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Ein Dorf kämpft gegen die Bedeutungslosigkeit
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 23.06.2021.
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150-Seelen-Dorf Realp Oft abgeschnitten und abgehängt – ein Bergdorf sucht seinen Weg

Unweit von Andermatt liegt das kleine Realp. Vom Tourismus-Boom konnte das Dorf nicht profitieren. Nun soll etwas gehen.

Ein ganz gewöhnlicher Vorabend in Realp. Es ist ruhig im Dorf, die Strassen sind wie ausgestorben. Kein Wunder – denn hier, ganz hinten im Urner Urserental, etwa auf halbem Weg zwischen Andermatt und dem Furkapass, leben heute gerade noch 150 Menschen.

Vor fünfzig Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Doch inzwischen ist das Dorfleben erlahmt. Schule, Bank, Post und Dorfladen sind in den letzten Jahren zugegangen. Das «gewöhnliche» Schicksal eines Bergdorfs.

Bevölkerung ist überaltert

Ganz alles ist aber noch nicht zu. So ist etwa das «Hotel des Alpes» noch in Betrieb. Auf der Terrasse sitzen die Brüder Georg und Franz-Xaver Simmen. Sie sind die einzigen Gäste heute. Beide sind in Realp aufgewachsen und das Dorf liegt ihnen am Herzen.

Realp ist Heimat. Es ist ein schöner Ort mit wunderbaren Bergen rundum. Deshalb muss man weiter hier leben können.
Autor: Georg SimmenUrner Landrat aus Realp

Die beiden haben eine Arbeitsgruppe gegründet mit dem Ziel, dem Dorf neues Leben einzuhauchen. «Wir haben auch ein Problem der Demografie», sagt Franz-Xaver Simmen, «über ein Drittel der Einwohner ist im hohen Pensionsalter.» Deshalb müsse man nun handeln. Und investieren.

An Ideen mangelt es den Brüdern nicht. Im alten Ortskern sollen die Gebäude renoviert werden, auf dem Areal der Matterhorn-Gotthard-Bahn sehen sie Raum für eine Überbauung mit Wohnungen und Läden. Und auch touristisch soll etwas gehen: Ihre Visionen gehen bis zu einem Dreh-Restaurant auf dem Galenstock.

Georg und Franz-Xaver Simmen vor der Kirche in Realp
Legende: Georg und Franz-Xaver Simmen wollen mehr Leben ins Dorf bringen. SRF

Ein grosses Problem steht all diesen Plänen zurzeit noch im Weg: Der Schnee. Im Winter nämlich ist das Dorf wegen Lawinengefahr häufig komplett vom Rest des Kantons abgeschnitten. Im vergangenen Winter etwa war Realp an 15 Tagen nicht erreichbar.

Diese Unsicherheit, wann und wie lange die Strasse zu ist, ist heute einfach nicht mehr akzeptabel.
Autor: Franz-Xaver SimmenArbeitsgruppe «Avenir Realp»

Für Franz-Xaver Simmen ist die unsichere Wintersituation auch der Grund, warum es in Realp kaum Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger gibt. Denn eigentlich läge der Ort ideal, nur gerade zehn Autominuten vom boomenden Andermatt entfernt, wo der Wohnraum gerade für Angestellte des Resorts und des Skigebiets knapp wird. Doch das Risiko, den Arbeitsort in Andermatt nicht erreichen zu können, schrecke viele ab.

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Tom Steiner, Experte für Raumentwicklung: «Bergdörfer bieten viel Freiraum, etwas Neues aufzubauen»
03:21 min, aus Rendez-vous vom 23.06.2021.
abspielen. Laufzeit 03:21 Minuten.

Die Ideallösung wäre eine Galerie, unter der die Strasse geschützt ist. Georg Simmen hat diese Idee als Kantonsparlamentarier zwar schon eingebracht, ist damit aber gescheitert. Zu teuer, hiess es von der Regierung. Deshalb steht nun eine andere Idee im Zentrum: Fernsprenganlagen, mit denen die Lawinen ausgelöst werden können und die Strasse nicht mehr gefährden würden.

Solche Anlagen wären rund zwanzigmal günstiger als eine Galerie, schätzt die Arbeitsgruppe «Avenir Realp». Sie rechnet mit Kosten von 1.5 Millionen statt mit 30 Millionen für die Galerie.

Der Bahnhof als Fluch und Segen

Unter dem «Hotel des Alpes» fährt ein Zug des Furka-Autoverlads durch. Dass es einen Bahnhof im Dorf gibt, ist zwar einerseits ein Vorteil. Andererseits aber sei die Verladestation ein Problem, sagt Franz-Xaver Simmen: «Der Autoverlad nimmt die beste Fläche mitten im Dorf weg, nur damit im Winter hier ein paar Autos herumstehen können.»

Wartende Autos an der Furka-Verladestation mitten im Dorf Realp.
Legende: Wartende Autos an bester Lage: Die Furka-Verladestation mitten im Dorf Realp. SRF

Es gäbe vieles zu tun, sind sich die Brüder einig. Und sie haben Hoffnung, dass ihre Ideen realisiert werden können. Aus dem Dorf hätten sie gute Rückmeldungen erhalten, sagen sie. Und es gebe sogar auch schon Leute, die Interesse angemeldet hätten, in Realp zu investieren.

Mit dem Geld käme dann auch das Leben zurück nach Realp, davon sind die Simmen-Brüder überzeugt. Sodass sie dann in ein paar Jahren ihren Kaffee auf der Terrasse des «Des Alpes» nicht mehr alleine trinken müssten.

SRF 4 News, Rendez-Vous, 23.06.2021, 12:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Lindenberg  (LindenTh)
    Wie sieht es denn mit Wintersportangeboten bzw. deren Umsetzbarkeit in Realp selber aus? Im Sommer fährt ja die DFB, aber das ist auch die einzige regionale Attraktion, die ich kenne.
  • Kommentar von David López Garcia  (David López)
    Das ist der natürliche Lauf der Dinge, in der Stadt gibt es Arbeit, Kinderbetreuung und keine Lawinen.

    In der Region wo mein Vater herkommt im Norden von Spanien sind solche "Geisterdörfer" schon lange präsent. Die Meisten Dörfer sind nur wirklich im Sommer richtig belebt oder haben angefangen alte Häuser zu restaurieren und als Museum öffentlich zugänglich zu machen wie bspw. hier, das "Haus des Wassers" war früher die Schule meines Vaters.

    https://m.facebook.com/casadelaguadebres
  • Kommentar von René Lüthi  (Ron)
    Sosehr ich den Aufschwung mit sanftem Tourismus jedem Bergdorf auch wünsche. Die Hoffnung im Artikel auf "ein paar Jahre" kann man gleich begraben. Im Goms knorzt man seit Jahrzehnten um jeden Stuhl, der für Touristen aufgestellt werden soll. Ein Herr Sawiris klotzt eben und kleckert nicht, doch ob es sich wie im wir Artikel beschrieben in Andermatt wirklich um einne Aufschwung handelt..... da möchte ich doch etwas fundiertere Aussagen. Die Geschichte vom goldenen Ei in Davos spricht Bände!