker und befürworte das Alkoholverbot, auch wenn die Umsetztung Fehler enthält. Da sich unser Mobilitätssystem selbst finanziert, dürfen sich Autofahrer wohlnoch einen eigenen Willen erlauben.
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  • Kommentar von Max Hug, Luzern
    In der Schweiz ist alles verboten, und was nicht verboten ist, ist obligatorisch.
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