«16 straight» – Plädoyer für mehr Südstarts in Zürich

Der Flughafen Zürich mit seinen Pistenkreuzen gehört zu den komplexesten in Europa. Mehr Flüge geradeaus gegen Süden würden die Sicherheit erhöhen, betont der Präsident des Fluglotsenverbands, Mario Winiger. Lärmtechnisch habe das vom Bund geplante Flugregime zu Tageszeiten kaum grossen Einfluss.

Über den Flughafen Zürich wacht Skyguide: Die Pistenkreuze sind eine besondere Herausforderung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Über den Flughafen Zürich wacht Skyguide: Die Pistenkreuze sind eine besondere Herausforderung. Keystone/Archiv

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) will am Flughafen Zürich bei Bise und Nebel mehr Starts Richtung Süden zulassen. Mit rund 13‘000 solcher Flugbewegungen pro Jahr wird gerechnet. Lärmpolitischer Widerstand im dichtbesiedelten Gebiet südlich des Flughafens ist vorprogrammiert.

Für Mario Winiger, der für die Flugsicherung Skyguide im Kontrollturm sitzt, überwiegt dagegen das Sicherheitsargument: «Der Start auf der Piste 16 Richtung Süden geradeaus führt die Flugbewegungen weg vom Flughafen», betont der Präsident des Fluglotsenverbands im Interview mit SRF News. Zurzeit konzentrierten sich sämtliche Flugbewegungen über dem Flughafen. Daher stelle jede Maschine, die vom Flughafen wegfliege, keinen potenziellen Konflikt mit den Maschinen über dem Gelände mehr dar.

Mehr Sicherheit und mehr Kapazität

Das neue Regime soll nur bei Bise und Nebel gelten. Die Starts im aktuellen Bisenkonzept auf der Piste 10 Richtung Kloten sind laut Winiger allesamt abhängig von den Landungen auf der Piste 14 von Norden her. Wenn solche Maschinen durchstarten müssten, ergebe sich wiederum ein potenzieller Konflikt mit den Starts auf der Piste 10 Richtung Kloten.

Die nötige Abstimmung der Flugbewegungen führt laut Winiger aufgrund des Timings auch zu Kapazitätseinbussen. Für ihn ist deshalb klar: «Beim Start auf der Piste 16 geradeaus (straight) und bei Landungen auf der Piste 14 gäbe es keine Abhängigkeiten, was die Sicherheit erhöht und gewisse Kapazitäten freimachen würde.»

«16 straight» nur am Tag während Spitzenzeiten

Winiger hat Verständnis dafür, wenn die Anwohner im Süden am Abend und zu den Randzeiten keinen Flugverkehr über ihren Dächern wollen. Den «16 straight» nach Süden fordert er deshalb nur zu Spitzenzeiten, die am Flughafen in der Regel über den Mittag anfallen. Ob es auch das Wochenende brauche, könne selbstverständlich noch diskutiert werden. Winiger geht davon aus, dass das neue Regime während der Arbeitszeiten von 08.00 Uhr bis 17.00 Uhr «lärmtechnisch keinen grossen Einfluss» haben sollte.

Der Flughafen Zürich ist nach den Worten von Winiger einer der wenigen wenn nicht der einzige Flughafen in Europa, der heute noch geplant mit kreuzenden Pisten betrieben wird. Aufgrund der lärmpolitischen Vorgaben in den An- und Abflugrouten gebe es zu viele Kreuzungen. Kreuzende Flugwege wiederum seien ein Risikofaktor und anfällig für Fehler: «Die überdurchschnittlich vielen Vorfälle, die wir hatten, standen alle im Zusammenhang mit einem Pistenkreuz.»

«  Als Aviatiker und Berufsmann könnte ich den Flughafen viel sicherer und mit höherer Kapazität betreiben. »

Mario Winiger
Präsident des Verband der Zürcher Fluglotsen (Aerocontrol Switzerland),

Angst habe er keine, wenn er im Kontrollturm arbeiten gehe, sagt Winiger. Probleme habe er aber, dass der Flughafen Zürich nach politischen Bedürfnissen betrieben werde: «Als Aviatiker und Berufsmann könnte ich den Flughafen viel sicherer und mit einer höheren Kapazität betreiben.»