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10 Jahre BDP «Die Euphorie der Geburtsstunde ist etwas verschwunden»

Legende: Audio 10 Jahre BDP: Politologe Lutz über die Zukunft der Partei abspielen. Laufzeit 02:16 Minuten.
02:16 min, aus Info 3 vom 03.11.2018.

In Zürich feiert die Bürgerlich-Demokratische Partei ihr zehnjähriges Bestehen. Die BDP ist eine Abspaltung der SVP – entstanden in den Turbulenzen rund um die Abwahl von Christoph Blocher und dem Ausschluss von Eveline Widmer-Schlumpf aus der Partei. Nach zum Teil spektakulären Anfangserfolgen, ist die BDP seither wieder dramatisch geschrumpft. Wie könnte es nun in Zukunft weitergehen? Der Politologe Georg Lutz hat dazu einige Vermutungen.

Georg Lutz

Georg Lutz

Professor für Politologie

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Der Politologe Georg Lutz, Link öffnet in einem neuen Fenster ist Professor an der Universität Lausanne. Davor war er Projektleiter der Schweizer Wahlstudie «Selects» am Forschungszentrum Sozialwissenschaften FORS in Lausanne.

SRF News: Hat die BDP eine Zukunft?

Georg Lutz: Sie hat sicher eine Vergangenheit. Zehn Jahre als Partei ist eine Leistung in der Schweiz. Das schaffen nicht alle. Mittlerweile ist die Euphorie der Geburtsstunde etwas verschwunden. Die Partei hat es nicht geschafft, sich breit aufzustellen. Sie ist in drei Kantonen gut präsent. Deshalb ist sie weit davon entfernt eine starke nationale Kraft zu sein.

Aber sie hat eine Zukunft?

Das werden wir sehen. Kleine Parteien haben einen schweren Stand in der Schweiz. Die mediale Aufmerksamkeit ist kaum da. Das macht es schwierig, sich thematisch zu positionieren. Dazu kommt, dass die BDP vor einer grösseren personellen Erneuerung steht. Es gibt da zwar einige interessante, neue Köpfe, die mit viel Elan an die Arbeit gehen, aber ob sie wirklich eine breite Schicht von neuen engagierten Personen anziehen können, das wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.

Wie soll sie sich denn thematisch positionieren, damit sie in der Mitte einen Platz finden kann?

Es gibt theoretisch eine Nische in dieser Mitte. Das ist ein aufgeschlossenes, auch urbanes Publikum in den Agglomerationen der Städte. Das sind Leute, denen sind die Grüne und die SP zu links, die FDP zu liberal und die SVP zu rechts. Was aber für alle Mitte-Parteien schwierig ist, ist dieses Elektorat abzuholen. Themen zu setzen, die ansprechen. Sie sind fast auf die Fehler der grossen Parteien angewiesen.

Eine Fusion mit der CVP scheiterte vor rund vier Jahren. Wäre eine Fusion mit den Grünliberalen eine Option? Sie sind sich thematisch sehr ähnlich.

Die Mitte-Parteien haben insgesamt ein Problem. Es gibt verschiedene kleine Parteien. Wenn sich diese zusammenschliessen würden, gäbe es ein Wählerpotenzial von fast 20 Prozent, allenfalls sogar mehr. Was aber bisher gefehlt hat, ist eine gemeinsame Vision. Es gibt thematisch starke Überlappungen. Die Parteien sind aber zu stark in ihren Traditionen verhaftet und haben es deshalb nicht geschafft, eine gemeinsame Mitte-Kraft aufzubauen. Und das wird in der Schweiz wahrscheinlich erst dann gelingen, wenn es allen schlecht genug geht.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Sie hassten die Erfolgreichen (die stets Klartext redeten), spalteten sich ab und gründeten mit einer "abtrünnigen" (und unehrlichen), ehemaligen SVP-Frau, die zur Bundesrätin gewählt wurde, eine "neue Partei"! Weil kein Parteiprogramm vorhanden war und ist, wurden immer mehr BDP-Politiker(innen) nicht mehr gewählt! Dann verschwand die "Anstandspartei" genau so still, wie sie entstanden und gekommen ist! Ein politisches Märchen für das schweizerische Geschichtsbuch!
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  • Kommentar von Bruno Bär (ursinho007)
    Die Abspaltung der BDP von der SVP war ein wichtiger Akt in der Schweizer Geschichte. Sie weist die Möchte-Gern-Diktatoren darauf hin, dass in der Schweiz die Errichtung einer Diktatur Gott sei Dank keine Chance hat.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Tja, die BDP konnte nur dank dem Zugpferdchen EWS ein wenig punkten. jetzt ist das Rössli abgespannt und der Wagen auf dem Abstellgeleise. Ob die BDP dereinst mit einem neuen Zugpferd aus dem Sumpf gezogen werden kann, wird sich weisen. Es muss ja nicht unbedingt ein Bundesrat sein.
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    1. Antwort von Charles Morgenthaler (ChM)
      Genau das Selbe gilt für die SVP nach ihrem abgehalfterten Zugpferd.
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